Chemnitz - Chemnitz präsentiert sich als Stadt der Moderne

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Chemnitz präsentiert sich als Stadt der Moderne

Von: Horst Heinz Grimm, dpa
Letzte Aktualisierung:
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Den Roten Turm gibt es in Chemnitz nur einmal: Das Wahrzeichen der Stadt spiegelt sich hier in einer Fensterscheibe. Foto: dpa

Chemnitz. Rund um das historische Rathaus von Chemnitz herrscht reges Treiben: Straßencafés, gemütlich schlendernde Einkaufsbummler und eilige Passanten prägen das Stadtbild.

Ein moderner Bau in Wellenform des Stararchitekten Christoph Ingenhoven dient als Modehaus. Etwas weiter laden ein Gläsernes Kaufhaus und ein Einkaufszentrum mit markanter Terrakottafassade zum Besuch ein.

„Wir positionieren uns als Stadt der Moderne”, erklärt der Geschäftsführer der City Marketing Gesellschaft, Michael Quast. Die Kunstsammlungen Chemnitz locken längst die Freunde der zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandenen Kunstrichtungen. Das Museum war ein Brennpunkt der Avantgarde, bis 1937 die Nationalsozialisten „entartete Kunst” aus den Sammlungen entfernten und die Künstler verfolgten. Zu ihnen gehörte der Maler Karl Schmitt-Rottluff, ein Sohn der Stadt und einer der wichtigsten Vertreter des Expressionismus.

„Wir besitzen mit etwa 350 Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken den zweitgrößten Bestand seiner Arbeiten”, sagt Jörg Ivandic, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Kunstsammlungen. Zweiter Schwerpunkt ist die Sammlung des Münchner Galeristen Alfred Gunzenhauser, die dieser Chemnitz stiftete. Es sind etwa 2400 Werke der Moderne, darunter befindet sich mit 290 Arbeiten eine der größten Sammlungen des deutschen Malers und Grafikers Otto Dix. Sie ist seit Ende 2007 im ehemaligen Sparkassengebäude aus den 1930er Jahren zu sehen.

Das markante Wahrzeichen von Chemnitz ist der Kopf eines Mannes, der die Stadt am gleichnamigen Flüsschen niemals besucht hat und ihr trotzdem seinen Namen gab: Karl Marx. Das mehr als sieben Meter hohe bronzene Haupt des Begründers des wissenschaftlichen Sozialismus thront seit 1953 auf einem Granitsockel vor dem ehemaligen Bezirksratsgebäude. Den Marx-Kopf haben die Chemnitzer behalten, den Stadtnamen nicht. Kurz nach der Wende entschieden sie sich in einer Volksabstimmung zu 76 Prozent für die historische Bezeichnung.

Im Zentrum von Chemnitz hauchten die Stadtväter den wenigen Resten der Vergangenheit wieder Leben ein, die den Feuersturm der Bombenangriffe überstanden haben. Dazu gehören neben dem Rathaus das Wahrzeichen Roter Turm, einst Teil der Stadtbefestigung und das Siegertsche Haus mit prächtiger Barockfassade. In Wirtschaftskreisen Europas machte sich Chemnitz im 19. Jahrhundert einen Namen als „sächsisches Manchester”. Es war eine Keimzelle der Industrialisierung in Deutschland und auch ein frühes Zentrum der deutschen Arbeiterbewegung.

Textilproduktion und Maschinenbau machten die Stadt reich. Tausende Lokomotiven rollten hier aus den Werkhallen. Ein reicher Textilfabrikant beauftragte 1901 den belgischen Architekten Henry van de Velde mit dem Bau der Villa Esche und ihrer Einrichtung. Sie gilt als ein Kleinod des Jugendstils. Die Bürger pflegten mit wachsendem Reichtum auch die Kultur. Im Opernhaus aus dem Jahr 1909 feierte der österreichische Tenor Richard Tauber sein Debüt als Tamino in Mozarts „Zauberflöte”. Heute stehen auch zunehmend moderne Kompositionen auf dem Spielplan.

Auf dem Schlossberg gründete im 12. Jahrhundert Kaiser Lothar ein Kloster, um das sich die Siedlung entwickelte. Eine neue ständige Ausstellung präsentiert die größte Sammlung gotischer Skulptur in Sachsen. Die Stadt der Moderne vergisst ihre Vergangenheit nicht.
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