Generation Ratenkauf: Wenn Liquiditätsprobleme in Mode kommen

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Ratenkauf
Die 0%-Finanzierung ist heute ein beliebtes Marketinginstrument. Foto: fotolia.com / ferkelraggae

Der Kauf auf Raten ist ein verbreitetes Phänomen unserer Zeit. Liquiditätsprobleme sind längst kein Hinderungsgrund mehr, wenn es um größere Anschaffungen geht.

Dass die Finanzierung von Luxusgütern durchaus Risiken mit sich bringen kann, zeigt die zunehmende Zahl der Überschuldungen. Trotzdem boomt das Geschäft mit der Ratenzahlung. Ein gewisses Maß an Liquiditätsproblemen scheint heute offenbar zum guten Ton zu gehören.

Sie begegnen uns an jeder Ecke: Kaufangebote, die dem Kunden ein günstiges Ratengeschäft in Aussicht stellen. Betroffen sind vor allem Luxusgüter wie Möbel, Autos oder Elektronikartikel. In den meisten Fachgeschäften prangen heute die Werbeplakate, die eine 0%-Finanzierung offerieren.

Der Kunde darf hier also einkaufen, ohne die volle Kaufsumme sofort auf den Tisch legen zu müssen. Stattdessen darf der Gegenwert der Ware in bequemen Teilzahlungen erfolgen. Das begehrte Gut wird gleich eingepackt, die finanzielle Belastung gleichmäßig über die nächsten Monate oder Jahre verteilt.

Der Ratenkauf als Ideallösung für den Einzelhandel?

Der Ratenkauf sieht auf den ersten Blick nach einer klassischen Win-Win-Situation für den Käufer und den Verkäufer aus. Der Käufer kommt in den Genuss eines Luxusartikels, den er sich eigentlich in seiner aktuellen finanziellen Situation nicht leisten kann.

Der Verkäufer schließt ein Geschäft mit einem Kunden ab, das ohne das Prinzip Ratenkauf nicht zustande gekommen wäre, weil der Kunde nicht ausreichend liquide ist. Und noch eine dritte Partei freut sich, wenn der Ratenkauf zustande kommt: Die Bank, die als Kreditgeber mit dem Händler kooperiert.

Hält der gekaufte Artikel, was sich der Kunde davon versprochen hat und werden die Raten bis zur Ablösung der vollständigen Kaufsumme immer pünktlich bezahlt, sind tatsächlich alle Parteien glücklich. Allerdings läuft ein Ratenkauf nicht immer so reibungslos ab. Im Alltagsgeschäft kommt es immer wieder vor, dass der Käufer in Zahlungsschwierigkeiten kommt.

Ein anderer Fall liegt vor, wenn die gekaufte Ware bereits vor Ablauf des Ratenkredites nicht mehr funktionsfähig ist, der Kunde aber weiterhin die fälligen Raten entrichten muss. Beide Szenarien sind gleichermaßen unangenehm. Trotzdem boomt das Geschäft mit dem Ratenkauf und ist heute eine der meist genutzten Zahlungsoptionen im Einzelhandel.

Fast scheint es, als sei Barzahlung regelrecht aus der Mode gekommen. Von der Schrankwand über das neue Auto bis hin zum Urlaub wird beinahe alles auf Pump angeschafft. Kein Wunder, denn die Möglichkeiten der Alternativfinanzierung sind so vielfältig wie die Wünsche der Konsumenten. Vorbei sind die Zeiten, als auf eine größere Anschaffung oder einen Urlaub gezielt hin gespart wurde.

Vor allem die jüngere Generation hat kaum noch Erfahrung damit, auf einen Luxusartikel oder eine Reise zumindest vorläufig verzichten zu müssen, weil das nötige Finanzpolster fehlt. Es herrscht das Prinzip der sofortigen Bedürfnisbefriedigung, das durch die umfangreichen Finanzierungsmöglichkeiten unterstützt wird.

Volkswirtschaftlich gesehen konnte sich diese Geisteshaltung erst in jüngerer Zeit etablieren. Noch bis in die 1950er Jahre hinein waren Privathaushalte Konsumentenkrediten gegenüber äußerst negativ eingestellt. Anschaffungen ohne das nötige Eigenkapital waren verpönt.

Eine Ausnahme bildete lediglich der Immobilienkredit. Die Sparkassen unterstützten diese ablehnende Haltung öffentlichkeitswirksam. In ihrer früheren Eigenschaft als Unterstützer des Spargedankens, der die Nachkriegsgeneration prägte, widersprach der Konsum auf Pump dem gesamten volkswirtschaftlichen Grundkonzept. "Erst sparen - Dann kaufen" war ein weit verbreitetes Werbemotto der Sparkassen in den 1950er Jahren und noch darüber hinaus (Quelle: Gonser, Simon: Der Kapitalismus entdeckt das Volk. 2014. De Gruyter, Oldenburg.).

Erst um 1960 begann ein Umdenken und der Konsum erreichte auch das Kreditwesen. Welche Verbreitung der Konsumentenkredit als Finanzierungsmöglichkeit bis heute erfahren sollte, konnte sich zu diesem Zeitpunkt allerdings wohl noch niemand vorstellen.

Vorsicht bei der 0%-Finanzierung

Der Ratenkauf ist bei Wirtschaftsexperten ein viel diskutiertes Thema. Längst nicht immer macht der Kunde dabei nämlich ein so gutes Geschäft, wie es ihm in der Werbung offeriert wird. "Nullprozent-Finanzierungen lohnen sich nur selten", titelte Die Welt bereits vor ein paar Jahren.

Skeptiker warnen seit jeher vor Finanzierungsangeboten. Aber wenn das Phänomen Ratenkauf doch scheinbar in der Lage ist, beide Seiten glücklich zu machen, woher kommen dann die Vorbehalte? Die Argumente der Finanzierungs-Skeptiker lassen sich auf eine einzige Kernwahrheit reduzieren: "Der Verkäufer hat nichts zu verschenken"

Wer sich diese Tatsache vor Augen führt, fühlt ganz automatisch den einen oder anderen Zweifel in sich aufkeimen. Ein Ratenkauf ist nichts anderes als ein Kredit, der Kosten verursacht. In der Regel arbeitet der Händler mit einer Bank zusammen, denn nicht einmal wirklich gut besuchte Elektrofachmärkte können es sich leisten, ihre Waren zu Hunderten an den Kunden abzugeben, ohne sofort eine finanzielle Gegenleistung zu erhalten.

Die Bank im Hintergrund, die den Ratenkauf für beide Parteien erst möglich macht, bietet ihre Dienste selbstverständlich nicht kostenfrei an. Es fallen Bearbeitungsgebühren und Kreditzinsen an. Verständlicherweise möchte der Verkäufer diese nicht allein tragen, da sie seine Gewinnmarge empfindlich senken würden.

Was aber tun, wenn dem Kunden eine 0%-Finanzierung versprochen wurde? Die Kreditzinsen können in ihrer eigentlichen Form wohl kaum weiterbelastet werden, sonst fällt das ganze schöne Angebot in sich zusammen.

In vielen Fällen schlagen Händler die Zusatzkosten, die eine Ratenzahlung mit sich bringt, kurzerhand auf den Kaufpreis auf. Der Kunde zahlt keine Kreditzinsen auf seine monatliche Rate, allerdings leistet er durchaus ein paar Raten mehr, um die aufgestockte Kaufsumme aufzubringen.

Genau an dieser Stelle lauert die Finanzierungsfalle: Erfahrene Händler wissen, dass eine niedrige Rate ohne Kreditzinsen dem Kunden ein Schnäppchen suggeriert. Ob die vollständige Kaufsumme tatsächlich so ein günstiges Angebot ist, überprüft in der ersten Euphorie kaum noch jemand. Verbraucherschützer raten deshalb dringend, sich nicht vorschnell zu einem Ratenkauf hinreißen zu lassen und die folgenden beiden Grundsätze zu beherzigen:

Vor dem Kauf unbedingt Preise vergleichen

Besonders schnell und umfassend geht das im Internet. Dort lässt sich anhand der Produktdetails schon mit wenigen Klicks erkennen, ob der Preis im Laden günstig oder im Vergleich zu anderen Anbietern überteuert ist. Ein vergleichsweise hoher Verkaufspreis lässt darauf schließen, dass der Händler die mit dem Ratenkredit verbundenen Zusatzkosten in der Gesamtsumme an den Kunden weitergibt.

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