Zigarettenrauch an der Kleidung kann ein Risiko für Babys sein

Von: dapd
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Zigaretten/Aschenbecher
Auch nach dem Ausdrücken noch gefährlich: In der Kleidung von rauchenden Eltern bleiben Schadstoffe haften, die in die Haut von Säuglingen eindringen können. Foto: dpa

Bönnigheim. Rauchende Eltern gefährden ihr Baby nicht nur während des Qualmens, sondern auch noch lange nach dem Ausdrücken der Zigarette.

Die nach dem Rauchen an der Kleidung haftenden Schadstoffe können in die Haut von Säuglingen eindringen und dadurch deren Gesundheit beeinträchtigen. Das haben Wissenschaftler um Dirk Höfer an den Hohenstein Instituten in Bönnigheim durch Untersuchungen an einem Babyhaut-Modell nachgewiesen. Demnach kommt es schon zu einer bedenklichen Schadstoffübertragung durch diesen sogenannten Thirdhand Smoke, wenn Eltern beispielsweise auf dem Balkon rauchen und nach der Zigarettenpause den Nachwuchs wieder in den Armen wiegen, wie die Hohenstein-Institute berichten.

Für ihre Studie verwendeten die Forscher ein eigens entwickeltes Zellkultur-Modell einer Babyhaut - ein 3D-Hautmodell, das in seinen Eigenschaften der Haut von Babys und Kleinkindern gleicht. Zur Simulation der Schadstoffeinwirkung durch Ablagerungen auf Textilien wurde ein T-Shirt gezielt mit Nikotin versetzt, entsprechend der Menge, die sich bei einer Raucherpause niederschlägt.

Um den Schadstoff später nachweisen zu können, verwendeten die Forscher radioaktiv markiertes Nikotin. Die verrauchten Stoffstücke wurden anschließend auf das Modell der Babyhaut gelegt. Mit speziellen Nachweistechniken konnten die Wissenschaftler das Eindringen des Nikotins in die Haut dokumentieren.

Die Ergebnisse zeigen erstmals, dass das Nervengift Nikotin vom Hautschweiß nicht nur aus der Kleidung herausgelöst und in allen Hautschichten der nachgebildeten Babyhaut nachweisbar wird. Es gelangt auch durch die Haut hindurch in tiefere Körperschichten. Zum Vergleich wiederholten die Wissenschaftler die Experimente mit Spenderhaut von Erwachsenen und kamen auch hier zum gleichen Ergebnis.

Um zu prüfen, ob die so aufgenommenen Schadstoffe tatsächlich schädliche Auswirkungen auf den Körper haben, untersuchten die Forscher zusätzlich, wie Zellkulturen von Haut- und Nervenzellen auf die Rauch-Schweißlösung reagierten. Das Ergebnis: Im Laborexperiment schädigten die im Schweiß gelösten Schadstoffe aus dem Zigarettenrauch die Hautzellen massiv. Sie veränderten beispielsweise ihre Form und starben bei hoher Konzentration sogar ab. Ebenso zeigten Nervenzellen, die insbesondere in der frühen Entwicklungsphase des Menschen aktiv sind, deutliche Veränderungen und waren nicht mehr in der Lage, sich untereinander richtig zu vernetzen.

„Eltern sollten sich bewusst sein, dass auch ihre eigene Kleidung als Überträger der Schadstoffe aus dem Zigarettenrauch dienen kann”, betont Dirk Höfer. Die Wissenschaftler arbeiten derzeit an Textilbeschichtungen, welche die Schadstoffe des Zigarettenrauchs neutralisieren. Für die Entwicklung entsprechender Bekleidung stehe mit dem Babyhaut-Modell nun ein vielseitiges Messsystem zur Verfügung, ergänzen die Forscher.
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