In vielen Bauverträgen von Fertighäusern lauern Fallen für Bauherren

Von: Katja Fischer, dapd
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Fertighaus II
Praktisch und auf wechselnde Lebenssituationen eingerichtet: In den Bauverträgen für Fertighäuser lauern allerdings Fallen. Foto: dpa/gms

Berlin. Fertighäuser sind bei Bauherren besonders beliebt, weil sie schnell aufgebaut und bald bezugsfertig sind. Auch der Preis lässt sich gut kalkulieren, meinen die meisten. Denn es wird ein Festpreis vereinbart.

Doch nicht wenige Kunden erleben dann in der Bauphase bittere Überraschungen, weiß der Verband Privater Bauherren.

Auch wenn der Name etwas anderes suggeriert, Fertighäuser sind kein Rundum-Sorglos-Paket. Der Begriff „schlüsselfertig” ist weder gesetzlich definiert noch geschützt. Wie alle anderen Bauverträge muss auch der für Fertighäuser individuell verhandelt werden. Bauherren sollten sich keinesfalls mit den Entwürfen der Fertighausformen zufrieden geben. Denn im Preis inbegriffen ist nur, was im Bauvertrag steht, alles andere kostet extra. „Vielen Bauherren ist das nicht bewusst”, sagt Thomas Penningh, Vorsitzender des Verbands Privater Bauherren (VPB). „Gerade Käufer von Schlüsselfertigimmobilien vertrauen oft leichtgläubig dem beauftragten Bauunternehmen und hoffen, dass alles im Komplettpreis eingeschlossen ist.”

Auch scheinbar unwichtige Punkte müssen geregelt werden, wie das Bereitstellen der Geräte zur Bauausführung, Lagermöglichkeiten, Zufahrten und Standplätze für den Baukran, Zwischenlager für Bodenaushub, die Bauschuttbeseitigung, Bereitstellung von Baustrom, Bauwasser, Toilettenhäuschen. Gerade die Baustelleneinrichtung führt immer wieder zu Streitigkeiten zwischen Bauträger und Hauskäufer. Was genau stellt der Bauträger zur Verfügung? Was muss der Bauherr auf eigene Kosten veranlassen? All das sollte im Vorfeld geklärt werden.

Nach Aussage des VPB gibt es keine rechtlichen Vorschriften zum Inhalt oder zur Gestaltung von Bauverträgen, an denen sich Bauherren orientieren könnten. Bauträger dürfen ihre Bau- und Leistungsbeschreibungen nach Gutdünken formulieren. Der Verbraucherschutzverein „Wohnen im Eigentum” hat als Hilfestellung einen Muster-Bauvertrag herausgegeben. Darin werden Baubeginn und Fertigstellungstermin sowie Zahlungsplan, Sicherheiten zur Fertigstellung und für die Zeit der Gewährleistung vorgegeben. Vertragsstrafen oder Schadensersatz bei Fristüberschreitung sind ebenfalls berücksichtigt. Gezahlt werden sollte nur nach Baufortschritt, so die Empfehlung des Verbraucherschutzvereins, besser noch nach Fertigstellung und Bauabnahme.

Der Verband Privater Bauherren verweist noch auf einige besonders ärgerliche Fallen im Bauvertrag. Wenn beispielsweise der Passus „Erdarbeiten bauseits” auftaucht, ist höchste Wachsamkeit geboten. Denn, was auf den ersten Blick nach einer Leistung des beauftragten Bauunternehmers aussieht, müssen in Wirklichkeit die Bauherren extra bezahlen.

Der versprochene Festpreis gilt nur, wenn alle Annahmen im Bauvertrag, die beispielsweise den Baugrund betreffen, später auch mit der Realität auf dem Grundstück übereinstimmen. Erfordert der Baugrund aber zusätzliche Investitionen, etwa für die Abdichtung des Kellers, dann kostet das extra. Das steht zwar auch im Vertrag, ist aber nur selten für den Bauherrn erkennbar und übersichtlich zusammengefasst, sondern meist über die Vertragsunterlagen verstreut.

Obwohl der Festpreis ihr größtes Zugpferd ist, finden sich gelegentlich in Vertragsentwürfen von Schlüsselfertiganbietern Passagen wie „Bei höherer Gewalt kann die Festpreisbindung aufgehoben werden.” Diese Formulierung ist ungültig, befand das Landgericht Kiel (AZ: 2 O 288/08).
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