Berlin - Negativzinsen: Muss das Geld bald unter die Matratze?

Negativzinsen: Muss das Geld bald unter die Matratze?

Von: vo
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Foto: martaposemuckel (CC0 1.0) / pixabay.com

Berlin. Noch vor wenigen Jahren war das Szenario für Privatanleger unvorstellbar: Anstatt Guthabenzinsen zu bekommen, muss man für Geld auf dem Konto Zinsen an die Bank zahlen. Doch der Leitzins der Europäischen Zentralbank sinkt immer weiter.

Das Schreckgespenst der Negativzinsen wird auch für Kleinsparer immer bedrohlicher.

Negativzinsen sind auch die Folge von zu viel Geld im Finanzmarkt

Die Europäische Zentralbank (EZB) versucht, mit dem Leitzins, zu dem sich Banken Geld leihen können, die Geldflüsse zu regulieren. Momentanes Ziel der EZB ist der Anschub der Konjunktur. Durch billiges Geld sollen Unternehmen leichter Investitionen tätigen können und die Verbraucher zu mehr Konsum animiert werden. Ein weiterer Faktor, der zu dem niedrigen Zinsniveau geführt hat, war die Finanzkrise 2008.

Investoren erhofften sich wegen der schlechten Konjunkturlage Sicherheit für langfristige Investitionen durch den Kauf von Staatsanleihen. Dabei waren Anleihen von wirtschaftlich stabilen Staaten am interessantesten. Die hohe Nachfrage führte schnell zu niedrigen Zinsen und in der Folge blieb viel Geld im Finanzkreislauf. Schon seit einiger Zeit verlangt die EZB daher von Geldinstituten, die Gelder bei ihr parken, Negativzinsen.

Die Berlin-Hyp-Bank war Negativzins-Pionier bei Anleihen

Der 8. März 2016 war in der Bankenwelt ein wichtiger Tag. Die Berlin Hyp verkaufte als erstes nichtstaatliches Geldinstitut eine Immobilien-Anleihe zum Zinssatz von null Prozent an Investoren. Die Anleihe hat eine Laufzeit von drei Jahren und ein Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro. Immobilen-Anleihen gelten als gut abgesichert, daher war die Nachfrage riesig.

Die Bank reagierte und erhöhte den Ausgabepreis so weit, dass netto eine Rendite von minus 0,162 Prozent übrigbleibt. Trotzdem wurde die Anleihe gekauft. Viele Investoren gehen nämlich davon aus, dass die Zinsen noch weiter ins Negative driften und hoffen, die Anteile später weiterverkaufen zu können - dann mit Gewinn.

Bisher hatten Kleinsparer keine Negativzinsen zu befürchten

Das niedrige Zinsniveau bekommen mittlerweile auch Privatsparer deutlich zu spüren. Selbst bei Festgeld ist der Zinssatz schon länger bei unter einem Prozent. Die Finanzämter haben übrigens schon vorgebaut: Der Finanzdienstleister tecis postete jüngst auf seiner Facebookseite einen Artikel der "Welt", aus dem hervorgeht, dass Negativzinsen nicht steuermindernd wirken. Sie würden vom Fiskus genauso wie Gebühren betrachtet und seien durch den Anlegerfreibetrag von 801 Euro pro Jahr bereits steuerlich berücksichtigt.

Momentan wäre der einzig effektive Schutz vor Minuszinsen wohl wirklich das berühmte Bargeld unter der Matratze. Würden nämlich die derzeit viel diskutierten Pläne, das Bargeld eines Tages abzuschaffen, umgesetzt, wäre das letzte Hindernis auf dem Weg zu Minuszinsen auf dem Sparbuch aus dem Weg geräumt.

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