Rochlitz - Der Kerkermeister zieht die Daumenschrauben an: Auf Sachsens Burgen

Der Kerkermeister zieht die Daumenschrauben an: Auf Sachsens Burgen

Von: Detlef Berg, dpa
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Wie eine Primadonna auf einem Bergsporn thront Burg Kriebstein hoch über der Zschopau. Foto: dpa

Rochlitz. Dunkel ist es. Die Verliese und Folterkammern bekommen dadurch einen ganz besonderen Reiz. Wenn dann noch der Kerkermeister seine Geschichten von Gaunern, Mördern und Dirnen erzählt, gruseln sich die Besucher gewaltig.

Die zweistündige Erlebnisführung „Unterwegs mit dem Kerkermeister” zeigt die eher düstere Geschichte der Burganlage auf Schloss Rochlitz. Kalte Schauer laufen den Besuchern bei der Vorstellung über den Rücken, dass hier vor 500 Jahren die Gefangenen gequält wurden. Zu sehen sind Folterinstrumente wie Daumenschrauben und Streckleitern.

Heiter und frivol geht es dagegen bei verschiedenen anderen Veranstaltungen wie Ritterspielen oder dem Hofball zu. „Tanz war einst ein wichtiger Teil des höfischen Lebens”, erzählt der Museumsführer. „Beim Hofball knüpfen wir an diese Tradition an. Dann treten die Torgauer Renaissancetänzer in ihren prächtigen Kostümen auf, ein Zeremonienmeister gibt Spannendes aus dem höfischen Leben zum Besten. Dazu wird nach alter Sitte getafelt.”

Die Mauern des Schlosses Rochlitz mit seinen beiden wuchtigen Türmen erzählen von einer 1000-jährigen wechselvollen Geschichte. Das hoch über dem Fluss Mulde gelegene Schloss ist nur eines von rund 1000 Burgen, Schlössern und Herrenhäusern in Sachsen. Viele dieser steinernen Zeugen einer langen und wechselvollen Geschichte sind in den Jahren seit der Wende in neuem Glanz wiedererstanden.

Burg Kriebstein zum Beispiel ist für viele Burgenfans eine der schönsten wehrhaften Anlagen in ganz Deutschland. Vollständig renoviert sitzt sie wie eine Primadonna auf einem Bergsporn. Unten tief im Tal, gesäumt von grünen Buchenwäldern, schäumt die Zschopau über ein Wehr. Der wilde Fluss umfängt die imposante Burg von drei Seiten und machte sie im Mittelalter nahezu uneinnehmbar.

Besucher erreichen die Ritterburg über die mit 25 Prozent Steigung wohl steilste Straße Sachsens. Im Burginnern zu entdecken gibt es die Gotische Halle, das Schatzgewölbe, die Kapelle mit wertvollen Wandmalereien sowie den Rittersaal. Nur im Rahmen von Sonderführungen lässt sich das Kriebsteinzimmer besichtigen. Es befindet sich im 45 Meter hohen Wohnturm mit seinen sechs Dacherkern und beeindruckt mit seinen vollständig erhaltenen, farbigen Malereien aus dem 14. Jahrhundert.

Nur ein paar Kilometer weiter liegt am Rande der beschaulichen Kleinstadt Leisnig mit der Burg Mildenstein ein weiteres mittelalterliches Machtsymbol aus Stein. Auf einem Rundgang erfahren die Besucher, dass der Name der Burg erstmals im Jahr 1046 erwähnt wurde. Nacheinander hielten hier Salierkönige, die Staufer unter Kaiser Barbarossa und später die wettinischen Markgrafen Hof.

Viel Geld ist in die Restaurierung der auf einem Felsen über der Freiberger Mulde gelegenen Burg geflossen, doch es ist noch viel zu tun. Zu lange wurde die alte Bausubstanz vernachlässigt. Der historische Kornhausboden mit seiner einmaligen Dachstuhlkonstruktion aus dem Jahre 1380 ist bereits wieder hergerichtet worden. Der große Raum, den Holzbalken wie ein filigranes Gewölbe überspannen, wird für wechselnde Ausstellungen genutzt.

Ausführlich erklärt der Museumsführer, wie zum Beispiel die ausgestellten Ritterrüstungen hergestellt wurden. Die Kinder bestaunen die massigen Schutzkleider und wollen wissen, ob die nicht viel zu schwer zum Tragen sind. „Nein”, lacht der Museumsführer, „damals gab es noch richtig starke Männer, und die hatten unter der Rüstung sogar noch Kettenhemden an.”

Begeistert sind die Kleinen auch vom Riesenstiefel. Der Name kommt nicht von ungefähr. Es müsste wirklich schon ein wahrer Riese daherkommen, um den Lederstiefel mit der Schuhgröße 330 anziehen zu können. In Würdigung der jahrhundertelangen Schuhmachertradition fertigten 1996 zwei Leisniger Schuhmachermeister einen fast fünf Meter hohen Stulpenstiefel an.

Viel zu sehen gibt es auch im Schloss Augustusburg. „Krone des Erzgebirges” wird das ganz in der Nähe von Chemnitz gelegene Schloss genannt. „Dieser Name kommt von den vier Spitzdächern auf den Eckhäusern”, erklärt Führerin Carmen Ehrlich bei einem Rundgang. „Der sächsische Kurfürst August I. wollte sich hier ein Denkmal setzen und ließ ab 1568 ein monumentales Jagd- und Lustschloss errichten.”

Heute beherbergt die weitläufige Anlage mehrere Museen und ist vor allem für Biker ein Anziehungspunkt. Auf Schloss Augustusburg gibt es ein Motorradmuseum mit einer der umfangreichsten Zweiradsammlungen in Europa. Die Biker treffen sich regelmäßig, bestaunen museale Raritäten und sind stolz auf ihre chromblitzenden Motorräder.

Burgen in Sachsen

Anreise: Die meisten Burgen liegen im Städtedreieck zwischen Leipzig, Chemnitz und Dresden und sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Bequemer ist die Anreise mit dem Auto.

Unterkunft: Das Angebot reicht von preiswerten Jugendherbergen (zum Beispiel auf Schloss Augustusburg) über einfache Pensionen bis hin zu komfortablen Hotels in den jeweiligen Regionen.

Schlösserland-Karte: Die Schlösserland-Karte bietet freien Eintritt in die angeschlossenen Burgen sowie weitere Vergünstigungen. Sie kostet für zehn Tage 20 Euro, für ein Jahr 40 Euro und gilt für einen Erwachsenen und zwei Kinder.

Unformationen: Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen, Stauffenbergallee 2a, 01099 Dresden, Tel.: 0351/563 91 10 01. Tourismusverband Sächsisches Burgen- und Heideland, Niedermarkt 1, 04736 Waldheim, Tel.: 034327/96 60.
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