Feine Unterschiede: Zwischen Gewährleistung und Garantien

Von: amv
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Stuttgart. Der neue Wagen verrichtet nicht so seinen Dienst wie er soll. In solchen Fällen greift die Garantie oder - die Gewährleistung.

"Allerdings, da gibt es feine, aber entscheidende Unterschiede", erklärt Volker Lempp, Jurist des Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart und "Otto Normalverbraucher gerät angesichts einer komplexen Rechtslage und versierter Vertragsgegner schnell auf die Verliererstraße, wenn es um die Durchsetzung seiner Rechte geht". "Die Gewährleistung ist das Wesentliche", betont der Jurist.

Die Gewährleistungsvorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) regeln die Pflichten der Vertragsparteien, also von Händler und Kunde, detailliert und im Wesentlichen unabdingbar. Sie geben dem Autokäufer Sicherheit gegenüber dem Händler. "Der ist daran gebunden und kann sich nicht auf den Hersteller herausreden", sagt Lempp. Demgegenüber ist die Garantie lediglich ein "Plus", dem in der Praxis geringere Bedeutung zukommt, als vielfach angenommen.

Garantiegeber ist meist der Hersteller. Es kann jedoch auch ein anderes Unternehmen sein, etwa eine Reparaturversicherung. Da es sich um eine freiwillige Leistung handelt - nicht jedes Auto wird mit einer Garantie verkauft - kann der Garantiegeber im Kleingedruckten Voraussetzungen und Einschränkungen seiner Garantie regeln. "Der Umfang einer Garantie ergibt sich also nicht aus dem Gesetz, sondern allein aus der Garantievereinbarung", betont Lempp und "die deckt sich nur teilweise mit den gesetzlichen Gewährleistungsansprüchen". Wie sollte man sich nun verhalten, wenn man die Gewährleistung oder Garantie in Anspruch nehmen möchte? "Wenn Sie sich für eine Nachbesserung entscheiden - bei erheblichen Mängeln kommt auch eine Ersatzlieferung in Betracht -, ist der Händler, bei dem Sie das Fahrzeug gekauft haben, die richtige Adresse", erläutert ACE-Jurist Lempp.

Der Verkäufer muss kostenlos reparieren und nach zwei erfolglosen Nachbesserungsversuchen Kostenersatz leisten, den Kaufpreis mindern oder den Kauf rückabwickeln. Dies ist der Kern seiner Gewährleistungspflicht. Vorsicht: Beauftragt man eine andere Vertragswerkstatt des Herstellers oder gar eine freien Werkstatt, kann sich dies nachteilig auswirken. "Zwar sehen die Allgemeinen Verkaufsbedingungen der Händler in aller Regel vor, dass Gewährleistungsarbeiten bei allen autorisierten Werkstätten in Auftrag gegeben werden dürfen. Problematisch wird es jedoch, wenn in einem solchen Fall die Nachbesserung nicht gelingt. Dann muss der Verkäufer zumindest informiert werden", erläutert Lempp. Die Einschaltung des Verkäufers in die Mängelbeseitigung wird von den Gerichten auch als Voraussetzung dafür gesehen, sich auf eine fehlgeschlagene Nachbesserung berufen zu können.

Von der Einschaltung einer freien Werkstatt ist abzuraten, solange der Verkäufer zur Nachbesserung bereit ist und sich damit auch nicht in Verzug befindet. "Auch bei unstreitigen Mängeln schuldet der Verkäufer grundsätzlich keinen Kostenersatz für Arbeiten, die anderweitig vorgenommen worden sind", gibt der Jurist zu bedenken. Garantien übernehmen im Allgemeinen nur Instandsetzungskosten und sind damit gegenüber den Gewährleistungsansprüchen deutlich im Nachteil. "Wer zu seinem Recht kommen will, der sollte sich deshalb als Käufer nie mit dem Hinweis auf die Garantie zufriedengeben und stets den Händler in die Pflicht nehmen", rät Lempp

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