Der Winter in Winterberg: Zum Hüttenzauber ins Hochsauerland

Von: Bernd F. Meier, dpa
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Hochsauerland
Spaß im Schnee: Von Dezember bis März ist Hochsaison in Hochsauerland. Foto: ddp

Winterberg. „Herr Wahle” sagt hier oben niemand. „Nennt mich doch einfach Möppi”, fordert Klaus Wahle die neuen Gäste in seiner urigen Skihütte am Poppenberg auf. Gemütlich und rustikal geht es zu „Bei Möppi” und in den 44 anderen Hütten in der Wintersportarena Sauerland rund um Winterberg.

Von Dezember bis in den März hinein ist Hochsaison in der Gegend um die 14.500-Einwohner-Stadt, deren Name Winterberg während dieser Zeit zutreffender gar nicht sein kann.

In der höchstgelegenen Stadt Nordrhein-Westfalens und 15 Dörfern ringsum tummeln sich dann zehntausende Gäste: Passionierte Abfahrtsläufer, Rodler, Skilangläufer und Winterwanderer. „Mit den 165 Ski- und Rodelabfahrten, über 90 Pistenkilometern, 150 Liften und rund 250 Schneemaschinen ist das Hochsauerland das bedeutendste Wintersportgebiet nördlich der Alpen”, sagt Winterbergs Tourismusdirektor Michael Beckmann.

Nach dem Motto „einmal zahlen für alles” gibt es heutzutage den Skipass Wintersport-Arena Card. Er umfasst ab einer Aufenthaltsdauer von drei Tagen das ausgedehnte Pistengebiet von Schmallenberg im Westen bis Züschen im Süden, das nordöstlich bis über die Landesgrenze ins hessische Wintersportzentrum Willingen hinüberreicht.

Im „Sankt Moritz des Nordens”, wie sich die Winterberger manchmal selbstbewusst nennen, sind nicht nur Skifahrer willkommen. Für Snowborder zum Beispiel gibt es an der Postwiese in Neuastenberg einen Funpark. Wenn die Schneelage es erlaubt, werden am Poppenberg in der Nachbarschaft der St. Georg-Skisprungschanze ebenfalls spezielle Abfahrten modelliert. Für Skilangläufer werden 170 Kilometer Loipe gespurt, Winterwanderer können auf 30 Kilometer geräumten Wegen durch die verschneiten Wälder streifen.

Am Sahnehang des Kahlen Astens surren bereits die Skilifte, wenn die Gebirgswiesen woanders noch grün sind. „Da wir auf der Nordseite des Bergmassivs liegen, sind wir der schneesicherste Skihang in Nordrhein-Westfalen”, versichert Hüttenwirt Heijo Krevet. Doch wie kam der zwischen 775 und 836 Meter hoch gelegene Sahnehang zu seinem Namen? Einer Überlieferung zufolge sollen Winterurlauber um 1920 im Dörfchen Altastenberg schwärmerisch erzählt haben, auf der Nordseite des Kahlen Astens sei der Schnee „erste Sahne”. Die Bezeichnung wurde später ins Kataster eingetragen worden und gelte bis heute, sagt Krevet.

Ab einer dauerhaften Temperatur von etwa minus zwei Grad Celsius kommen an den Skipisten die Beschneiungsanlagen zum Einsatz. Mit sieben Beschneiern sei der Sahnehang innerhalb von 30 Stunden für Skiabfahrten und die Rodler präpariert, weiß Krevet aus Erfahrung.

In Krevets Köhlerhütte, die direkt am Fuß der 750 Meter langen Abfahrt liegt, können bis zu 350 Gäste Platz nehmen. Deftiges wird serviert. Für die niederländischen Skigäste hat der Lift- und Hüttenbesitzer auch Spezialitäten in niederländischer Sprache auf der Speisekarte. „Wir bieten auch holländischen Toast an, neben der Sauerländer Bratwurst und Flammkuchen”, ergänzen die beiden „Wiesenwirte” Andreas und Christoph Klante. Immerhin stammt ein gutes Drittel der Wintergäste aus den Ebenen der Niederlande.

Auf der Remmelswiese haben die Klantes aus einem ehemaligen Stall die Skihütte „Rauher Busch” für Familien gestaltet. Ein paar Pistenschwünge weiter bietet das Brüderpaar fürs Après-Ski das „Alm Salettl”. Das ist Österreichisch und heißt Gartenpavillon. Kreisrund gebaut, geht hier zur Winterzeit ab dem späten Nachmittag bei Musik und Getränken die Post ab - Remmidemmi im Rondell.

Die 45 Skihütten an den Skipisten und Wanderwegen bieten für jeden etwas. „Für Familien mit Kindern den ruhigen Ausklang eines sportlichen Wintertags, genauso wie für Singles und junge Leute, die abends richtig abfeiern wollen”, sagt Tourismusdirektor Beckmann. Wer auch im Schnee hochsommerliche Gefühle von Strand und Meer haben möchte, ist im Neuastenberger Skigebiet Postwiese richtig: Im „Sunside Café” trinken Skifahrer in Strandkörben ihren Glühwein.

Eine Zeitreise in die Vergangenheit zu den Anfängen des Wintersports im Hochsauerland unternehmen die Besucher im Westdeutschen Skimuseum Neuastenberg. Die Sammlung im Schultenhof zeigt anschaulich die Entwicklung des Wintertourismus ab 1906 in der Gegend zwischen dem höchsten Berg Nordrhein-Westfalens, dem 843 Meter hohen Langenberg, und dem Kahlen Asten mit dem markanten Astenturm. Das Asten-Bergmassiv ist zwar bekannter, bringt es aber „nur” auf 841 Meter Höhe über dem Meeresspiegel.

Im Skimuseum ist beispielsweise ein originales Fremdenzimmer von 1907 zu sehen. Bei manchen Besuchern werden Erinnerungen an die ersten eigenen Pistenschwünge geweckt, wenn sie die schwarz-weiß karierte Flagge entdecken. Das Fahnentuch signalisierte in den 60er Jahren auf den Bahnhöfen: Am Wochenende rollen wieder Wintersportsonderzüge ins Hochsauerland.

Jeden Mittwochnachmittag zeigt der Holzschnitzer Wilfried Bodenmüller den Besuchern außerdem, wie aus einem Stück Eschenholz in traditioneller Handarbeit und mit einer altertümlichen Biegemaschine ein paar Skier entstehen. Zu den Hütten, die zur Einkehr einladen, zählen in Winterberg-Niedersfeld die Hochheide-Hütte mit ihrer Sonnenterrasse und in Hoheleye die gleichnamige Hütte. Die beiden Holzhäuser liegen direkt am Rothaarsteig und sind auch schöne Rastplätze für Wanderer.

Informationen: Tourist-Information, Am Kurpark 6, 59955 Winterberg (Tel.: 02981/925 00, E-Mail: info@winterberg.de .
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