Bundesgartenschau: Rund ums Schloss blüht es längst

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Schweriner Schloss
Der Schweriner Schlosspark und dessen Umgebung wird Schauplatz der Bundesgartenschau (BUGA) 2009. Foto: ddp

Schwerin. Die Sonne glitzert auf dem Pfaffenteich. Die Wellen schlagen ruhig ans Ufer, am Horizont ist der Dom zu sehen. Bis vor kurzem wurde hier noch an der neuen Uferpromenade gearbeitet, die an „Schwerins Binnenalster” entlang führt.

Am kleinsten See der kleinsten Landeshauptstadt Deutschlands haben Besucher einen guten Blick auf das, was für Schwerin typisch ist: viel Klassizismus, viel Kopfsteinpflaster, aber auch viel Grün und Blau. In der „Stadt der sieben Seen” gab es schon lange sehenswerte Gartenanlagen. Sieben Gärten bilden nun das Gelände der Bundesgartenschau (BUGA), die noch ein Grund mehr ist, Schwerin einen Besuch abzustatten.

Mehr als 1,5 Millionen Gäste werden vom 23. April bis 11. Oktober zur BUGA erwartet. Das ist eine ganze Menge für eine Stadt, die nur gut 96.000 Einwohner hat. „Es wird ganz sicher Spitzenzeiten geben, in denen alle 3000 Betten ausgebucht sind”, sagt Marieke Sobiech von der Schweriner Tourismus GmbH. Aber auch im Umland der Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern lässt sich übernachten: Es gibt 5000 weitere Betten im Umkreis von 50 Kilometern, zum Teil gleich neben den 32 BUGA-Außenstandorten von Güstrow über Wismar bis Ludwigslust.

Am meisten zu sehen gibt es aber in Schwerin selbst: „Sieben Gärten mittendrin” ist das BUGA-Motto. Anders als seit vielen Jahren gewohnt, ist die Bundesgartenschau diesmal wieder direkt in der Stadt und verbindet markante Punkte wie die Schlossinsel mit dem Sitz des Landtags, den Marstall, den Burgsee und den Schlossgarten.

In Schwerins Innenstadt sind die Wege kurz, vom Hauptbahnhof ist der Pfaffenteich in wenigen Minuten erreicht. Beide Ufer verbindet eine Fähre, die Überfahrt dauert nur ein paar Minuten. „Das ist die preisgünstigste Kreuzfahrt der Welt”, sagt Stadtführer Ingo Gundlach. Am Nordufer ist das ehemalige E-Werk zu erkennen. Dass dort mal Strom produziert wurde, ist dem Neorenaissance-Gebäude nicht anzusehen - es wirkt mit seinen verspielten Türmen eher wie ein Schlösschen. „Heute wird es als eine Spielstätte des Staatstheaters genutzt.”

Typisch für Schwerin: Architektonisch war hier vieles möglich, was anderswo nicht ging. Schließlich war die Stadt lange Residenz der mecklenburgischen Herzöge, die bauen ließen, worauf sie Lust hatten. Und es gab manchen Architekten, der sich das nicht zweimal sagen ließ, vor allem Georg Adolph Demmler, ein Schüler des preußischen Star-Architekten Karl Friedrich Schinkel. An der Alexandrinenstraße, nicht weit vom Ufer des Pfaffenteichs, ließ er das Arsenal bauen.

Es wirkt mit seiner langen Vorderfront, seinen Zinnen und dem Turm über dem Haupteingang wie eine mittelalterliche Burganlage und fällt durch seinen neuen Anstrich in einem Farbton zwischen Ocker und Orange noch mehr ins Auge. Einige von Demmlers Ideen werden erst jetzt umgesetzt: „Wo bei der BUGA der Garten des 21. Jahrhunderts ist, hatte er schon einen Volkspark geplant”, erzählt Gundlach. Der Garten bleibt auch nach der BUGA erhalten - samt Rasenflächen zum Picknicken und Volleyballfeldern, und damit ganz in Demmlers Sinn.

Wie das Arsenal wurde auch das Rathaus im englischen Tudor-Stil gebaut. Es steht, wie es sich gehört, am ebenso großen wie schönen Marktplatz. Hier ist die höchste Stelle der Altstadt. Das war in früheren Jahrhunderten ein taktischer Vorteil - und hat heute noch Vorzüge. Besonders beliebt ist, zwischen den klassizistischen Säulen der Markthalle an der Nordseite in der Sonne zu sitzen, Kaffee zu trinken und das Geschehen auf dem Marktplatz zu beobachten.

Direkt vor der Markthalle steht ein modernes Denkmal des Künstlers Peter Lenk. Es heißt „Die Spur des Löwen” und erinnert an Heinrich den Löwen, der die Stadt 1160 gegründet hat - was sie zur ältesten ganz Mecklenburg-Vorpommerns macht.

In Rostock, das 1990 auch gerne Landeshauptstadt geworden wäre, hört man das nicht so gerne, genauso wenig wie die Geschichte mit dem Schweriner Dom. Dessen Turm ragt hinter dem Marktplatz in den Himmel. Auch wer kein überzeugter Kirchensteuerzahler ist, zeigt sich von dem riesigen Kirchenschiff mit seinem Kreuzrippengewölbe oft beeindruckt. „Der Turm ist 117,5 Meter hoch”, erzählt Ingo Gundlach, „genau einen halben Meter höher als der in Rostock.” Auch das Gestühl hat seine Besonderheiten: Es gibt in den Kirchenbänken Klappsitze. „Wenn früher jemand zu spät zum Gottesdienst kam, musste er aufpassen, beim Runterklappen keinen Lärm zu machen”, erklärt Gundlach. „Deswegen heißt es noch immer "Halt die Klappe!"”

Schwerins Wahrzeichen aber ist nicht der Dom, sondern das Schloss, das mit seinen vielen Türmchen ein bisschen an Neuschwanstein erinnert, ein bisschen an Disneyland und ein bisschen an die Schlösser der Loire. „Die Baugeschichte ist 1000 Jahre alt”, sagt Gundlach. Seine jetzige Gestalt bekam es aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts - und wer hat das wohl maßgeblich zu verantworten? Demmler natürlich! „Die große Kuppel ähnelt der des Französischen Doms in Berlin, den hat nämlich ein Demmler-Schüler gebaut.”

Seit der Wende wird das Schloss fast ununterbrochen saniert. „Ich habe es noch nie ohne Baugerüst gesehen”, erzählt Marieke Sobiech. Zur BUGA sollen die Arbeiten nun weitgehend abgeschlossen sein. Auch der Schlossgarten ist komplett umgestaltet worden. „Der südliche Schlossgarten wurde seit den 1890er Jahren nicht mehr gepflegt”, sagt BUGA-Sprecher Gert Steinhagen. „Wir haben ihn nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wieder hergestellt.” Der Burggarten auf der Schlossinsel ist der einzige, der auch während der BUGA kostenfrei offen steht. „Es ist der kleinste der sieben Gärten”, sagt Steinhagen. In seinem Nordteil werden vor allem Rosen blühen.

Rosen gibt es auch im Garten am Marstall jede Menge: 81.000 Rosenstöcke sind dort gepflanzt worden. Ein neuer Ponton verbindet den Ufergarten und die Marstallinsel und ermöglicht einen „Spaziergang über das Wasser”. „Man hat dabei die Chance, das Schloss aus einer ganz neuen Perspektive zu sehen”, sagt Steinhagen. Das Ponton hat eine Brücke, damit die Schiffe der Weißen Flotte passieren können. Grün und Blau bleiben auch während der BUGA die dominierenden Farben in Schwerin - bei einer Fahrt über den Schweriner See ist das trotz all der bunten Blüten in den BUGA-Gärten nicht zu übersehen.

Informationen: Tourist-Information, Am Markt 14, 19055 Schwerin (Tel.: 0385/592 52 12, E-Mail: info@schwerin.info)
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