Ausflüge in Londons Natur: Gepflegte Grüns und Blicke vom Wasser

Von: Thorsten Wiese, dpa
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Outdoor-Sport im Richmond Park: Für das sogenannte Powerkiten mit einem Lenkdrachen an langen Schnüren braucht es Kraft und Kondition. Foto: dpa

London. Schnell landet ein wenig Kanalwasser im Schoß, die Arme sind sowieso schon nass. „No sports” hätte Winston Churchill an dieser Stelle gestöhnt, aber wer sich mit Danny Gillard aufmacht, London vom Wasser aus zu erkunden, der weiß, dass er nicht mit dem Komfort einer venezianischen Gondel rechnen darf. Er muss selbst mit anpacken.

Das ist der Reiz an der Tour, die Englands Hauptstadt mal von einer ganz anderen Seite zeigt als im Reiseführer beschrieben. Das Kajak schleppen die Teilnehmer der Tour auf dem Regents Canal zwischen Camden und St. Johns Wood selbst zum Anleger und lassen es zu Wasser. Danny drückt jedem ein Paddel in die Hand. Hinsetzen, nicht schaukeln, den Rücken gerade halten, die Schultern nach vorne - dann kommen auch weniger Kräftige zügig vorwärts. Nach einer halben Stunde funktioniert sogar das Drehen auf der Stelle. Das ermöglicht leichtes Navigieren auch entlang von Kaimauern und an Booten vorbei.

Und so lässt es sich auf dem Weg vorbei an Londons Zoo und den Gärten von Villenbesitzern aushalten. Besucher der britischen Hauptstadt finden auf dem Kanal Ruhe und Abgeschiedenheit, wie sie London nur an wenigen Orten zu bieten hat. An diesem Tag wissen von diesem einen außer der Paddelgruppe nur noch ein paar Jogger auf der Uferpromenade, die Enten auf dem Wasser und die Kanalbewohner. Sie leben in kleinen Hausbooten am Rand, sogenannten Narrow Boats, die gerade einmal acht Fuß breit sind. Das sind etwa 2,60 Meter.

Unter alten Steinbrücken hindurch und durch dunkle Seitenarme mit verschrotteten Booten führt die Tour bis zur Schleuse am Camden Lock Market und zurück. Und auch wenn das Hineinfallen keine schöne Vorstellung ist, weil im trüben Wasser die eine oder andere Bierdose oder Sandwich-Verpackung vorbei gleitet: Vom Wasser aus haben die alten Kontorhäuser hier wohl nur wenige London-Besucher gesehen.

Dabei gibt es Wasser und Grün in London auch außerhalb königlicher Konservatorien. Die Themse durchmisst die Stadt von Südwesten nach Osten. Wer in Westminster am Parlament die Stadtfähre besteigt, blickt auf der Fahrt auf St. Pauls Cathedral, renommierte Museen wie Tate Gallery und Tate Modern, das New Globe Theatre und den Tower of London. Und er passiert die Tower Bridge und die Millennium Bridge.

In einer knappen Stunde gelangen Tagesausflügler mit dem Boot nach Greenwich, wo sie vom Anleger zwischen Ahornbäumen hindurch in das Städtchen und zum Park gelangen - ein beliebter Tagesausflug von Londonern auf der Suche nach Grün. Ein Stück bergauf gelangen Besucher dann schnell zum berühmten Null-Meridian auf dem Gelände des „Royal Observatory”, der königlichen Sternwarte.

Bei schönem Wetter ist die Rasenfläche voller Flaneure. Ein Blick von hier auf die Themse zeigt die alten Docks und die Wolkenkratzer sowie das Olympiagelände im Osten. Ein rund 13 Kilometer langer Radweg durch Woolwich und Charlton und entlang der Themse führt unter dem Namen „Ride the Games” durch den Stadtteil. An vielen Orten in der Stadt wird unter Hochdruck gearbeitet. 2012 soll London die Olympischen Sommerspiele austragen, dafür soll die Metropole zur Sportstadt werden.

Die Fußballbegeisterung der Briten ist ja bereits sprichwörtlich. Und in der Tat ist auch das Joggen oder Radfahren auf den Straßen den Londonern immer ein Gesprächsthema wert. Nur der Zungenschlag ist dann anders: Jeder Bewohner der britischen Hauptstadt, so scheint es, hat eine Geschichte zu erzählen, wie gesundheitsschädlich die Abgase und wie gefährlich der dichte Autoverkehr für Sportbegeisterte sein können. Viele Londoner gehen deshalb lieber ins Fitness-Studio oder spielen in einem „Leisure Centre” Badminton und Squash.

Andere treffen Touristen zum Beispiel sonntags in Richmond. Wer eine halbe Stunde mit der U-Bahn in den Westen der Stadt hinausfährt, steigt mit einigen Radlern und Triathleten aus dem Zug. Sie schieben ihre Gefährte zum Ausgang und machen sich auf zum nahe gelegenen Richmond Park. Besucher ohne Rad folgen ihnen am besten mit dem Bus der Linie 85 oder nehmen für etwa 5 Pfund (etwa 5,50 Euro) ein Taxi.

Richmond Park ist etwa fünf- bis sechsmal so groß wie der Hyde Park. Er ist mehr ein Wald als ein Park und so groß, dass man gut trainiert sein muss, um einmal rundherum zu laufen. Spaziergänger durchqueren ihn in etwa einer Stunde und treffen mit ein wenig Glück auf Rehe, Spechte, Vögel, Enten und Eichhörnchen, während sie an Meeren von Farnen entlang gehen, zwischen Ahorn, Eichen und Buchen. Auch Reiter queren den Weg auf ihren Pferden, selbst im Regen ist hier meist niemand allein.

Annähernd 40 Prozent der Stadtfläche Londons sollen auf Grün und Wasser entfallen, es gibt 148 Parks und Gärten sowie 8 große königliche Parks. Einer davon ist Kew Gardens auf dem Rückweg von Richmond in die Stadt. Die königlichen botanischen Gärten haben seit dem Herbst 2008 eine neue Attraktion vor allem für Familien: den „Tree Top Walk”. Der enge Umlauf von 1,50 Meter Breite führt in 18 Metern Höhe rund 200 Meter lang durch die Kronen von Kastanien.

Kleine schwarze Schilder liefern die Gattungsbezeichnung der Bäume; eine kleine Baumkunde neben dem Aufgang klärt Kinder und Erwachsene darüber auf, was sich bei Bäumen unterhalb der Oberfläche alles abspielt, welche Schädlinge ihnen zusetzen und warum Bäume gerade in der Stadt so wichtig sind. In den zahlreichen Gewächshäusern, die auf dem 121 Hektar großen, grünen Areal verteilt sind, wachsen aber auch exotische Blüher, deckenhohe Palmen sowie Kaffee- und Ölbäume - zu sehen sind Pflanzen aus aller Welt.

Wem ein solcher Besuch zu wenig schweißtreibend ist, der findet möglicherweise auf dem weiten Grün des Richmond Park das Richtige. Mark Parker bietet hier seit vier Jahren „Power Kiting” mit dem Flugdrachen an. Wer eine Übungseinheit bucht, soll sich den Samstag und Sonntag freihalten - je nach Wetterlage packt Mark das Zubehör an dem einen oder dem anderen Tag aus. Denn wenn der Stoff feucht wird, fliegt er nicht, sondern fällt wie ein Sack zu Boden.

Eine E-Mail mit einer Karte und einer Beschreibung führt Interessierte an die Stelle im Park, wo sie Mark unter einer sieben Meter hohen Flagge finden - im Sommer nahe dem Eingang „Robin Hood Gate”. Mark ist dem Sport seit 15 Jahren verfallen. Ihn fasziniert der „Kampf mit dem Wind”, sagt er. Wer sich dadurch herausgefordert fühlt, sollte sich auf Muskelkater am Tag darauf einstellen.

An einer 30 Meter langen Leine können auch Touristen in zwei Stunden lernen, wie sie sich mit dem Drachen am Wind halten. Fortgeschrittene nehmen ein Board oder Buggy hinzu, dann ähnelt der Sport dem Wasser-Skilaufen oder Snowboarden. „Die meisten sind überrascht, wie viel Zug der Drachen entwickelt - man muss jeden Muskel im Körper anspannen”, erklärt Mark. Dafür bleiben keine Gedanken mehr frei für lästige Erinnerungen an das Büro.

Feste, knöchelhohe Schuhe und bequeme, sportliche Kleidung sollten Interessenten mitbringen. Überhaupt müssen Outdoor-Freunde in London wetterfest sein. Auf den Fotos des städtischen Tourismusamtes scheint zwar immer die Sonne. Das Klischee von London und der gesunde Menschenverstand wissen allerdings, dass das nicht stimmen kann. Und die Statistik weist zwar zum Beispiel für Paris und Rom eine größere Niederschlagsmenge aus - dafür regnet es in London aber häufiger.

Nicht dass das einen echten Briten im Haus halten würde: Im Mid-Surrey Bowling Club zum Beispiel wird die Tradition des Rasen-Bowlings gepflegt, ein Spiel ähnlich dem Boule auf sprichwörtlichem englischem Rasen gleich neben den Kew Gardens. Weiße Hemden und graue Hosen sind im Training vorgeschrieben, ebenso eine Gummimatte. Auf ihr muss der eine Fuß ruhen, während das Spielbein nach vorn schreitet und der Kugel Schwung gibt. Standesgemäß hat ein Bar-Handtuch sie vorher getrocknet und ihr die richtige Griffigkeit verliehen.

Mancher spielt hier schon seit 25 Jahren, und das Verzeichnis der Clubmeister im Vereinsheim zeugt von weitaus längerer Tradition, ebenso wie die Jackets mit goldenen Wappen und die Ehrfurcht, mit der die Männer auf dem Grün ihre Kugeln werfen. Mit Churchills Motto „No sports” braucht diesen Briten niemand kommen.

Anreise, Unterkunft und Währung

London hat drei Flughäfen, die von mehreren deutschen Städten aus täglich mehrmals angeflogen werden. Deutsche Touristen benötigen einen Personalausweis oder Reisepass. Währung ist das britische Pfund, es kostet derzeit etwa 1,10 Euro (Stand: April 2009).
Der Wechselkurs des Euro zum britischen Pfund ist derzeit günstig wie lange nicht. Viele Unterkünfte sind daher für Deutsche billiger geworden. In London ist von der Jugendherberge bis zum Fünf-Sterne-Hotel alles zu haben. Eine Auswahl besonders günstiger Möglichkeiten hat das Fremdenverkehrsamt auf seiner Homepage zusammengestellt http://www.visitbritain.de.
Eine kostenlose Broschüre zum Thema gibt es unter http://static.visitlondon.com/assets/attractions/outdoors/great_outdoors.pdf. Die städtische Initiative „Walk London” hat zahlreiche Broschüren herausgegeben, mit deren Hilfe sich die Stadt als Spaziergänger erkunden lässt http://www.walklondon.org.uk.
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