Das doppelte Städtchen: Breisach und Neuf-Brisach nähern sich an

Von: Karin Willen, dpa
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Das doppelte Städtchen: Breisach und Neuf-Brisach nähern sich an
Das eindrucksvolle Stephansmünster kündet von Breisachs großer Geschichte. Foto: Breisach-Touristik/dpa/tmn

Breisach. Einst waren sich Breisach und sein wehrhafter kleiner Zwilling Neuf-Brisach eine stete Bedrohung. Heute trifft man sich beiderseits des Rheins beim Einkaufen und unterstützt sich bei der Welterbe-Bewerbung. Nur beim Namen ist man sich noch nicht ganz einig.

Wie ein Herz und eine Seele geben sich die ungleichen Zwillinge Breisach und Neuf-Brisach heute. Die Franzosen fahren kurz über die Rheinbrücke und kaufen Biolebensmittel, dunkles Brot, Kuchen und Törtchen beim Bäcker oder decken sich mit dem günstigeren badischen Wein ein.

Die Deutschen holen sich aus dem Elsass Baguette, Fisch und Käse. Beide Tourismusbüros verweisen aktiv auf den ungleichen Zwilling und zeigen Radfahrern „grenzenlose Touren”. Doch so familiär geht es erst seit 2000 zu, nachdem sich die beiden Städte offiziell verschwisterten. Früher waren die Zwillinge einander eine ständige Drohung.

Breisach sah Frankreichs „Sonnenkönig” nach dem Friedensvertrag von Rijswijk 1697 als offene Flanke, die schnell zu schließen war. Kurz davor noch hatte sein Baumeister Vauban die stattliche Festung auf dem Münsterberg in Breisach zum Bollwerk gegen die Habsburger ausgebaut. Unten am Fluss trutzte das Rheintor als eines der schönsten Exemplare barocker Triumpharchitektur. Und dann die schmachvolle neue Grenzziehung.

Ein Jahr nachdem Ludwig XIV. Breisach dem Erzfeind zurückgeben musste, begann Vauban deshalb, gerade mal 2400 Meter entfernt eine Militärfeste aus dem oberrheinischen Schwemmland zu stampfen. Nach wenigen Jahren reckte sich ein gewaltiger achteckiger Wall in die Höhe: Neuf-Brisach, der wehrhafte linksrheinische Zwilling von Breisach.

Die Straßen im Innern des elsässischen Festungssterns folgten einem strengen geometrischen Muster. Auf Kirche und Rathaus warteten die Bewohner zwar noch Jahrzehnte, aber die neu gezogene Reichsgrenze war erst mal unbezwingbar, und die Soldaten hatten genügend Bier zu trinken. Zu ihrem Glück spielte Neuf-Brisach in der Militärgeschichte keine große Rolle.

Der quadratische Exerzierplatz in der Mitte der Festung ist heute ein Marktplatz mit Platanen, Holzbänken und viel „plein air”. Marschall Vauban legte ihn einst an, um rasch die Truppen sammeln zu können. Jetzt spielt sich hier das kleinstädtische Leben vor Tourismusbüro und Konditorei ab. Die gewaltige Mauer ums Städtchen herum ist heute ein Spazierweg auf den Spuren vergangener Größe.

Rechtsrheinisch geht es mit dem Münsterberg und dem romanisch-gotischen Stephansdom sowie dem ältesten Gebäude, dem Radbrunnen, deutlich weiter zurück in die Geschichte. Der Eckartsberg, auf dem der „getreue Eckhard” aus der Völkerwanderungs-Sage eine Burg besessen haben soll, ist ein gern erklommener Aussichtspunkt.

Von der einstigen Festung ist nicht mehr viel zu sehen, nachdem Kaiserin Maria Theresia befahl, sie zu schleifen. Im prachtvollen Rheintor ist heute das Stadtmuseum untergebracht. Und in der Vinothek der größten europäischen Erzeuger-Weinkellerei, dem Badischen Winzerkeller am Marktplatz, findet man neben den Neuf-Brisachern auch andere Elsässer beim Degustieren der badischen Weine.

Nur beim Eigennamen schlagen dann doch Geschwisterrivalitäten durch. Für die Elsässer ist das deutsche Breisach das Vieux-(Alt-) Brisach, und das offizielle Neuf-Brisach heißt bei ihnen nur Brisach. Das waren lange Zeit Petitessen für die Breisacher, die sich mit mehr als 14 000 Einwohnern gegenüber wenig mehr als 2000 in Neuf-Brisach immer als großer Bruder sehen. Zumal der Festungsstern aufgrund seiner Mauern nicht wachsen kann.

Nun aber hat es der kleinere Zwilling 2008 in die Liste des Welterbes geschafft, als Idealform der barocken Vaubanschen Festungsstadt. Und Breisach wäre so gern mit dem Rheintor dabei - was in Neuf-Brisach auch befürwortet wird. „Darin sind wir jetzt allerdings Anhängsel von Neuf-Brisach”, sagt Breisachs Bürgermeister Oliver Rein.

„Wir haben in Breisach zwar das Rheintor, aber insgesamt zu wenige Vauban-Bauwerke.” Rein setzt ganz auf die enge geschichtliche Klammer zwischen Breisach und Neuf-Brisach. Sein französischer Kollege Richard Alvarez bestärkt ihn darin: „Unsere Partnerschaft ist so stark wie die Mauern unserer Festung.” Die sind immerhin fast fünf Meter dick und wurden bekanntlich bislang nicht eingenommen.

Bis das gemeinsame Anliegen allerdings beschlussreif vor der Unesco landet, wird noch viel Wasser den Rhein hinunter fließen. Zwei andere Gemeinden zwischen den Zwillingen, Volgelsheim und Biesheim, haben da noch ein Wörtchen mitzureden.

Informationen: Breisach-Touristik, Marktplatz 16, 79206 Breisach am Rhein (Tel.: 07667/94 01 55, E-Mail: info@kaiserstuhl.cc). Office de Tourisme du Pays de Brisach, 6, Place dArmes, F-68600 Neuf-Brisach (Tel.: 0033/3/89/72 56 66, E-Mail: info@tourisme-paysdebrisach.com).
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