Aachen - Biallos Ratgeber: So landen Tierliebhaber nicht vor Gericht

Biallos Ratgeber: So landen Tierliebhaber nicht vor Gericht

Von: Manfred Fischer
Letzte Aktualisierung:
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Auch Hunde, Nager, Vögel und Katzen können die Richter beschäftigen: Gerichtsverfahren für Haustierbesitzer enden manchmal überraschend und können auch teuer werden. Foto: dpa

Aachen. Hunde, Katzen, Vögel, Nager, Fische, Schlangen – Tierhaltung im trauten Heim ist beliebt. Mehr als 31 Millionen Tiere leben in deutschen Haushalten. Doch nicht immer verläuft das Leben der Tiere und ihrer Halter so friedlich, wie das sein sollte.

Wenn Vermieter oder Nachbarn die Tierliebe nicht teilen, ist Streit programmiert. Streit, der in vielen Fällen vor Gericht landet. Häufige Klagegründe sind Lärm, Geruchsbelästigung, Sachbeschädigung und Körperverletzung.

Kleintiere im trauten Heim: Welche Tiere Mieter in ihrer Wohnung halten dürfen, ist in der Regel im Mietvertrag geregelt. Ein grundsätzliches Verbot von Tierhaltung ist unzulässig. Kleintiere sind immer erlaubt, das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in zwei Urteilen klargestellt (Az.: VIII ZR 340/06; Az.: VIII ZR 340/06). Juristisch als Kleintiere gelten Tiere, die in Käfigen oder anderen Behältnissen leben, nicht durchs Haus laufen und Nachbarn stören können sowie keine Schäden an der Wohnung anrichten. Die Tiere dürfen nur in „üblicher“ Zahl in der Wohnung sein, es darf nicht zu einer unzumutbaren Belästigung anderer Mieter kommen.

Hunde und Katzen: Auch Klauseln in Mietverträgen, die Hunde- und Katzenhaltung generell verbieten, hat der BGH für unwirksam erklärt (Az.: VIII ZR 168/12). Mieter dürfen die Tiere jedoch „nicht ohne jegliche Rücksicht auf andere halten“, das oberste Gericht schreibt eine „umfassende Abwägung“ der Interessen im Einzelfall vor. In vielen Mietverträgen steht, dass die Haltung von Hunden und Katzen ohne Zustimmung des Vermieters verboten ist. „Mieter sollten die Zustimmung unbedingt einholen“, sagt der Rechtsanwalt Andreas Ackenheil. Der Vermieter dürfe sie nur verweigern, wenn er ein berechtigtes Interesse habe. Gründe dafür könnten die Tierhaarallergie eines Mitbewohners oder Kinder im Haus sein, die Angst vor großen Hunden haben, sagt der Tierrechtsexperte.

Gefährliche Tiere: Ist die Tierhaltung im Mietvertrag gestattet, heißt das noch nicht, dass man sich gefährliche Arten in die Wohnung holen darf. Mit Vogelspinnen, Kampfhunden, Gift- oder Würgeschlangen darf man, die Erlaubnis des Vermieters vorausgesetzt, sein trautes Heim nur in Ausnahmefällen teilen. Es muss sichergestellt sein, dass keine Gefahr für Bewohner entsteht. Voraussetzung ist vielerorts eine behördliche „Haltererlaubnis“.

Schäden und Versicherung: Gerichtsverfahren enden für Haustierbesitzer immer wieder überraschend, so manchen kommt seine Tierliebe teuer zu stehen. Für Tiere gibt es keine allgemeine Versicherungspflicht. Nur für Hunde existieren in einigen Bundesländern Regelungen. Ob Hund oder Pferd: Bei Tieren, die sich im Freien aufhalten, und jenen, die in der Wohnung Schaden anrichten können, rät Andreas Ackenheil zu einer Tierhaftpflicht-Police.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zählt rund 100.000 Haftpflichtschäden, die jährlich allein von Hunden verursacht werden. Wer Katzen oder harmlose Nager zu Hause hält, benötigt für sie keine Tierhaftpflicht-Police. Für Schäden kommt bei diesen Tieren üblicherweise die private Haftpflichtversicherung auf.

Was deckt eine Tierhaftpflichtversicherung ab? Büxt ein Hund auf der Straße aus und beißt jemanden oder löst einen Unfall aus, kann der Anspruch auf Schadenersatz weitreichend sein: Sachschäden, Heilbehandlung, Schmerzensgeld, Versorgungsansprüche. Hundehaftpflicht-Versicherungen gibt es ab etwa 50 bis 60 Euro im Jahr, je nach Hunderasse. Policen für Kampfhunde kosten zwischen 170 und 240 Euro im Jahr. Wichtig ist, dass der Versicherungsschutz auch greift, wenn man als Tierhalter gegen Pflichten verstoßen hat, etwa gegen die Leinenpflicht.

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