Berlin - Sticker als Träger von Meinungsäußerung, Werbung und Kunst

Sticker als Träger von Meinungsäußerung, Werbung und Kunst

Von: vo
Letzte Aktualisierung:
Sticker
Foto: pixabay.com @Hans

Berlin. Aufkleber spiegelten schon immer die aktuellen Trends und politisch brisanten Themen der Generationen wider. Die vielseitigen Sticker klebte und kleben noch immer in Alben, auf Fensterscheiben, an Türen und später auf Autos, um das wiederzugeben, was dem Zeitgeist der jeweiligen Epoche entsprach.

In verschiedenen Formaten, manchmal grell oder unauffällig, aber meistens aussagekräftig gestaltet. Die kleinen Alleskönner haben sich eine Aufwertung in Richtung Kunst verdient.

Wandel der Zeit als Aufkleber

Es gibt Träger der verschiedensten Botschaften seit Angedenken der Menschheit und hatten schon immer den Sinn, sich anderen Personen mitzuteilen. Die ersten Aufkleber, die unseren heutigen Stickern ähnlich waren, gibt es seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit entdeckten findige Werbefachleute den Nutzen, ihren Produkten bunte Sammelbilder beizufügen. In den eigens dafür angelegten Einsteckbüchern sammelten Familienmitglieder jeden Alters eifrig die Bilder mit aussagekräftiger Werbeaufschrift.

Bis zu Beginn des Ersten Weltkriegs beteiligen sich Firmen mit unverwechselbarer Botschaft, zum einen aus dem Handel, wie auch der Landwirtschaft und der Pharmazie, aber auch Technik, Wissenschaft und Kunst gab es durchaus als individuelles Werbebild.

Dunkles Kapitel der Aufkleber im Dritten Reich

Zwar wurde auch in den Jahrzehnten davor bereits Aufkleber mit Hetze gegen Angehörige aus den Kolonialstaaten oder des Judentums verbreitet, aber zu Beginn des Dritten Reichs, wurden die Herausgeber der Klebebilder von der Staatspolizei überwacht. So durfte keine andere Meinung auf diese Weise propagiert werden. Noch bevor der Judenhass öffentlich wurde, konnte so mit diesem beliebten Medium im Stillen Antisemitismus geschürt und unaufhaltsam verbreitet werden im ganzen Volk.

Wirtschaftswunder mit farbenfrohen, lustigen Botschaften 

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Beginn es Wirtschaftsaufbaus in Deutschland, wurden Sammelbilder mit Unterhaltungswert verteilt, vor allem als Beilage von Zigarettenpackungen sehr beliebt. Die Hausfrau und Mutter, als stellvertretende Konsumentin der Familie und Verwalterin des Haushaltsgeldes, erfuhr eine ausgeprägte Umwerbung in Millionenauflage.

Autoaufkleber im Trend der Zeit

Stolz präsentierten in den 1950er und 1960er Jahren die Besitzer von Motorrollern und Autos mit Stickern, wo der Urlaub der Besitzer stattgefunden hatte. In kräftigen Farben zierten Sehenswürdigkeiten, wie der "Schiefe Turm von Pisa" oder ganzen Regionen mit dem "Titisee" für den heimischen Schwarzwald, so manches Fahrzeug. In den beiden folgenden Jahrzehnten wurde dort eher die politische Gesinnung mit einem oder mehreren Stickern gezeigt.

Mit "Atomkraft? Nein danke!" oder der Bekennung zu aktuellen Kanzlerkandidaten, wurde aus der politischen Meinung kein Geheimnis gemacht. Durch besonders provozierende Exemplare, entbrannte so manch hitzige Diskussion auf Parkplätzen. Bald wurde dieser Trend dann, mit völliger Abkehr der politischen Interessen, von der stolz präsentierten Elternschaft, in Form von Kindernamen abgelöst.

Kommerz und Kunst

Aufkleber haben Aufmerksamkeit bei der Betrachtung verdient und eine Aufwertung durch das Berliner Stickermuseum erfahren. Heutzutage sind individuelle Sticker im Trend, darüber können Sie sich bei deinestadtklebt.de auch noch näher informieren. Bereits 1966 wertete Andi Warhol, mit seinem abziehbaren Bananen Sticker auf dem Album der Gruppe "Velvet Underground", dieses vielfältige Medium als Kunst auf. Die Betrachtung der einzelnen Klebebilder im Wandel zwischen Kommerz, Propaganda, Provokation und Kunst ist eine Zeitreise der besonderen Art mit garantiert hohem Spaßfaktor.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert