Leipzig - Vorsicht, Falle! - Vor unseriösen Gewinnspielen in Acht nehmen

Vorsicht, Falle! - Vor unseriösen Gewinnspielen in Acht nehmen

Von: Berit Waschatz
Letzte Aktualisierung:
Gewinnspiele
Vor allem im Internet finden sich viele unseriöse Gewinnspiel-Angebote. Nutzer sollten sich daher von versprochenen Mega-Gewinnen nicht blenden lassen. Foto: Kai Remmers/dpa

Leipzig. „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen!” Wie verlockend dieser Satz klingt, der regelmäßig in Postwurfsendungen steht, die im heimischen Briefkasten oder Email-Postfach landen. Doch Vorsicht: Dahinter stecken oft unseriöse Anbieter.

„Meistens ist es sowieso kein Gewinn”, sagt Marion Schmidt von der Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig. Im Nebensatz wird dann verraten, dass man lediglich für den Hauptgewinn nominiert ist oder das versprochene Geld „nach der Gewinnermittlung garantiert” ist.

„Wenn aus heiterem Himmel ein Gewinnversprechen kommt und irgendeine Art von Gegenleistung gefordert wird, ist das Gewinnspiel unseriös”, ergänzt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Darunter fällt auch ein vermeintlich gewonnener Gutschein, den sich der Losglückliche abholen muss.

Wachsam sollte man bei Rückruf-Aufforderungen sein. „Es ist immer gefährlich, wenn man eine teure Telefonnummer anrufen soll”, warnt Schmidt. Einige Gewinnspiele stellen einen Hauptgewinn in Aussicht, wenn der vermeintlich Losglückliche sich unter einer 0900er-Nummer meldet.

„Da entstehen hohe Kosten, und es kommt nichts bei rum.” Die Anbieter sind oft so geschickt, dass sie den Anrufer so lange wie möglich am Telefon halten, ohne dass nachher ein Gewinn ausgezahlt wird. Das dicke Ende kommt dann mit der Telefonrechnung.

Miese Tricks stecken auch hinter Preisen, die sich die Gewinner bei berühmt-berüchtigten Kaffeefahrten abholen können. „Oftmals entpuppen sich diese Gewinne als äußerst eigenartig”, sagt Schmidt.

Denn im Wesentlichen dienen diese Kaffeefahrten der Anpreisung anderer Waren, die Teilnehmer allerdings anderswo günstiger erwerben können. Bei einigen Gewinnspielen wird man zudem aufgefordert, erst etwas anzuzahlen, bevor man den angeblichen Preis erhält. „Wenn man angezahlt hat, ist das Geld meist verloren.”

Bei einer anderen Art von unseriösen Gewinnspielen geht es vor allem um den Erhalt von persönlichen Daten. In diesen Fällen sollen die vermeintlichen Gewinner einen Bogen mit ihrer Adresse und dem Geburtsdatum ausfüllen, um einen Preis zu bekommen. Das ist sogar noch vergleichsweise harmlos.

Doch wenn auch noch nach der Kontonummer gefragt wird, sollte man hellhörig werden. „Dann kann es passieren, dass irgendwann mal was vom Konto runter ist”, warnt Verbraucherschützerin Schmidt. Gerade ältere Leute seien dadurch gefährdet, da sie ihre Kontoauszüge nicht so oft kontrollierten.

Auch bei gewonnenen Reisen kommt es regelmäßig zu Problemen. Hat man eine Übernachtung für eine Person im halben Doppelzimmer gewonnen, muss man sich das Zimmer mit einem Fremden teilen. Oder man muss ordentlich draufzahlen, wenn man dort alleine schlafen will. Manchmal bieten die Veranstalter auf gewonnenen Reisen auch verpflichtende Ausflüge an, die extra zu buchen und zu bezahlen sind.

Nach unseriösen Gewinnreisen flattern den Teilnehmern den Verbraucherschützern zufolge manchmal auch Briefe ins Haus, in denen sich die Reiseunternehmen für entstandene Unannehmlichkeiten wie ortsfremde Busfahrer oder Zimmer ohne Balkon entschuldigen. Als Gegenleistung wird eine weitere Reise in einen anderen Ort angeboten. Doch diese muss man bezahlen und auch hier drohen wieder ein nicht ortskundiger Busfahrer oder dreckige Unterkünfte.

Der beste Schutz vor unseriösen Gewinnspielen ist, solche Postwurfsendungen gleich in den Papierkorb zu werfen. Unbedenklich seien eigentlich nur Kreuzworträtsel in Zeitungen, sagt Castelló.

Ein erster Hinweis darauf, ob das Unternehmen seriös ist oder nicht, ist der Absender. Wer nichts auf dem Kerbholz hat, braucht sich auch nicht zu verstecken und kann eine Adresse angeben. Doch die meisten Gewinnspiel-Anbieter nennen keine Anschrift. Wenn überhaupt, haben sie nur eine Postfachadresse oder ihr Sitz befindet sich im Ausland. Dann sollte man auf jeden Fall lieber die Finger davon lassen.

Ist man auf unseriöse Gewinnspielanbieter hereingefallen, ist es schwer, sich gegen sie zu wehren. Denn wenn solche Gewinnfirmen keine Adresse haben, hat man keinen Anlaufpunkt für Beschwerden oder Klagen. „Da kann man auch schlecht etwas widerrufen”, sagt die sächsische Verbraucherschützerin Schmidt.

Zwar können Verbraucher seit dem Jahr 2000 ihren Gewinn einklagen, wenn ihnen der Gewinnspiel-Anbieter tatsächlich einen Preis versprochen hat. Das kostet den Anbieter mehr, als er an Gewinn durch Bestellungen oder Reisebuchungen erzielt.

Doch zum einen formulieren die unseriösen Anbieter das Losglück mittlerweile geschickt um, so dass es nicht mehr unter das Gesetz fällt. Und zum anderen: „Selbst wenn wirklich ein Gewinn versprochen wurde, habe ich den noch lange nicht”, sagt Verbraucherschützerin Schmidt.

Verbraucherschützer führen Musterprozesse

Um die Verbraucher vor unseriösen Gewinnspiel-Anbietern zu schützen, führt etwa die Verbraucherschutzzentrale Hamburg regelmäßig Musterprozesse. Sie hat dafür einige besonders dreiste Betreiber ermittelt und Klage gegen sie erhoben. Zwar wirken die Urteil immer nur zwischen den beteiligten Parteien. Aber anderen Verbrauchern wird durch erfolgreiche Musterprozesse der Weg vor Gericht geebnet, wenn sie selbst einen Gewinn einklagen möchten. Denn vor Gericht kann man sich auf bereits gefällte Urteile berufen.
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