Bürstadt/Budenheim - Den Hintermann immer im Blick: Motorradtrips in der Gruppe

Den Hintermann immer im Blick: Motorradtrips in der Gruppe

Von: Tobias Hanraths
Letzte Aktualisierung:
Den Hintermann immer im Blick - Motorradtrips in der Gruppe
So ists richtig: In versetzt fahrenden Motorradgruppen hat der Einzelne sowohl Vorder- und Hintermann als auch die Straße im Blick. Das senkt das Unfallrisiko. Foto: dpa

Bürstadt/Budenheim. Motorradausflüge in der Gruppe machen manches unmöglich - etwa eine gepflegte Unterhaltung während die Reifen rollen. Viele Motorradfahrer schwören aber trotzdem auf das Gemeinschaftserlebnis. „Sonst entgeht einem zum Beispiel das Benzingequatsche in den Pausen”, sagt Matthias Hirsch, Chef des Motorrad-Portals <a href="http://www.bikerszene.de" target="_top">http://www.bikerszene.de</a>

Benzingequatsche sei quasi die Zweirad-Variante des bekannten Seemannsgarns. „Und das gehört einfach dazu.”

Gleichgesinnte finden Motorrad-Fans im Internet oder bei lokalen Stammtischen. Neulingen rät Hirsch, sich zu Beginn nicht zu übernehmen: „Sonst wird die Fahrt am Ende für beide Seiten frustrierend.” Auch Michael Lenzen empfiehlt, nicht mit Tagestouren, sondern lieber mit ein- bis zweistündigen Ausflügen zu starten: „Lange Motorradfahrten sind auch körperlich anspruchsvoll, das wird gerne unterschätzt”, erklärt der Vorsitzende des Bundesverbands der Motorradfahrer.

Bei der Auswahl einer Gruppe sollte auch das angepeilte Fahrtempo beachtet werden. „Meist hilft da schon ein Blick auf die Maschinen”, sagt Lenzen. Besonders rasante Fahrer hätten meistens auch die entsprechenden Motorräder. Neulingen empfiehlt er eher langsame Gruppen: „Sonst setzen sie sich nur unnötig unter Druck, und unter Druck macht man schneller Fehler.”

Nicht mehr als 50 km/h

Überhaupt sollte auf Landstraßen nicht mehr als ein Schnitt von 50 km/h eingeplant werden. „Das klingt wenig, ist aber angesichts von Pausen und anderen Faktoren realistisch”, sagt Lenzen. Gerade eine Gruppe müsse nicht immer Tempo 70 oder 100 fahren, auch wenn es erlaubt ist. Grundsätzlich gilt: Lieber nicht zu viel vornehmen. „Sonst macht die Tour irgendwann einfach keinen Spaß mehr.”

Auch für Matthias Hirsch ist der Vergnügungsfaktor wichtiger, als „Strecke zu machen”: „Es gibt Leute, die 500 Kilometer an einem Tag schaffen. Aber die brechen dann auch früh morgens auf, kommen im Dunkeln nach Hause und halten nur zum Pinkeln und Tanken an.” Besser seien bei Tagestouren deshalb 250 bis 300 Kilometer.

Außerdem sollten vor Fahrtantritt Motorrad und Fahrer gut durchgecheckt werden. „An die Maschine denken die meisten”, sagt Lenzen. „Dass der Fahrer auch fit sein sollte, wird dabei gerne vergessen.” Hat jemand schon länger nicht mehr auf dem Bock gesessen, sei ein Fahrsicherheitstraining eine gute Methode, um verlorene Fähigkeiten wieder zu erlernen. Selbst routinierten Zweiradpiloten könne eine gelegentliche Auffrischung der Fahrkünste nicht schaden. Auch die Runde auf dem leeren Parkplatz hilft dabei.

Später auf der Piste gilt vor allem eine Regel: Jeder richtet nicht nur den Blick auf die Straße vor sich, sondern behält auch den Hintermann im Auge. So kann die Kolonne auch dann anhalten, wenn es hinten mal Probleme gibt - ohne, dass man sich während der Fahrt mühsam mit Rufen oder Handzeichen verständigen muss. Noch einfacher wird die Kommunikation mit ein wenig Vorbereitung, erklärt Lenzen: „Tauschen sie vor Fahrtantritt am besten Handynummern aus und vereinbaren sie Treffpunkte, falls sie sich doch mal verlieren.” Das erspare den Zurückgefallenen potenziell gefährliche Aufholjagden.

Gruppe nicht zu groß

Hilfreich sei auch, wenn nicht nur ein Teilnehmer, sondern alle über die geplante Strecke informiert sind. Entscheidend für den Zusammenhalt ist auch die Teilnehmerzahl: „Die Gruppe sollte nicht zu groß sein”, rät Hannelore Herlan, Sprecherin der Deutschen Verkehrswacht: „Bei mehr als zehn Fahrern steigt die Gefahr des Auseinanderfallens.” Außerdem könnten solche Gruppen schnell zu einer Behinderung für andere Verkehrsteilnehmer werden.

Neulinge nehmen am besten den Platz hinter dem ersten Fahrer ein - so kann der Unroutinierte das Tempo der Gruppe bestimmen. Ganz wichtig: Es sollte nie in einer Reihe gefahren werden. „Fahren sie versetzt hintereinander”, rät Herlan. „Das wird auch von der Polizei empfohlen.” Durch das versetze Fahren habe man nicht nur Vorder- und Hintermann, sondern auch den Verkehr besser im Blick. Der normale Sicherheitsabstand solle natürlich trotzdem eingehalten werden, gegenseitiges Überholen innerhalb der Gruppe sei tabu.

Nur auf der Autobahn gelten ein paar andere Regeln. Zwar ist auch hier die gemeinsame Tour nicht grundsätzlich verboten, Herlan empfiehlt aber, größere Gruppen etwas zu unterteilen: „Mehr als drei oder vier Motorradfahrer sollten nicht zusammen auf der Autobahn sein.” Das versetzte Fahren dürfe in diesem Fall, wenn überhaupt, nur eingeschränkt praktiziert werden. Bei allen Regeln unterstreicht Herlan jedoch: „Eine Rundfahrt in der Gruppe ist ein ganz besonderes Erlebnis, das jeder Motorradfahrer einmal mitgemacht haben sollte.”
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