Der „singende Sand” von Indiana

Von: Claudia Bell, dpa
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Trotz der hohen Besucherzahl sind die Strände im Indiana Dunes National Lakeshore nie überfüllt. Foto: Great Lakes of North America/Craig Berg

Porter. Es ist unheimlich an diesem Nachmittag in den Dünen. Kalter Wind fegt durch die Gräser und Haare, fast mystisches Sonnenlicht bahnt sich mühsam seinen Weg durch die grauen Wolken. Kaum jemand ist unterwegs im Indiana Dunes National Lakeshore.Ein ungewohntes Bild in dem 6000 Hektar großen Dünenpark am Südende des Lake Michigan im US-Bundesstaat Indiana.

Pro Jahr kommen mehr als drei Millionen Menschen in diese eindrucksvolle Dünenlandschaft.

Die vor langer Zeit durch die Winde geformten Strände verwandelten sich mit Absinken des Seespiegels am Ende der Eiszeit in eine Dünen- und Moränenlandschaft. Heute liegen die vorderen Stranddünen frei, und die wenigen Bäume, die zum Teil durch die noch immer wandernden Dünen halb bedeckt sind, behaupten ihr Dasein unter schwierigen Bedingungen. Hinter den vordersten Seedünen, die einen perfekten Windschutz bieten, verbirgt sich eine Waldlandschaft, durch die sieben Wanderpfade mit insgesamt etwa 30 Kilometern Länge verlaufen.

Die Menschen, die hierher kommen, suchen vor allem Ruhe, erzählen die Mitarbeiter des Parks. „Auch an sonnigen Tagen, wenn viele Besucher hier sind, hat man nie das Gefühl, an einem überfüllten Strand zu liegen oder sich beim Wandern oder Grillen auf die Füße zu treten”, sagt Ruth Keefover vom Porter-County-Besucherzentrum.

Gleichwohl kann das hohe Besucheraufkommen auch eine ungünstige Situation für die empfindliche, äußerst sensible Dünen- und Gräserlandschaft hervorrufen: „Unsere Dünen sind zwar ziemlich stabil. Aber sobald zu viele Menschen durch das empfindsame Dünengras-System laufen, wird es kritisch, und die Dünen sacken ab”, sagt Keefover. Besonders deutlich wird die Sensibilität des Bodens an der Wanderdüne „Mount Baldy”. „Diese Düne kann nicht durch Gräser und andere Pflanzen stabilisiert werden und wandert so jede Woche ein kleines Stückchen weiter”, erzählt Touristenführer Brian Blackford.

Die Ranger sind stolz auf die Landschaft, in der sie arbeiten, und sprechen fast liebevoll vom „singenden Sand”: Die Beschaffenheit des Indiana-Dunes-Sandes aus einer Kombination von Quarzkristallen und Feuchtigkeit sei so speziell, dass sie beim Druck und der Reibung durch die Füße einen Musikton erzeuge. „Dieses klare Quietschen vom singenden Sand gibt es weltweit nur an ganz wenigen Stränden”, schwärmt Blackford.

Weiter entfernt vom Strand, in den dicht bewachsenen Eichen- und Ahornwäldern, schlängeln sich die Wanderwege bergauf und bergab. Auch hier läuft man auf sandigem, wenn auch von Gräsern bewachsenem Boden. Seltene Vogelarten zwitschern, trällern und kreischen in den Bäumen. Von mehreren Aussichtspunkten und natürlich von der mit 60 Metern höchsten Düne im Park, dem „Mount Tom”, hat man bei klarem Wetter eine fantastische Sicht auf die Wolkenkratzer von Chicago.

„Viele Menschen kommen aus der Stadt zur Erholung hierher, mit dem Auto fährt man ja nur eine Stunde”, sagt Blackford. Und so tummeln sich vor allem an Sommer-Wochenenden Sonnenhungrige, Wanderer, Vogelbeobachter und Familien mit Kindern in Chicagos „Naherholungsgebiet”. Grillen, campen, sich ausruhen, chillen - das ist es, was die gestressten Städter hier tun und von dem sie träumen, wenn sie von Chicagos Wolkenkratzern aus zu den Dünen hinüberblicken.

Das Naturschutzgebiet Indiana Dunes National Lakeshore ist etwa eine Autostunde von Chicago entfernt. Die Anreise ist auch mit dem „South Shore Train” möglich. Das Gebiet wurde im Jahr 1923 als Naturschutzgebiet anerkannt. Neben Ausflügen an den Strand oder Wanderungen bieten die drei Besucherzentren auch Naturführungen an.

Informationen: Fremdenverkehrsbüro Great Lakes of North America, Schwarzbachstraße 32, 40822 Mettmann, Telefon 02104/797451.

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