Taganga - Altes Gemäuer über Traumstränden: Unterwegs im Tayrona Nationalpark

Altes Gemäuer über Traumstränden: Unterwegs im Tayrona Nationalpark

Von: Florian Sanktjohanser, dpa
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Tayrona
Bis vor rund 400 Jahre lebten die Tayrona an der Karibikküste von Kolumbien. Die Spanier vertrieben sie. Besucher spüren heute in einem Nationalpark ihren Wurzeln nach - oder entspannen an Stränden wie aus dem Bilderbuch. Foto: dpa

Taganga. Bis vor rund 400 Jahre lebten die Tayrona an der Karibikküste von Kolumbien. Die Spanier vertrieben sie. Besucher spüren heute in einem Nationalpark ihren Wurzeln nach - oder entspannen an Stränden wie aus dem Bilderbuch.

Die spanischen Eroberer konnten ihren Weg nicht verfehlen. Sie mussten nur der alten Indiotreppe durch den Dschungel folgen, um das Pueblito Chairama zu finden, die Stadt der Tayrona hoch über den Traumstränden, die dem Nationalpark an Kolumbiens Karibikküste seinen Namen gaben. Aber was heißt hier „nur”?

Seit mehr als zwei Stunden geht es bergauf. Die Hitze steht zwischen den Baumriesen, Lianen und Felsen, der Schweiß strömt. Alejandro scheint die Schinderei nichts auszumachen, „ich liebe es noch immer”, sagt er. Mehr als 200 Mal ist der bärtige Anthropologe in den vergangenen zwölf Jahren hinaufgestiegen zu den Überresten der Indiostadt, in der einst 4000 Tayrona gelebt haben sollen. Und als sich endlich der grüne Vorhang öffnet, versteht man seine Faszination.

Das Pueblito Chairama ist keine der spektakulären Andenfestungen, die man von den Inka aus Peru kennt. Es gibt keine Steinhäuser und keine Tempelpyramiden. Es ist die Atmosphäre, die diesen Ort besonders macht. Und die Ruhe. Nur eine Handvoll junger Rucksacktouristen sitzt zwischen den Dutzenden Steinringen. In den konzentrischen Ringen standen einst die Rundhäuser der Tayrona.

„Sie waren aus Palmholz gebaut, das in den Tropen schnell verrottet”, erklärt Alejandro. Zumindest eine runde Hütte mit spitzem Strohdach lässt erahnen, wie die Stadt einst aussah. In ihr soll eine Familie von Koguis leben, der Nachfahren der Tayrona.

Die Tayrona lebten etwa von 300 bis 1600 nach Christus hier, erzählt Alejandro, als er vor der Parkrangerhütte hockt und Sardinen und Brot isst. Sie fischten im Meer, bauten Mais an, handelten mit Salz, Kartoffeln und Bohnen. Mit den steinumfassten Terrassen verhinderten sie, dass der fruchtbare Humus weggewaschen wurde. 1525 stiegen die Spanier zum ersten Mal durch den Dschungel herauf und brannten die Hütten nieder. 100 Jahre kämpften die Tayrona, bauten ihre Stadt immer wieder auf - und mussten sich schließlich doch geschlagen geben.

Heute ist das Pueblito Chairama ein Hort des Friedens. Seichte Kanäle murmeln, bunte Falter flattern über den Rasen. Doch einst floss viel Blut hier. Eine breite, gepflasterte Prozessionsstraße steigt sanft an zum Zeremonienplatz. Vom Tempel sind nur die kreisrunden Grundmauern geblieben, von den einst zehn Menhiren nur ein Paar. Hinter ihnen führt ein Waldweg durch den Dschungel zum Piedra del Sacrificio. Hier schlachteten die Tayrona ihre Opfertiere.

An einem anderen Opferplatz der Tayrona baden jetzt die Urlauber. La Piscina, der Swimmingpool, heißt die weite Sandbucht, über die sich Palmen beugen. Es ist einer der wenigen Strände im Tayrona Nationalpark, an dem die Besucher unbesorgt planschen können. Ein Halbkreis aus Felsen schirmt ihn von der starken Brandung ab. Weiter als ein paar Meter traut sich dennoch kaum ein Urlauber hinaus. Machtvoll rollt die karibische See heran, die Strömung ist tückisch.

Aber sie hat dem Bilderbuchstrand seinen wilden Charme bewahrt. Statt Sonnenschirmen und Liegen stecken Kokosnüsse und angespülte Astknäuel im Sand, an rundgewaschenen Felsen spritzt die Gischt empor. Ein Reiher stakst durch einen Brackwasserteich. Gleich hinter dem Palmengürtel klettert der Regenwald die Ausläufer der Sierra Nevada empor.

Es ist ein erhebender Anblick, besonders wenn frühmorgens die Sonne über den Felsen aufblitzt und alles golden erstrahlen lässt. Das Auge schlingt und schlingt und wird doch nicht satt. So viel Schönheit der Natur spricht sich natürlich herum, immer mehr Besucher kommen in den Nationalpark.

Eine Hotelkette plante ein Luxus-Ökoresort. Doch die Regierung stoppte den Bau, weil Verwandte des Präsidenten in das Projekt verwickelt sein sollen. Politiker und Vertreter indigener Völker Kolumbiens hatten gegen den Hotelbau in dem Naturschutzgebiet protestiert.

Bisher übernachten die meisten Besucher des Parks in Zelten. Die Mehrzahl sind junge Rucksacktouristen aus Argentinien, denen Brasilien zu teuer geworden ist. Luxus im Ökomantel bieten die 14 Ecohabs in der Bucht von Cañaveral, die Kogui-Hütten nachempfunden sind. Die Plasmafernseher hätte man sich bei diesem grandiosen Ausblick allerdings sparen können.

Genauso schön luftig und deutlich günstiger schläft man in Cabo. Ein felsiges Halbinselchen trennt die beiden Strände der Zwillingsbucht, darauf thront ein runder Holzturm. Hier schaukelt man in Hängematten, blickt über die sich verfärbende Karibik und kann nicht mehr nachvollziehen, warum die Spanier unbedingt die Berge hinaufklettern wollten.

Tayrona Nationalpark

Anreise: Mit dem Flugzeug nach Cartagena oder Santa Marta, von dort weiter mit dem Bus zum Haupteingang des Nationalparks im Dorf El Zaino. Minibusse bringen Besucher zum Punto Cañaveral. Nach rund einer Stunde Fußmarsch über einen Waldpfad erreicht man Arrecifes, eine weitere halbe Stunde später Cabo. Wer es bequemer mag, nimmt in dem Badeort Taganga westlich des Parks ein Boot nach Cabo.

Reisezeit: Kolumbien lässt sich am besten in der Trockenzeit von Dezember bis April bereisen. Im restlichen Jahr regnet es viel. An der Karibikküste können sich zwischen Juni und August wolkenbruchartig Wärmegewitter entladen. In der Hauptreisezeit der Kolumbianer von 15. Dezember bis 15. Januar steigen die Preise stark.

Informationen: Proexport Kolumbien, Fürstenberger Straße 223, 60323 Frankfurt (Tel.: 069/13 02 38 32).

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