Bei Reisekrankheit nicht aus dem Seitenfenster gucken

Von: Elke S. Gersmann, ddp
Letzte Aktualisierung:
Reisekrankheit
Wenn Kindern im Auto schlecht, sollten sie nicht aus dem Seitenfenster schauen. Foto: ddp

München. Viele Eltern kennen das. Kaum ist man mit dem Auto losgefahren, heißt es vom Rücksitz schon: „Mir ist schlecht.” Reisekrankheit tritt besonders häufig bei Kindern zwischen zwei und zwölf Jahren auf.

Im Prinzip könne es aber jeden treffen, betont Nina Buschek, Medizinerin und Redakteurin beim Internetportal netdoktor.de. Doch mit guter Vorbereitung und dem richtigen Verhalten kann man die im Auto, Bus oder Flugzeug auftretende Übelkeit oft ganz gut in den Griff bekommen.

Bei der Reisekrankheit handele es sich trotz der Bezeichnung nicht um eine Erkrankung, erklärt Buschek. Schwindelgefühl und Übelkeit entstehen vielmehr, weil der Gleichgewichtssinn durcheinandergerät. „Für die Orientierung im Raum ist ein gut aufeinander abgestimmtes System zuständig”, erläutert die Expertin: „Dieses besteht aus dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr, dem Tastsinn und dem Sehen.” Ist man mit einem Verkehrsmittel unterwegs, kann dieses ausgeklügelte System widersprüchliche Signale aussenden.

Denn es ist auf die relativ langsame Bewegung zu Fuß ausgerichtet. Höhere Geschwindigkeit, schnelle Richtungswechsel oder fehlende Orientierungspunkte können dagegen manchmal nicht richtig verarbeitet werden, mit unangenehmen Folgen für das Befinden.

Es gibt jedoch einige Tricks, wie man der Übelkeit entgehen oder zumindest die Symptome lindern kann, sagt Buschek. So sollte man die Reise möglichst ausgeruht beginnen und Stress vermeiden. Denn das Auftreten der Übelkeit ist auch von der Tagesform abhängig. Deshalb ist es ratsam, mindestens 24 Stunden vorher keinen Alkohol zu trinken. Auf Essen sollte man jedoch nicht verzichten, allerdings nur leicht verdauliche Kost wählen: Es ist hilfreich, wenn der Magen etwas zu tun hat. Während der Reise kann man Kekse oder Salzstangen knabbern.

Wer zur Reisekrankheit neigt, sollte nicht aus dem Seitenfenster schauen, sondern stattdessen den Blick geradeaus, zum Beispiel auf die Straße, richten. Im Auto ist das gerade für die hinten sitzenden Kinder schwierig. Dann hilft - wie eigentlich in allen Fällen - Ablenkung. Bücher und Gameboy seien dafür jedoch völlig ungeeignet, warnt Buschek nachdrücklich. Der nach unten gerichtete Blick verschlimmere die Übelkeit noch. Besser sind beispielsweise gemeinsame Ratespiele.

Bei Bus- und Flugreisen gibt es Plätze, die bevorzugt angesteuert werden sollten. Im Bus sind diese möglichst weit vorne, da man dort den Straßenverlauf beobachten kann und die Schaukelbewegungen am geringsten sind. Im Flugzeug befinden sich die besten Plätze über den Tragflächen. Außerdem sollte man einen Gangplatz wählen, damit die Sicht nach vorne möglichst frei ist.

Letztlich ist auch die innere Einstellung entscheidend: „Wer sich ständig und mit Angst auf die Reisekrankheit konzentriert, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie auftritt”, mahnt Buschek. Man sollte sogar vermeiden, überhaupt darüber zu reden. Hilfreich sind in diesem Zusammenhang Entspannungsübungen wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung.

Auch der Gang zum Arzt lohnt sich. Denn es gebe spezielle Medikamente, die gut gegen die Reisekrankheit wirkten, weiß Buschek. Auch Ingwer habe sich bewährt. Diesen gibt es in der Apotheke in Form von Kapseln. Zu lange sollte man mit der Einnahme jedoch nicht warten, warnt die Medizinerin: „Wenn man bereits Übelkeit verspürt, ist es dafür zu spät.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert