Aachen - SS-Mann Boere: Bei Schuldspruch nicht zwangsläufig Haft

SS-Mann Boere: Bei Schuldspruch nicht zwangsläufig Haft

Von: Elke Silberer, dpa
Letzte Aktualisierung:
SS-Prozess / Heinrich Boere
Mit Heinrich Boere steht einer der letzten NS-Kriegsverbrecher vor einem deutschen Gericht.

Aachen. Der frühere SS-Mann Heinrich Boere (88) müsste selbst bei einer rechtskräftigen Verurteilung als Mörder nicht zwangsläufig ins Gefängnis.

Ihm sei in Deutschland kein Fall bekannt, bei dem ein so hochbetagter Täter seine Strafe hinter Gittern absitzen musste, sagte Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

„Wenn es keine Vollstreckung gibt, ist es sicher bedauerlich, aber in dem Alter nicht zu vermeiden”, stellte Maaß fest, der in dem Aachener Verfahren die Anklage vertritt. Ziel der Staatsanwaltschaft sei aber die Strafverbüßung.

Wird Boere verurteilt, müssen Mediziner ihn erst für haftfähig erklären. „Wenn man sagt, der ist haftfähig, wird er sicher nicht ins normale Gefängnis kommen - die Justizvollzugsanstalt Aachen - sondern eventuell in das Justizkrankenhaus Fröndenberg”, sagte Maaß.

Heinrich Boere soll 1944 in den von Nazis besetzten Niederlanden drei niederländische Zivilisten erschossen haben. Er war Mitglied des SS-Killerkommandos „Feldmeijer”. „Es geht in erster Linie darum, einen Schuldspruch zu bekommen, dass der Mann diese drei Niederländer getötet hat”, sagte Maaß. Er wisse aus anderen Verfahren auch mit jüdischen Opfern, wie wichtig für die Hinterbliebenen die Feststellung der Schuld sei, sagte der Chefankläger der Schwerpunkt- Staatsanwaltschaft Nordrhein-Westfalen für NS-Verbrechen in Dortmund.

Diesen Dienstag hält die Verteidigung ihr Plädoyer. In zwei Wochen fällt das Urteil. Maaß rechnet damit, dass die Verteidiger beim Bundesgerichtshof in Revision gehen.

„Für die Hinterbliebenen ist wichtig zu wissen: Die Opfer aus unseren Familien und aus unseren Freundeskreisen sind nicht vergessen. Der Schuldige ist festgestellt worden.” Auch bei Bewährungsstrafen komme es ja nicht auf Verbüßung, sondern auf „Ahndung des Unrechts” an.
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