Notruf unterschätzt: Keine fristlose Kündigung

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Berlin. Die fristlose Kündigung eines langjährigen Mitarbeiters, der einmal eine Notrufsituation unterschätzt hat, ist unverhältnismäßig. So entschied das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein <i>(Az.: 3 Sa 144/10)</i>, wie die Deutsche Anwaltauskunft mitteilt.

Der Kläger arbeitete seit rund 28 Jahren in einem Internat und betreute dort Internatsgäste.

Während eines seiner Nachtdienste belästigte ein betrunkener Schüler einer benachbarten Schule eine knapp 17-jährige Internatsbewohnerin sexuell. Der Schülerin gelang es, in ihr Zimmer zu flüchten, den jungen Mann konnte sie aussperren. Auf ihren ersten Notruf erschien der Kläger nicht. Nach dem zweiten empfahl er nur, sich schlafen zu legen und das Zimmer von innen zu verriegeln. Zwar klärte er noch die Identität des Schülers, veranlasste aber nichts Weiteres. Sein Arbeitgeber kündigte ihm daraufhin fristlos.

Die Richter hielten das für überzogen. Zwar habe der Mann durch sein zögerliches Handeln verschiedene Vertragspflichten verletzt. Bei der Interessenabwägung seien sein Alter von 55 Jahren und die lange Betriebszugehörigkeit zu berücksichtigen. Da er stets unbeanstandet gearbeitet habe, habe er sich ein hohes Maß an Vertrauen erworben. Allerdings müsse auch berücksichtigt werden, dass er den Sachverhalt unterschätzt und die Schwere des Vorfalls verkannt habe. Eine Abmahnung, so die Richter, wäre aber ausreichend gewesen.

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