Der Kudamm feiert Geburtstag: 125 Jahre Prachtboulevard

Von: Andreas Heimann, dpa
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Der Kudamm feiert Geburtstag - 125 Jahre Prachtboulevard
Der Kurfürstendamm zieht sich rund dreieinhalb Kilometer durch den Westen der Hauptstadt - der Boulevard ist bei Touristen genauso beliebt wie bei den Berlinern. Foto: 125 Jahre Kudamm/Sergej Horovitz/dpa/tmn

Berlin. Der Kudamm war Prachtboulevard, Künstlertreffpunkt und Amüsiermeile. Immer noch ist er Berlins berühmteste Straße und für Touristen eine der ersten Adressen. In diesem Jahr wird er 125 Jahre alt - und lässt sich feiern.

Straßen werden nur selten zur Touristenattraktion. Die Fifth Avenue in New York hat das geschafft, und die Champs Elysées in Paris gehören dazu. Deutschland kann da nicht mithalten. Aber wenn überhaupt, dann zählt der Kudamm in Berlin zu den Prachtstraßen der Welt - und das schon eine ganze Zeit.

Denn der dreieinhalb Kilometer lange „Boulevard” im Westen der Hauptstadt war bereits zur Kaiserzeit und vor allem in den Goldenen Zwanzigern Berlins erste Flanier- und Amüsiermeile. Genau genommen ist der Kurfürstendamm viel älter, doch die Berliner feiern in diesem Sommer sein 125-jähriges Bestehen. Und dabei gibt es auch für Touristen einiges zu sehen.

Angelegt wurde der Kudamm schon 1542 - damals war er nur ein Reitweg, der das Berliner Stadtschloss mit dem Jagdschloss Grunewald verband. Von Prachtboulevard war da noch keine Spur, und das blieb auch lange Zeit so. Erst nach der Reichsgründung hatte so mancher in Berlin das Gefühl, was die Franzosen in Paris können, das sollte auch in der deutschen Reichshauptstadt möglich sein.

Und so wurde der Kurfürstendamm großzügig ausgebaut. Als Startschuss für den neuen Kudamm gilt der 5. Mai 1886. An diesem Tag war die erste Dampfstraßenbahn auf dem Kurfürstendamm im Einsatz.

Das mag ein bisschen an den Haaren herbeigezogen klingen, es hält die Berliner aber nicht davon ab, genau dieses Jubiläum zu feiern. Entlang des Kudamms tragen die Laternenmasten nun goldene Schleifen mit der Aufschrift „125”, und in den Vitrinen zwischen Breitscheidt- und Lehniner Platz sind unter dem Motto „Der Kurfürstendamm - 125 Jahre, 125 Geschichten” noch bis Oktober Exponate zu sehen, die die Geschichte von Berlins berühmtester Straße illustrieren.

Wer sich ein bisschen Zeit nimmt, bekommt in kleinen, leicht verdaulichen Häppchen Stadt- und Gesellschaftsgeschichte geboten: Die Ausstellungsstücke erinnern an Marlene Dietrich, die hier am Kudamm zu Klavierbegleitung als Sängerin Erfolge feierte, und an jüdische Kaufleute wie Berthold Neumann, den Inhaber einer Piano-Großhandlung, die einst am Kudamm zu Hause waren, bevor die Nazis sie verfolgten, vertrieben und ermordeten.

Aber auch für Demos der 1968er war der Kudamm beliebtes Terrain: „Lass den Kuchen und die Sahne - Nehmt euch eine rote Fahne!” skandierten sie in Richtung der irritierten Damen und Herren, die es sich beim Kaffeeklatsch in den vielen Kudamm-Cafés gutgehen ließen.

Wenn in Berlin etwas los war, dann meist auch auf dem Kudamm: 1979 demonstrierten dort erstmals in Deutschland beim Christopher Street Day Homosexuelle für ihre Rechte, zehn Jahre später zogen die Raver der ersten Love Parade hier entlang.

Davon, dass an vielen Stellen am Kudamm Geschichte geschrieben wurde, ist heute nichts mehr zu sehen. Und der oft gehörte Vergleich mit den Champs Elysées erscheint etwas großspurig. Einen Hauch von Boulevard hat der Kudamm mit seinem Grünstreifen in der Mitte und den Bäumen an der Seite aber tatsächlich.

Viele Restaurants gibt es entlang der Straße - viele schicke und noch mehr nicht ganz so schicke - von Sushi bis „Pasta to go”, etliche Cocktailbars und Cafés.

Und der Kudamm ist immer noch eine der ersten Adressen unter Berlins Shoppingmeilen. Auch weil es fast nichts gibt, was es hier nicht gibt, und die Mischung so bunt ist: Juweliere und Jaguar-Händler, Baumarkt und Reformhaus, Hochzeitsmode gleich mehrfach, das „Haus der 100 Biere” - Hausnummer 100 -, Orientteppiche und Oxfam - „Für eine gerechte Welt ohne Armut”.

Etwas edler sind die Geschäfte zwischen Olivaer Platz und Bleibtreustraße. Hier gehen die einkaufen, für die Luxus kein Schimpfwort ist und die für bekannte Marken auch mal etwas mehr bezahlen, wenn es um Mode oder Schmuck geht. Kaum ein Label fehlt - von Max Mara bis Prada, von Burberry bis Louis Vuitton, von Chanel bis Gucci, von Bulgari bis Chopard.

Und wer nicht gleich zuschlägt, guckt zumindest mal ins Schaufenster: auf die Luxus-Armbanduhren etwa, die leicht mal 18 000 Euro kosten können.

Vor allem in den 1920er Jahren war der Kudamm auch ein Tummelplatz für Künstler und Literaten, Stars und Sternchen aus Film, Funk und Revuetheater. Ein bisschen ist davon geblieben: Die Schaubühne ist nach wie vor am Kudamm zu finden - mit einem netten Café, das einen Zwischenstopp lohnt - genau wie das Theater, die Komödie am Kurfürstendamm oder das traditionsreiche Astoria-Kino.

Das Jubiläumsprogramm hat noch einige Führungen, Lesungen und Konzerte zu bieten. Am 3./4. September wird der Kudamm für 42 Stunden auf der gesamten Länge gesperrt.

Dort soll dann viel Platz für Modenschauen, Musik-Acts, Shopping sowie Essen und Trinken sein. Vom 12. bis 23. Oktober soll sich der Kudamm beim „Festival of Lights” buchstäblich im besten Licht zeigen.

Und schon jetzt gibt es am Breitscheidplatz eine „Schaustelle” mit Informationen zur Zukunft des Kudamms. Denn rund um den Boulevard wird einiges passieren: Der Zoopalast, eines der bekanntesten Kinos der Stadt, wird umgebaut und mit moderner Digitaltechnik ausgestattet.

Und in unmittelbarer Nähe entsteht das „Zoofenster”, ein Wolkenkratzer, der mit 32 Stockwerken das höchste Gebäude der Umgebung sein wird. Dort zieht unter anderem das Luxushotel „Waldorf-Astoria” ein.

Eine Baustelle ist auch die nahe Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche - dessen berühmte Turmruine wird zur Zeit saniert. Einen Besuch lohnt das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gotteshaus mit der kleinen Ausstellung in der früheren Eingangshalle trotzdem. Gleich um die Ecke fängt der Kudamm an - oder hört auf, je nach Perspektive. Und egal, ob nun 125 Jahre alt oder nicht, zu sehen gibt es am „Prachtboulevard” immer noch eine ganze Menge.
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