Wenn Kamelle zum Geschoss wird

Von: Norbert Michulsky
Letzte Aktualisierung:
Kamelle
Kamelle kann für die Zuschauer von Umzügen gefährlich werden.

Düsseldorf. Süßes ist schlecht für die Zähne: Diese dentale Binsenweisheit gilt ganz besonders im Karneval. Dann nämlich, wenn ein Schneidezahn umherfliegendem Zuckerwerk zum Opfer fällt.

So geschehen bei einem Karnevalsumzug, bei dem wie üblich kostümierte Werfer kostenlose Leckereien unter das begeisterte Volk brachten. Bei einem der fleißigen Süßigkeitenjäger fand eine Kamelle jedoch nicht den Weg in den mitgebrachten Büggel, sondern traf besagten Schneidezahn und machte diesem den Garaus.

Nicht nur des abgängigen Zahnes wegen war das Geschrei anschließend groß. Nach Angaben von Fachleuten der Arag-Rechtschutzversicherung in Düsseldorf bestand im konkreten Fall nämlich kein Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld, da den Veranstalter kein Verschulden traf.

Laut richterlicher Begründung gehören Bonbon-Geschosse eben zum Karnevalsumzug. Die Zuschauer müssen sich entsprechend darauf einrichten (Landgericht Trier, Az.: 1 S 150/94). Dies entschied ebenso das Amtsgericht Köln (AG Köln, Az.: 123 C 254/10) im Fall einer Dame, die von einem Schokoladenriegel am Auge getroffen wurde. Die Geschädigte wähnte die Verkehrssicherungspflicht außer Acht gelassen und forderte 1500 Euro Schmerzensgeld. Schließlich sei das Werfen von Schokoriegeln nicht sozial üblich und rücksichtslos, so die Dame. Dieser Argumentation wollte das Kölner Gericht nicht folgen. nom

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