Zahnspangen für Erwachsene: Für Gebiss-Korrekturen ist man nie zu alt

Von: Sabine Meuter, dpa
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Zahnspange
Vom Abdruck beim Kieferorthopäden bis hin zur computergesteuerten Herstellung des Modells und der Anfertigung der Schiene im Zahnlabor: Clear Aligner werden individuell angepasst. Foto: Henning Kaiser/dpa

Berlin. Gesunde und strahlend weiße Zähne, die noch dazu gerade und lückenlos nebeneinander stehen: Nicht jeder hat von Natur aus ein solches Gebiss. Abfinden muss man sich damit aber nicht - und das gilt nicht nur für Jugendliche. Auch für Erwachsene gibt es Zahnspangen.

„Altersmäßig gibt es für eine solche Behandlung keine Grenze”, sagt der Kieferorthopäde Wolfgang Schmiedel. Er ist Vorstandsmitglied der Bundeszahnärztekammer sowie Präsident der Zahnärztekammer Berlin. Das Tragen einer Zahnspange muss auch nicht unbedingt beim Sprechen und Lachen behindern oder optisch auffallen.

Haben Zahnspangen ausschließlich optische Gründe?

Bei etwa der Hälfte der Erwachsenen, die sich in kieferorthopädische Behandlung begeben, stehen nach Angaben von Schmiedel optische Gründe im Vordergrund. „Das können zum Beispiel das Schließen von Lücken im Frontzahnbereich sein”, erläutert der Kieferorthopäde. Mitunter ist sie aber auch medizinisch notwendig. Etwa bei einer falschen Bisslage oder dem Vorliegen sogenannter Kreuzbisse. „Unbehandelt führen sie oft zu Kiefergelenkserkrankungen”, so Schmiedel. Zudem können Zahnfehlstellungen ungünstige Kontakte mit der Zunge verursachen. „Das ist dann gegebenenfalls beim Essen durch ständige Reizung schmerzhaft”, sagt Kieferorthopäde Yong-min Jo aus Mettmann.

Was ist, wenn jemand eine Spange benötigt, dies aber unterlässt?

Die Folgen sollten nicht unterschätzt werden. Wenn Fehlstellungen unbehandelt bleiben, sind erhebliche Kiefergelenksprobleme, Nacken- und Kopfschmerzen, Migräne und Mundöffnungsstörungen möglich. Hinzu kommt, dass Erwachsene nicht selten unter ihren Zahn- oder Kieferfehlstellungen leiden - im psychologischen Sinne. Sie trauen sich mitunter nicht zu lachen, um nicht ihre Zähne zu zeigen, sagt Schmiedel.

Welche Modelle an Zahnspangen gibt es für Erwachsene?

Sehr verbreitet sind festsitzende Zahnspangen in Form von Brackets. „Das sind Plättchen, die von innen oder außen auf den Zahnschmelz geklebt werden”, erläutert Jo. Darin ist ein Bogen eingebracht, der die Zähne in die gewünschte Stellung bringt. „Diese Brackets gibt es in zahnfarbenen Varianten, so dass sie beim Sprechen oder Lachen nicht unmittelbar auffallen”, erklärt Barbara Bückmann. Sie hat für die Stiftung Warentest den Ratgeber „Kieferorthopädie; Zahnspange - ja oder nein” verfasst. Innenliegende Brackets haben den Vorteil, dass man sie nicht sieht. Neben den Brackets gibt es die sogenannten Clear Aligner in Form von dünnen und transparenten Schienen. Die sind laut Nina Schötz, Geschäftsführerin des Zahnlabors Flemming Dental in Bonn, „immer mehr im Kommen”.

Welche Vor- und Nachteile haben die Modelle?

Die Brackets sitzen 24 Stunden fest auf den Zähnen. „Bisweilen kann es zu Irritationen des Zahnfleischs oder der Zunge kommen oder zu leichten Druckschmerzen”, erklärt Schmiedel. Diese Beschwerden verschwinden aber in der Regel nach einigen Tagen. Der Vorteil der Brackets: „Der Erfolg der Behandlung ist aufgrund des ständigen Tragens quasi vorprogrammiert”, so Schmiedel. Die individuell gefertigten durchsichtigen Schienen in Form der Clear Aligner müssen entsprechend dem Behandlungserfolg ständig neu angepasst oder angefertigt werden. „Der Behandlungserfolg hängt maßgeblich davon ab, wie intensiv der Patient sie trägt”, so Schmiedel.

Wie lange dauert eine Behandlung mit einer Zahnspange?

Das ist von Fall zu Fall verschieden. „Erwachsene, die ihre Wachstumsphase abgeschlossen haben, müssen in der Regel länger eine Spange tragen als Heranwachsende”, sagt Bückmann. Die Therapie kann bis zu vier Jahre dauern, liegt aber auch oft zwischen zwölf Monaten und zwei Jahren. „Bei einfachen bis mittleren Zahnfehlstellungen im Frontzahnbereich müssen Patienten eine Spange zwischen drei und neun Monaten tragen”, erklärt Jo.

Wie teuer ist die Behandlung im Schnitt?

Das ist je nach Umfang und Zeitaufwand für die Behandlung unterschiedlich. „Es gibt verschiedene Techniken und Materialien, die sich im Preis stark unterscheiden”, betont Bückmann. Nach ihren Worten muss man bei Brackets mit Kosten zwischen 3000 Euro und 10.000 Euro rechnen, die Clear Aligner liegen preislich bei zwischen 5000 bis 7000 Euro. Bückmann rät Patienten, im Zweifel einen Kostenvoranschlag bei einem zweiten Kieferorthopäden einzuholen. „Der Preisunterschied kann groß sein”, sagt sie.

Kommen die Krankenkassen für die Kosten einer Zahnspange auf?

Nur in Ausnahmefällen. Vom Grundsatz her übernehmen die gesetzlichen Kassen keinerlei Kosten oder Zuzahlungen für die kieferorthopädische Behandlung von Erwachsenen. Nur bei schwersten Fehlstellungen zahlen die gesetzlichen Kassen.

Was sollten Patienten beachten?

Sie müssen mehr Zeit für die Mundhygiene einplanen. Essensreste zwischen den Zähnen sollten immer sorgfältig entfernt werden. Ebenfalls wichtig: nach Ende der Behandlung das Ergebnis dauerhaft sichern. „Es besteht immer die Gefahr, dass sich die Zähne wieder in die alte Situation verschieben”, sagt Jo. Um das zu verhindern, gibt es sogenannte Retainer. Sie werden von hinten auf die Zähne geklebt.

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