Das Blaue Land in den oberbayerischen Voralpen

Von: Cornelia Höhling, ddp
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Bad Tölz. Noch liegt es tief verschneit - das Blaue Land. Aber bald wird das in der Sonne glitzernde Weiß, das Bäume und Wiesen verschleiert hält, einem satten Grün weichen.

Das magische Spiel der Farben und des Lichts veranlasste Franz Marc (1880-1916), die oberbayerische Voralpenlandschaft um den Walchen- und Kochelsee bis nach Murnau verklärend Blaues Land zu nennen.

Angesichts der Naturschönheiten fragt keiner, ob Marc damit das blaugrüne Wasser der Seen meinte, in denen sich der Himmel spiegelt, oder das Geistige, das seit der Romantik durch die Farbe Blau ausgedrückt wird. Zahlreiche Aufenthalte in der unverwechselbaren Bergkulisse hatten den Maler bereits als Kind und Akademieschüler fasziniert, so dass er seinen Wohnsitz nach Ried bei Kochel am See verlegte.

Für Bayernkönig Max II. (1811-1864) war das Zwei-Seen-Land mit dem 1731 Meter hohen Herzogstand „der schönste Platz in meinem Bayernland”. Kaiser, Könige und Kirchenfürsten ließen sich begeistert über den Kesselberg kutschieren.

Eine Marmorbüste auf der letzten Serpentine erinnert daran, dass Goethe auf seinen Italienreisen am Walchensee Rast machte. Lovis Corinth (1858-1925) schuf hier seine berühmten Walchenseebilder, die noch bis April im Franz-Marc-Museum in Kochel am See zu bewundern sind.

Der Neubau der Kesselbergstraße 1893 hatte Anfang des 20. Jahrhunderts den Tourismus hierher gebracht. Wanderungen an Bayerns mit 196 Metern tiefstem Gebirgssee garantieren Erholung zu jeder Jahreszeit.

Im Winter machen sorgfältig gespurte Loipen Lust auf Langlauf, und individuell zugeschnittene Schneeschuhtouren mit Paul Wolf um die Halbinsel Zwergern führen in eine bezaubernde Schneelandschaft. Im Sommer verführen die vielen Naturstrände vor allem im Osten und Süden des Sees zum Baden.

Frei vom Schmutz und Lärm der Motorboote werden dann auch Ruder-, Tret-, Paddel- und Segelbootfahrten zum Vergnügen. Überdies gilt der Walchensee als Taucher- und Surfparadies.

Das abseits der großen Skipisten westlich des Walchensees gelegene Skigebiet Herzogstand lockt mit seinen Liften bis Anfang April zum Wintersport.

An klaren Tagen gibt der Berg ein herrliches Gipfelpanorama über das Wettersteinmassiv und Karwendelgebirge bis hin zu den Gletscherriesen der Tiroler Alpen frei.

Aktive können den Aussichtspunkt zwischen den beiden Seen erklettern. Er lässt sich auch bequem mit einer Gondelfahrt erreichen. Der Lieblingsberg des Märchen-Königs Ludwig II. (1845-1886), dem hier im wahrsten Sinne des Wortes Bayern zu Füßen lag, eignet sich als Ausgangspunkt für Touren und Wanderungen.

Nach einer Stärkung im ganzjährig bewirtschafteten Berggasthaus auf 1575 Metern Höhe können die Mutigen den Herzogstand-Gipfel (1731 m) erklimmen. Die Gratwanderung zum Heimgarten (1790 m), die zu den 100 schönsten Gratwanderungen der Alpen zählt, setzt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraus.

Fast sanft dagegen die Anhöhe der Kohlleite über Kochel, wo Marc seine beiden Frauen auf Leinwand gebannt hat.

Wanderungen auf den Spuren des Blauen Reiters, der von Marc und seinem Weggefährten Wassily Kandinsky 1911 gegründeten Künstlergruppe, führen entlang der Loisach, in die Ebene des Kocheler Mooses, eines riesigen zusammenhängenden Moorgebiets, oder vorbei an Wasserfällen bis hinauf in die Almregion.

Wer die Runde bis zur Staffelalm ausdehnt, kann eine zünftige Brotzeit genießen und zwei Fresken von Marc bewundern: Stierkopf sowie Hirsch und Hirschkuh. Für Geübte lohnt es sich, den rund 200 Meter höher gelegenen Rabenkopf zu ersteigen.

Sich einzulassen auf die Expressionisten, sie selbst zu entdecken, ermöglicht auch die 30 Kilometer lange Radtour „Auf den Spuren des Blauen Reiters”.

Der komplette Rundweg erstreckt sich sogar über 54 Kilometer. Es geht zu den verschiedenen Wohnplätzen der Künstler. Über das sehenswerte Kloster Benediktbeuern mit Vogelstation schlängelt sich die Route nach Ried bei Kochel, vorbei an dem Haus, in das Marc nach Sindelsdorf, wo auch seine berühmten Blauen Pferde entstanden, zog.

Er endet schließlich an seinem Grab auf dem Kocheler Friedhof. Immer wieder lassen sich an den Originalschauplätzen Vergleiche mit den Bildmotiven ziehen.

Zur Verschnaufpause und anschließendem Kunstgenuss lädt die Terrasse des 1986 in Kochel am See mit seiner über 1250-jährigen Geschichte gegründeten Franz-Marc-Museums mit herrlichem Ausblick auf Herzogstand und Kochelsee.

Seit 2008 hat ein neues Gebäude die Ausstellungsfläche vervielfacht, und die Bilder aus Marcs Nachlass wurden durch andere Sammlungen und Leihgaben ergänzt.

Hinzu kamen Werke von Kandinsky, Münter, Macke, Klee u. a., die die große Bedeutung Franz Marcs im Kreis der Künstler des Blauen Reiters verdeutlichen.

Walchen- und Kochelsee - Weiterführende Informationen Der Walchensee (16,4 Quadratkilometer, 7 Kilometer lang, 5 Kilometer breit, 196 Meter tief und Trinkwasserqualität Güteklasse 1) liegt 75 Kilometer südlich von München.

Anreise nach Kochel am See: - per Pkw: Bundesstraße 11, 6 Kilometer zur Autobahn A 95 München - Garmisch; - Bahn: Bahnhof Kochel, im Stundentakt von und nach München, Von Kochel regelmäßige Busverbindung nach Walchensee.

info@toelzer-land.de

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