Mit beschränkter Haftung: Die Garantien der Autohersteller

Von: Thomas Geiger, dpa
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Auto / Garantie
Versprochen ist versprochen? Bei den Garantien der Autohersteller sollte genau aufs Kleingedruckte geschaut werden. Foto: dpa

Losheim am See/Rüsselsheim. Garantieversprechen sollen beim Kunden Vertrauen schaffen. Sie sollen ihm die Sicherheit vermitteln, ohne Probleme Ersatz zu bekommen, wenn etwas kaputt geht. Darauf setzen auch die Autohersteller - allerdings meist nicht ohne Einschränkungen im Kleingedruckten.

Autofahren ohne Sorgen, und wenn etwas kaputt geht, einfach kostenlos zur Werkstatt: Das sind die Vorstellungen, die Opel am vergangenen Donnerstag (5. August) in Rüsselsheim mit dem Vorstoß für eine „lebenslange Garantie” für Neuwagen bei Autofahrern geweckt hat. Die Hessen wollen länger für mögliche Fehler einstehen als alle anderen Hersteller und Importeure.

Doch Experten mahnen zur Vorsicht: „Anders als die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung ist eine Garantie immer eine freiwillige Angelegenheit, die jeder Hersteller an eigene Bedingungen knüpfen kann”, erläutert Thomas Firmery von der Sachverständigen-Organisation KÜS in Losheim am See. „Deshalb muss man genau das Kleingedruckte studieren.”

Dieser Rat gilt nicht nur für den Vorstoß von Opel, sondern zum Beispiel auch für die Garantien von Hyundai (fünf Jahre) und Kia (sieben Jahre), die bis dato die Spitze markiert haben. Denn vom Gesetzgeber vorgeschrieben sind lediglich zwei Jahre, in denen der Kunde den Hersteller für Mängel zur Kasse bitten kann.

Von diesem Kleingedruckten gibt es wie überall auch in den Garantiebedingungen von Opel reichlich. So muss man nach Angaben des Autoherstellers nicht nur eine jährliche „Aktivierungsgebühr” von 11,90 Euro bezahlen. Hinzu kommt eine weitere Einschränkung: Nach Ablauf der ersten zwei Jahre oder danach bis zu einer Laufleistung von 50.000 Kilometer muss der Opel-Kunde anders als bei den Koreanern einen Anteil an den Materialkosten leisten. Auch bedeutet „lebenslang” nicht für die Ewigkeit: „160.000 Kilometer sind das Limit”, präzisiert Pressesprecher Christoph Birringer.

„Ein weiterer Knackpunkt aller Garantieangebote ist die Übertragbarkeit”, sagt KÜS-Experte Firmery. Man muss sich genau informieren, ob man die Garantie mit seinem Auto weiterverkaufen kann oder ob sie nur für den Erstbesitzer gilt, mahnt er.

Bei Kia und Hyundai ist der Vertrag übertragbar. Bei Opel dagegen geht das nach Werksangaben nur innerhalb der ersten sechs Jahre und bis zu einem Tachostand von 100.000 Kilometern. Und auch dann wird eine jährliche Gebühr von mindestens 150 Euro erhoben.

Damit rückt das Opel-Versprechen nahe an eine Anschlussgarantie, die man bei vielen Neu- oder Gebrauchtwagen zusätzlich beim Händler oder einer Versicherung erwerben kann. Diese „erbringen Leistungen für speziell benannte Baugruppen wie den Motor”, erläutert Herbert Engelmohr, Jurist beim Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt am Main.

Auch dort werden allerdings Alter und die Laufleistung des Fahrzeugs bei der Erstattung der Reparaturkosten berücksichtigt, schränkt er ein. Wie bei der Opel-Garantie wird es deshalb für ein Auto mit geringem Restwert keine Reparatur geben, die teurer ist als der ganze Wagen. „Damit man nachher nicht enttäuscht ist, sollte man vorher klären, was wirklich von der jeweiligen Garantie abgedeckt wird”, rät deshalb auch Engelmohr.

Egal wie viele Bestimmungen sie enthalten: „Verlängerte Garantien sollen dem Kunden die Angst vor unerwarteten Schäden nehmen”, sagt Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Je präziser Garantien seien, desto mehr schützten sie vor der sprichwörtlichen „Katze im Sack” und schafften Vertrauen.

Mit jeder Einschränkung schrumpfe dieser Effekt allerdings, so der Experte für Automobilwirtschaft. Dudenhöffer stellt deshalb die Vertrauenswirkung der neuen Opel-Garantie in Frage: „Einen zufriedenen Golf-Fahrer wird man damit nicht anlocken können”, sagt er.
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