Apollon oder Dionysos? Die verschiedenen Gesichter von Mykonos

Von: Detlef Berg, dpa
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Energie tanken für die nächste Runde: Am Nachmittag erholen sich viele Touristen im Schatten von der Partynacht zuvor. Foto: dpa

Mykonos. Es ist früher Sonntagmorgen, und die Chora, die Altstadt von Mykonos, ist wie ausgestorben. Die ersten Sonnenstrahlen lassen die schneeweißen Häuser mit den bunten Fensterläden leuchten, die wie ineinander verschachtelte Würfel in die kargen Berghänge gesteckt sind. Die gepflasterten Gassen sind oft gerade so breit, dass ein bepackter Esel hindurch passt.

Auch als um halb neun die Glocken der kleinen Panachrou-Kirche zum Gottesdienst rufen, sind erst wenige Menschen unterwegs. Die meisten sind ältere Griechen, ganz in Schwarz gekleidet, die zum Gottesdienst gehen.

Den Grund für die Leere findet man vor den Eingängen der Bars und Clubs, aufgetürmt zu beachtlicher Höhe. Die Stapel von Bier- und Schnapskisten, die Kleinlaster herankarren, lassen erahnen, wie viele Drinks in der vergangenen Nacht gekippt wurden.

Um die Mittagszeit werden an den ersten der kleinen Läden die Rollläden rasselnd hochgezogen, die Fensterscheiben noch mal auf Hochglanz poliert und die Auslagen in Stellung gebracht. Viel Souvenirkitsch wird angeboten, aber auch elegante Mode und teurer Schmuck.

In den Restaurants und Cafés stellen Kellner nun Tische und Stühle auf die Terrassen, denen Weinranken Schatten spenden. Spätestens bis zum frühen Nachmittag muss alles bereit sein. Dann wachen die Partygänger auf und überfluten die engen Gassen. Wenn außerdem ein Kreuzfahrtschiff seine Gäste zu einem Tagesausflug auf die Insel schippert, gibt es kaum noch ein Durchkommen. Den Kreuzfahrt-Touristen bleibt meist nur Zeit für einen Rundgang in Mykonos-Stadt, bevor sie wieder an Bord gehen und die nächste Insel ansteuern.

Wer dagegen ein paar Tage bleibt, kann auch die Strände von Mykonos besuchen. Die schönsten liegen an der Südküste. Mit ihrem klaren, türkisfarbenen Wasser gehören sie zu den besten der Kykladen. Am einfachsten erreichen Urlauber sie mit einem Mietwagen oder den Linienbussen.

Besonders hoch im Kurs steht der rund 500 Meter lange „Paradise Beach” mit Beach Club, Restaurants und Wassersportstation. Eine Bucht weiter hat man noch einen drauf gesetzt: Hier räkeln sich die Urlauber am „Super Paradise Beach”. In der Hochsaison zählt er zu den überlaufensten Stränden. Man liegt dicht an dicht auf Liegen unter Sonnenschirmen.

Am Abend zeigen die beiden Strände ihr zweites Gesicht: Bier, Champagner und Wodka fließen in Strömen, bis zum frühen Morgen wummern aus den Boxen die Bässe. Partyhungrige aus aller Welt tanzen sich unter freiem Himmel in Trance.

Gefeiert wird auch in den Clubs und Diskotheken in Mykonos Stadt. Ab 1.00 Uhr füllen sich die Tanzflächen, und man wandert von einer Bar zur nächsten. Erst wenn die Sonne wieder aufgeht, wird die Party unterbrochen. Am nächsten Abend beginnt das Ritual von neuem.

Doch Mykonos lockt auch zahlreiche Künstler an, wie Monika Derpapas. Zusammen mit ihrem Partner betreibt sie eine Galerie. Die Künstlerin kam schon 1968 aus Dresden auf die Insel. „Damals war Mykonos noch ein unberührtes Paradies”, erinnert sie sich. „Es kamen nur wenige Leute, und diejenigen, die die beschwerliche Anreise mit alten Fähren auf sich nahmen und bei Seegang ausbooten ließen, schätzten gerade das einfache Leben auf der Insel.”

Im Schlepptau von Aristoteles Onassis, der in den 50er Jahren die Insel für sich entdeckte, fuhren auch viele reiche Athener mit ihren Jachten nach Mykonos. Sie genossen das einfache Leben als Kontrast zu ihrem Alltag. Hier konnten sie unbeschwert in den Tavernen am Hafen sitzen und mit den Fischern Sirtaki tanzen. Elizabeth Taylor pflegte eine heimliche Liaison mit einem Tavernenbesitzer und schwärmte von dem unwiderstehlichen Zauber, der von den verwinkelten Gassen der Chora ausgeht.

Doch der Glamour war nicht von Dauer. In den 80ern und 90ern blieb die Society der Insel fern - dafür kamen mit besseren Fährverbindungen und Charterflugzeugen Rucksacktouristen und besetzten die Strände. Erst als Ende der 90er Jahre vermehrt homosexuelle Urlauber nach Mykonos strömten, eröffneten schicke Design- und Boutiquehotels, Privatvillen entstanden, avantgardistisch gestaltete Clubs und Lounges und jede Menge Designerläden.

„Sie müssen einfach die Sommermonate Juli und August mit ihrem Trubel meiden und in der Vor- oder Nachsaison kommen”, rät Monika Derpapas. „Dann ist es fast wieder so wie einst, und die Preise sind auch deutlich niedriger.”

Rund 200 Strände reihen sich rund um die 88 hügeligen Quadratkilometer von Mykonos. Für Urlauber, die Ruhe suchen, empfiehlt Derpapas den Strand von Agios Ioannis. Mehrere Tavernen bieten preiswerte und landestypische Kost, und am Abend sieht man die Sonne hinter Delos untergehen.

In der griechischen Mythologie hat Mykonos einen festen Platz. Der Legende nach wurde hier Apollon geboren, der griechische Gott der Künste. Heute zeugen zahlreiche Überreste von Tempeln, Theatern und anderen Gebäuden vom antiken Götterkult. Trotz aller Künstler - Dionysos würde heute als Patron besser passen.

Informationen: Griechische Fremdenverkehrszentrale, Neue Mainzer Str. 22, 60311 Frankfurt (Tel.: 069/2578270).
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