Bosnien-Herzegowina bietet Exotik- und Abenteuertourismus

Von: Thomas Brey, dpa
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Bosnien/ Jahorina
Das Skigebiet auf dem Berg Jahorina vor den Toren der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Bosnien-Herzegowina ist 14 Jahre nach Ende des Bürgerkrieges (1992-1995) wieder auf die touristische Landkarte zurückgekehrt. Genau 25 Jahre nach den Olympischen Winterspielen in Sarajevo, nach Krieg, Teilung und Zerstörung bietet das Land ausländischen Urlaubern wieder zaghaft erste Angebote. Mit gut 600.000 offiziell registrierten Gästen kamen im vergangenen Jahr immerhin doppelt so viele wie unmittelbar nach dem blutigen Krieg. Foto: dpa

Sarajevo. Bosnien-Herzegowina ist 14 Jahre nach Ende des Bürgerkrieges (1992-1995) wieder auf die touristische Landkarte zurückgekehrt. Genau 25 Jahre nach den Olympischen Winterspielen in Sarajevo, nach Krieg, Teilung und Zerstörung bietet das Land ausländischen Urlaubern wieder zaghaft erste Angebote.

Mit gut 600.000 offiziell registrierten Gästen kamen im vergangenen Jahr immerhin doppelt so viele wie unmittelbar nach dem blutigen Krieg. Weil die meisten Privatvermieter ihre Gäste wegen der Abgaben und Steuern nicht anmelden, ist die tatsächliche Besucherzahl deutlich höher.

„Das absolute Top-Ziel ist bei uns der Wallfahrtsort Medjugorje mit einer Million Übernachtungen im Jahr”, sagt Tourismusminister Nevenko Herceg. Doch in dem seit Anfang der 80er Jahre explosionsartig gewachsenen Muttergottes-Ort südlich von Mostar, der vor allem Pilger aus den USA und Westeuropa anzieht, läuft noch wenig geplant und fast alles in wilder Eigeninitiative der Vermieter und Reiseveranstalter.

In Mostar, der Hauptstadt der kroatisch geprägten Herzegowina, springen wagemutige Burschen von der nach der Zerstörung im Krieg wieder aufgebauten weltberühmten osmanischen Brücke in den Neretva- Fluss. Die letzten zerbombten Gebäude sollen noch in diesem Jahr verschwinden. Um die Stadt herum wurde ein Netz von Weinstraßen angelegt, da die Gegend im alten Jugoslawien vor allem für ihre Weißweine bekannt war. Auch einige neue Ethnodörfer („Leben wie damals”) buhlen um Besucher.

Der Gast dürfe sich von Mängeln in einigen Unterkünften nicht abschrecken lassen, erklären die Behörden und räumen damit Verbesserungsmöglichkeiten ein. Das werde jedoch durch die Herzlichkeit der Vermieter und die atemberaubende Landschaft („Durch die Schluchten des Balkans”) wett gemacht. Vor allem beeindruckt die wilde Bergkulisse, die teilweise erst vor 40 Jahren durch moderne Straßen erschlossen wurde.

Die Hauptstadt Sarajevo selbst soll zum Touristenmagneten entwickelt werden. Die in großen Teilen zerstörte Stadt ist inzwischen wieder nahezu komplett aufgebaut. Einige Besucher interessieren sich als „Kriegstouristen” noch für die Schauplätze des Völkergemetzels. Doch der Tourismusverband setzt auf das frühere Zusammenleben der Muslime, Serben und Kroaten als Beispiel für eine gelungene multikulturelle Gesellschaft, heißt es im örtlichen Tourismusverband. Attraktionen seien die vielen alten und neuen Moscheen sowie der alte, orientalisch geprägte Bazar.

Vor allem aber soll der Wintertourismus neu belebt werden. Zwar wurden die olympischen Anlagen auf den Bergen Jahorina und Bjelasnica vor den Toren von Sarajevo im Krieg weitgehend zerstört. Doch heute gibt es wieder moderne Hotels und Privatunterkünfte. Auch ausländische Wintersportler kommen allmählich zurück. Noch sind es vorwiegend die Nachbarn aus dem ehemaligen gemeinsamen Staat Jugoslawien: Serben, Kroaten und Slowenen führen die Gästeliste an. An vierter Stelle liegen schon mit 17 000 Besuchern in ganz Bosnien die Deutschen.

Auf den Olympia-Bergen ist das übliche Gedränge auf den Pisten weitgehend unbekannt. „Skifahren wie vor 30 Jahren”, werben die Hoteliers. Hier wie auch im ganzen Land brauchen die Urlauber von jenseits der Grenzen einen gehörigen Schuss Abenteuerlust. Doch sollen Investitionen in die Branche schon bald überall westliche Standards ermöglichen. Jedenfalls ist vor kurzem ein touristischer Masterplan bis 2018 erstellt worden. Man weiß, wohin die Reise gehen soll. Was jetzt fehlt, ist der politische Wille der zerstrittenen Muslime, Serben und Kroaten, ausländische Investoren und das liebe Geld aus dem Staatshaushalt.
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