Konfektions-Chaos in der Modeindustrie

Von: rd
Letzte Aktualisierung:
Mode
Foto: Phil Gradwell / CC BY 2.0

Berlin. Gut gelaunt macht man sich auf den Weg ins Einkaufszentrum, um ein wenig frischen Wind in den Kleiderschrank zu bringen. Doch spätestens bei dem vierten Kleidungsstück, das nicht passt, vergeht jedem die Shoppinglaune. Obwohl man die eigene Konfektionsgröße kennt, ist die Hose trotzdem zu kurz, das Hemd zu weit, das Top zu eng und die Ärmel zu lang. Doch woran liegt das?

Illusorische Konfektionsgrößen

Jedem dürfte es bereits aufgefallen sein: Während in einem Laden die Größe 38 perfekt sitzt, kneift die Hose in derselben Größe in einem anderen Geschäft an den Oberschenkeln. Das liegt daran, dass die Größen nicht normiert sind.

Zwar wurde 2007 und 2008 eine große Vermessung der durchschnittlichen Körpermaße in Deutschland durchgeführt, bei der circa 13.400 Männer, Frauen und Kinder im Alter zwischen 6 und 87 Jahren mithilfe eines 3D-Körperscanners erfasst wurden. Diese Aktion zeigte deutlich, dass die Deutschen größer und breiter werden und eine Anpassung der Kleidergrößen unbedingt nötig ist. Das Problem: Nur die Unternehmen, die bei der Finanzierung des Projekts mithalfen, haben die Ergebnisse der Vermessung erhalten und sind zudem nicht verpflichtet, diese auch wirklich zu verwenden.

Doch auch durch das Anpassen der europäischen Größenbezeichnungen auf den internationalen Standard von XS bis XXL entstehen ungenauere Konfektionsgrößen. Zumal die amerikanischen Größen eine Viertelgröße hinter dem europäischen Maßsystem liegen, wodurch weitere Unterschiede bei der Umrechnung zutage treten.

Kundenbindung durch eigene Größen

Aber es gibt auch Unternehmen, die ihre Größen bewusst verändern, um sich von der Konkurrenz abzusetzen und die Kunden auf diese Weise besonders an sich zu binden. Denn für diese Marken gehören die unterschiedlichen Passformen zur Brand-Identität.

Jedes Unternehmen hat eine bestimmte Zielgruppe im Auge und nach dieser richtet sich auch die verkaufte Kleidergrößennorm. Es gibt Modeketten, die ihren Kunden schmeicheln möchten, sodass sie zum Beispiel eine Größe 38 wie eine Größe 40 ausfallen lassen.

Designer wie Jil Sander möchten ihre Kleidung sogar nur an Menschen eines gewissen Körpertyps verkaufen und bieten daher fast nur Stücke an, in die ausschließlich androgyne Frauen hineinpassen.

Andere Unternehmen haben es sich zur Aufgabe gemacht, einen ganz bestimmten Kunden anzusprechen. So lässt zum Beispiel der Online-Shop Long Tall Sally ausschließlich Mode für große Frauen ab 1,75 m Größe produzieren. Diese Frauen müssen sich nicht mehr mit zu kurzen Hosen herumärgern und bleiben der Firma treu.

Aus dem gleichen Grund freuen sich fülligere Menschen über Läden, die Kleidung ab Konfektionsgröße 42 anbieten. Aber auch kleine oder sehr zierliche Menschen haben oft Probleme, passende Kleidung zu finden. Hier reagieren auch verschiedene Unternehmen und bieten Kollektionen mit kürzeren Hosenbeinen und schmaler geschnittenen Oberteilen an.

Online-Versandhandel als großer Verlierer

Am meisten ärgern sich Online-Shops über das Chaos im Konfektionsgrößendschungel. Denn während wir uns im Laden kurz ärgern und die Verkäuferin um eine andere Größe bitten, haben es Online-Anbieter schwerer: "Weil viele Sachen nicht passen, werden 50 bis 60 Prozent der bestellten Waren vom Käufer zurückgeschickt", berichtet der Hauptgeschäftsführer des Modeverbands "German Fashion" der Zeitung Der Westen.

Viele Kunden lassen sich bereits das gleiche Teil in mehreren Größen zuschicken, um sicherzugehen, dass eine der Größen tatsächlich passt. Für den Online-Handel wird das zum Problem, denn zurückgegebene Ware muss kontrolliert und neu verpackt werden – das kostet den Händler durchschnittlich 15 Euro pro Retoure.

Ein Schritt zur Lösung wäre eine standardisierte Größenregelung. Seit vielen Jahren beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe in der EU-Kommission mit diesem Thema, doch bisher gibt es lediglich Vermutungen, dass vielleicht bald ein EU-einheitliches Größensystem durchgesetzt werden könnte.

Sie schreiben unter dem Namen:

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert