Lothringen - Auf kulturhistorischen Spuren durch Lothringen und die Champagne

Auf kulturhistorischen Spuren durch Lothringen und die Champagne

Von: Hubert Thielicke, ddp
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Douaumont auf dem Thiaumont-Ruecken nahe Verdun
Luftaufnahme des Beinhauses von Douaumont auf dem Thiaumont-Ruecken nahe Verdun (Frankreich). Foto: ddp

Lothringen. Lothringen - das klingt nach Industrie und Schlachtfeldern. Wer jedoch an Kultur und Geschichte interessiert und dazu noch mobil ist, der kommt hier alle Mal auf seine Kosten.

Grundkenntnisse des Französischen sollte man allerdings schon mitbringen, wenn man sich auf eigene Faust mit dem Auto auf den Weg macht. Sehenswert ist Metz, die Hauptstadt der Region, die bereits auf eine römische Vorgeschichte zurückblicken kann. Immerhin soll die Stadt damals größer als Lutetia, das heutige Paris, gewesen sein.

In der malerischen, von gewaltigen Festungsanlagen umgebenen Altstadt lässt sich gut bummeln, wobei ein Besuch in der Kathedrale nicht fehlen sollte. Die Aufmerksamkeit ziehen allerdings weniger die gotischen Meisterwerke des Baus an, sondern vielmehr die lichtdurchfluteten riesigen Kirchenfenster, mit etwa 6500 Quadratmetern immerhin die größte Fensterfläche einer französischen Kathedrale. Die Glasmalereien der deshalb auch „Laterne Gottes” genannten Kirche sind erfüllt von Harmonie, bilden im einfallenden Licht etwas überirdisch Fließendes. Das gilt vor allem für die übergroße Rosette und die wundervollen von Marc Chagall in den 1960er Jahren gestalteten Glasfenster.

Der Eindruck dieser leuchtenden Leichtigkeit begleitet den Betrachter noch, wenn er später in einem der vielen kleinen Straßencafé oder Restaurants Rast macht. Nach einem guten Essen - vielleicht einer Quiche Lorraine, einem würzigen Speckkuchen - empfiehlt sich ein Eau de Vie, auf gut deutsch Obstler. An der hiesigen, aus Mirabellen destillierten Spezialität scheiden sich die Geister - in eine Fraktion, die dem Mirabellengeist aus Metz den Vorzug gibt, und die, welche den aus Nancy mag. Auf jeden Fall sollte man das etwa 60 Kilometer südlich gelegene Nancy nicht versäumen.

Die Innenstadt zählt sogar zu den Weltkulturerbestätten der UNESCO. Insbesondere der Place Stanislas sticht heraus. Mit seinen Palästen, dem Rathaus, der Oper, den kunstvollen schmiedeeisernen Gittern und vielem Anderen zählt dieser Platz wohl zu den schönsten der Welt.

„Der Platz, ein hervorragendes Beispiel des französischen Frühklassizismus, wurde Mitte des 18. Jahrhunderts angelegt, als hier der ehemalige polnische König Stanislaus Leszczynski als Herzog von Lothringen residierte. Das Volk mochte den Stanislas genannten lebenslustigen Schwiegervater von König Louis XV.”, sagt unsere Führerin. In wenigen Minuten gelangt man von hier zum Parc de la Pepinière, eine bemerkenswert harmonische Parkanlage mit riesigen, aus Blumen gestalteten Bildern. Viel Wissenswertes über die Geschichte Lothringens erfährt man im Historischen Museum, das im Palais Ducal, dem ehemaligen Herzogspalast, untergebracht ist. Ein ganz anderer Aspekt der Geschichte begegnet dem Besucher in Verdun, Inbegriff der Schrecken und der Sinnlosigkeit des Krieges.

Mehr als 300.000 deutsche und französische Soldaten starben hier 1916 in der „Hölle von Verdun” während einer der größten Schlachten des Ersten Weltkrieges. Die schier endlosen Felder namenloser Kreuze und das riesige Beinhaus, hinter dessen Fenstern sich die Knochenberge türmen, hinterlassen ein Gefühl dumpfer Betäubung. Doch damit nicht genug der Kriegserinnerungen in diesem über Jahrhunderte zwischen Frankreich und Deutschland umstrittenen Gebiet. An vielen Stellen Lothringens trifft man auf Bunker und Geschützstellungen - die Reste der Maginot-Linie, mit der sich Frankreich nach den bitteren Erfahrungen des großen Krieges vor dem östlichen Nachbarn schützen wollte, vergebens, wie der deutsche „Blitzkrieg” von 1940 zeigte. Wo anders, wenn nicht hier wird die historische Größe der deutsch-französischen Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich. Vielleicht sollte man sich noch etwas Zeit für die Champagne nehmen?

Zum Verweilen lädt das bezaubernde Fachwerkstädtchen Troyes ein, das - wie viele andere Orte - für sich in Anspruch nimmt, Herkunftsort des berühmt-berüchtigten Hagen von Tronje der Siegfriedsage zu sein. In den schmalen Gässchen, in denen im Mittelalter das Gewimmel der „Messe von Troyes” herrschte, hat man das Gefühl, die Zeit sei stehengeblieben. Weniger exakt ist der Hinweis auf ein anderes historisches Ereignis. „Attilas Lager” wird ein uralter Ringwall in der Nähe von Chalons-sur-Marne genannt. Hier soll sich das Heer des Hunnenkönigs auf die Entscheidungsschlacht gegen Römer und Westgoten vorbereitet haben, eines der bekanntesten Ereignisse der Völkerwanderung. Das Schlachtfeld - die Katalaunischen Felder - wird von Lokalpatrioten ganz in der Nähe vermutet.

Höhepunkt einer Reise durch die Champagen ist natürlich Reims, die alte Krönungsstadt der französischen Könige. Den Rahmen dazu bot die wuchtig und zugleich zierlich aufstrebende Kathedrale, einer der ersten gotischen Kirchenbauten überhaupt und seit 1991 UNESCO-Weltkulturerbe. Hierher führte die in Lothringen geborene Jeanne dArc, die „Jungfrau von Orleans”, den französischen Kronprinzen Karl im Jahre 1437, um mit seiner Krönung ein Zeichen im Kampf gegen die englische Fremdherrschaft zu setzen. Auch in dieser Kirche hinterließ Marc Chagall seine Spuren in Form wunderbarer Glasfenster. Nach so viel Kunst und Geschichte ist es Zeit, sich dem bekanntesten Produkt der Region zu widmen - dem Champagner. Bei einem Glas des prickelnden Getränks in einem Café oder Bistro am Platz vor der Kathedrale denkt man schon an die nächsten Reiseziele.
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