Urteil: Krankenkassen müssen Auslands-OPs nicht voll zahlen

Von: dpa
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Behandlung Operation Krankenhaus
Mehr als die Hälfte aller Bundesbürger (54 Prozent) fürchtet sich vor einem Krankenhausaufenthalt. Foto: dpa

Kassel. Deutsche Krankenkassen müssen die Kosten für stationäre Krankenhausbehandlungen im Ausland nicht in voller Höhe zahlen, auch wenn sie der Behandlung zugestimmt haben. Das hat das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel am Mittwoch entschieden und damit das Urteil des Landessozialgerichts Baden-Württemberg bestätigt.

Geklagt hatte ein Mann aus Ettlingen, weil seine gesetzliche Krankenkasse nur so viel für eine Herzoperation in London gezahlt hatte, wie ein solcher Eingriff in Deutschland kostet. Dem Gericht zufolge ist das rechtens. Krankenkassen seien nur verpflichtet, die gesamten Kosten zu übernehmen, wenn die Behandlung in Deutschland nicht möglich ist.

Dem Mann wurden 2005 zum dritten Mal Herzklappen eingesetzt. Bei den ersten beiden Eingriffen 1982 und 1992 in London hatte die Krankenkasse die vollen Kosten bezahlt, weil eine solche Operation in Deutschland damals medizinisch noch nicht möglich gewesen sei. Bis 2005 habe sich der Stand der Medizin aber in Deutschland geändert. „Der Ankläger hätte sich zumutbar in Deutschland behandeln lassen können”, sagte der vorsitzende Richter Peter Masuch. Das Argument des Klägers, dass er die Ärzte in London gut kenne und großes Vertrauen in sie habe, erkannte das BSG nicht an. Die Solidargemeinschaft müsse nicht für einen solchen Sonderwunsch zahlen.

Die Operation hatte 36.600 Euro gekostet. Die Krankenkasse übernahm knapp 24.000 Euro - so viel hätte der Eingriff in Deutschland gekostet. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie in Berlin wurden im vergangenen Jahr bundesweit mehr als 23.000 Herzklappen eingesetzt.

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