Bischofskirche und Bonifatiusgrab: Fulda punktet mit barocker Pracht

Von: Bernd F. Meier, dpa
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Fulda
Fulda ist eine alte Bischofsstadt. Bonifatius, der „Apostel der Deutschen”, liegt im barocken Dom (Bild) begraben. Die geistlichen Herren prägten das Stadtbild für Jahrhunderte. Viele Besucher kommen heute allerdings als Kongressgäste - oder wegen der Ausflugsmöglichkeiten in die Rhön. Foto: dpa

Fulda. Keine 500 Meter sind es in Fulda vom Paulustor bis zur Stadtpfarrkirche. „Genau auf diesen paar hundert Meter sind links und rechts unsere bedeutenden Sehenswürdigkeiten”, sagt die Stadtführerin Monika Herchen.

Fulda vereint vieles: Bischofsstadt, Barockstadt, Bonifatiusstadt und auch Kongressstadt. Darüber hinaus ist es ein beliebter Ausgangspunkt für Abstecher in die nahe Rhön.

Gleich beim Paulustor lohnt die romanische Michaelskirche einen Besuch. Sie gilt als die älteste freistehende Kirche Deutschlands. Monika Herchen führt Besucher gerne zu einer steingrauen mittelalterlichen Vespertafel. „Schauen Sie mal genauer hin: Die komplette Passionsgeschichte ist dort wie in einem modernen Comic dargestellt.”

Neben der Michaelskirche erhebt sich der Dom. Er ist das Wahrzeichen der Stadt, bedeutendste Barockkirche Hessens und Grabstätte des Heiligen Bonifatius, der als „Apostel der Deutschen” verehrt wird. Ab 1704 in nur acht Jahren errichtet, ruht das Bauwerk auf den Mauern einer viel älteren Kirche aus dem 9. Jahrhundert. Der Baumeister hatte vom Fürstabt von Schleifras den Auftrag, die Grundmauern des alten romanischen Klosterkirche zu nutzen. So seien im Mauerwerk noch einige der uralten Steine zu entdecken, erläutert Stadtführerin Herchen.

Das Gotteshaus beherrscht den weitläufigen Vorplatz, auf dem sich zum Todestag von Bonifatius am 5. Juni tausende Pilger treffen. Kirchliche Tradition erlebt Fulda darüber hinaus mit der Deutschen Bischofskonferenz, die seit 1867 alljährlich im Herbst in der osthessischen Stadt tagt.

Gleich gegenüber ließen die Fürstäbte und die späteren Fürstbischöfe das Stadtschloss mit dem Schlosstheater, der Orangerie und dem Schlossgarten errichten. Gemeinsam mit dem Dom bilden die Bauten des 18. Jahrhunderts ein barockes Ensemble von ungewöhnlicher Geschlossenheit. Etliche Prunksäle des Schlosses sowie das kostbare Spiegelkabinett stehen Besuchern offen. Andere Räume werden vor allem von den Fuldaer Bürgern in dienstlichen Angelegenheiten aufgesucht - das Stadtschloss ist heute Sitz der Stadtverwaltung.

Auf Schritt und Tritt begegnen die Besucher der Stadt der kirchlichen und weltlichen Macht vergangener Zeiten. Mit prächtigen barocken Fassaden prunken beim Stadtschloss die beiden Adelspalais, die einst den Hofbeamten als Wohnungen dienten. Klein im Vergleich zu den stattlichen Barockbauten ist die Altstadt mit ihren engen Gassen. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg sind am Severiberg und in der Rittergasse nur wenige Fachwerkhäuser stehen geblieben, die auf die Bedeutung von Handwerkern und Zünften im 16. Jahrhundert hinweisen.

Viele Gäste Fuldas kommen heutzutage allerdings weder als fromme Pilger noch als Bewunderer der barocken Baukunst: Sie reisen zu Tagungen und Seminaren in die Bischofsstadt. In unmittelbarer Nachbarschaft des Hauptbahnhofes besteht seit fünf Jahren ein rege genutztes modernes Kongress- und Hotelzentrum.

„Weil wir zentral in Deutschland liegen und täglich rund 135 ICE- und IC-Züge in Fulda halten, sind wir in nur rund drei Stunden von Hamburg, Berlin, München und Köln aus erreichbar”, erläutert Elisabeth Schrimpf vom Tourismus- und Kongressmanagement Fulda. „Autofahrer kommen über die Nord-Süd-Autobahn A7 und von Frankfurt aus über die A66 zu uns.”

Die Besucher haben die Auswahl aus einem reichhaltigen Angebot von 60 verschiedenen Stadtführungen - von dem nur eine Stunde dauernden Kompaktrundgang über die Gartentour in barocke Parks und klösterliches Kräutergrün bis hin zum Erlebnisrundgang für die Jüngsten von fünf bis neun Jahren. Unter dem Motto „Barock - was ist denn das?” können sie in die Lebenswelt vergangener Zeiten eintauchen.

Für Wochenendgäste ist Fulda ein guter Startpunkt zu Rundfahrten in die Region. Gleich vor den Toren der Stadt bietet sich im nahen Eichenzell der Besuch von Schloss Fasanerie an. Im frühen 18. Jahrhundert als Jagdschloss und Sommerresidenz errichtet, beherbergt der imposante Bau heute die kostbare private Kunstsammlung der Landgrafen von Hessen. In den 60 Sälen und Kabinetten, die bis Ende Oktober besichtigt werden können, wird die Porzellansammlung des Adelshauses mit wertvollem Tafelgeschirr präsentiert. Teile des weitläufigen Schlossparks sind ganzjährig geöffnet.

Nur an den Pfingsttagen öffnet sich beim Fürstlichen Gartenfest auch der barock gestaltete Bereich für alle. Dann kommen die Liebhaber blühender Blumenpracht auf ihre Kosten: Park und Gärten, Scheunen und Höfe von Schloss Fasanerie werden zur stimmungsvollen Kulisse von Gartenkultur und ländlicher Lebensart.

Einen ganzen Tag sollten die Besucher Fuldas einplanen für eine Tour durch die Rhön zum höchsten Berg Hessens, der 950 Meter hohe Wasserkuppe mit dem Segelflugzentrum. In die jüngere Geschichte führt der Besuch der Gedenkstätte „Point Alpha” an der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Rasdorf. An dem Beobachtungsposten standen sich zu DDR-Zeiten amerikanische und russische Soldaten direkt gegenüber. „Point Alpha” war damals ein „heißer Ort im Kalten Krieg”.
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