Anwaltstipps: Irrtümer und vermeintliche Regeln beim Radfahren

Von: dapd
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Kornwestheim. Radfahren wird immer beliebter. Doch mitunter mischen sich ins Miteinander von Radlern und anderen Verkehrsteilnehmer schräge bis scharfe Töne.

„Vielfach wohl, weil sich Radfahrer falsch verhalten”, hat der auf Verkehrsrecht spezialisierte Anwalt Michael Winter beobachtet. „Oft aber auch, weil sich Radler richtig verhalten, doch Fußgänger etwa die Verkehrsregeln nicht so genau kennen”, mutmaßt der Jurist aus Kornwestheim.

Das beginne schon bei der Benutzung des Radweges. Der Glaube, wenn ein Radweg vorhanden sei, müsse man auch darauf fahren, sei so allgemein falsch. „Gibt es einen Radweg, darf man auf ihm fahren - ist er ausgeschildert, muss man auf ihm fahren”, stellt der Rechtsanwalt klar. Er fügt hinzu: „Ist eine Fahrbahn links und rechts von Radwegen gesäumt, darf man verständlicherweise auf dem linken Radweg nicht entgegen der Fahrtrichtung fahren”.

Auf dem Gehweg gilt Schritttempo

Ein weiterer Irrtum, der oft zu zumindest emotionalen Kollisionen zwischen Passanten zu Fuß und per Rad führe, sei die Ansicht, man dürfe auf dem Gehweg radeln, wenn kein Radweg vorhanden sei.

„Falsch”, klärt Winter den Sachverhalt: „Fahrräder gelten in der EU als sogenannte Fahrzeuge und haben die Fahrbahn zu benutzen. Kinder bis acht Jahren sind verpflichtet, auf dem Gehweg zu fahren, Kinder bis zum Alter von zehn Jahren dürfen dies.”

Seien Gehwege durch eine Zusatztafel für das Fahrradfahren freigegeben, könne man dies tun, müsse es jedoch nicht. „Ein Gehweg bleibt ein Gehweg, und das bedeutet, der Radler muss Schrittgeschwindigkeit einhalten”, sagt Winter.

Mit dem Fahrrad entgegen einer Einbahnstraße zu fahren, sei ebenso grundsätzlich falsch. Nur in den Fällen, in denen ein Zusatzschild das Befahren entgegen der Fahrtrichtung erlaube, dürfe man dies auch tun.

„Fahrradfahrer müssen immer hintereinander fahren”, beschreibt Winter eine weitere vermeintliche Verkehrsregel. „Aber, so ist es nicht richtig. Wenn Radler den Verkehr nicht behindern, dürfen sie nämlich auch nebeneinander fahren. In sogenannten Fahrradstraßen ist dies immer erlaubt”, sagt Winter. Seien mehr als 15 Radfahrer als Gruppe unterwegs, bildeten sie einen geschlossenen Verband und dürften in diesem zu zweit nebeneinander fahren.

Betrunkenen Radlern kann Führerschein entzogen werden

Trinkt man ein paar Weizenbier im Biergarten und fährt anschließend mit dem Rad nach Hause, könne es ein böses Erwachen geben, warnt der Verkehrsrechtsspezialist. „Eine sogenannte Trunkenheitsfahrt kann man selbstverständlich auch mit dem Fahrrad begehen.” Richtig kritisch werde es bei einem Unfall oder bei einer Alkoholisierung von mehr als 1,6 Promille.

Schon eine einzige Fahrradfahrt unter Alkoholeinfluss könne den Autoführerschein kosten. Laut einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts könne einem Radfahrer nach einer Fahrt mit 1,6 Promille die Fahrerlaubnis entzogen werden, wenn zu erwarten sei, dass er künftig auch ein Kraftfahrzeug in fahruntüchtigem Zustand führen werde.

Mitfahrer sind grundsätzlich tabu

Eine alltägliche Verhaltensweise radelnder Verkehrsteilnehmer ist es, sich vor einer roten Ampel immer bis ganz vorne durchzuschlängeln. „Das ist Rad- und Mofafahrern nur erlaubt, wenn ein ausreichender Raum vorhanden ist”, sagt der Rechtsanwalt. Komme es zu einer Kollision, müsse wohl möglich ein Richter den Rahmen des Erlaubten abstecken. In jedem Fall aber gelte: Vorbeifahren nur mit geringer Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht.

Gesetzlich genau geregelt ist ebenfalls die Doppelnutzung des Rades. Winter sagt: „Generell dürfen nur Kinder unter sieben Jahren auf Fahrrädern mitgenommen werden; dies allerdings nur dann, wenn ein besonderer Kindersitz vorhanden ist und ausgeschlossen werden kann, dass die Füße der Kinder in die Speichen gelangen. Und was wenige wissen, wer ein Kind mitnimmt, muss selbst mindestens 16 Jahre alt sein.”

Immer wieder zu beobachten ist, dass ein Hund an der Leine mit auf die Radtour genommen wird. „Dies ist erstaunlicherweise richtig und gesetzlich erlaubt”, sagt Winter.
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