München - Wissenswert: Warum schlagen uns Sorgen oft auf den Magen?

Wissenswert: Warum schlagen uns Sorgen oft auf den Magen?

Von: ddp
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bauchschmerzen / übelkeit
Sorgen, Stress und trübe Gedanken schlagen häufig auf den Magen. Gerade wer Trauer oder Ärger förmlich in sich hineinfrisst, hat schnell ein flaues Gefühl oder Schmerzen in der
Bauchgegend. Aber warum macht eigentlich ausgerechnet der Verdauungstrakt Probleme, wenn uns unangenehme Empfindungen plagen? Foto: ddp

München. Sorgen, Stress und trübe Gedanken schlagen häufig auf den Magen. Gerade wer Trauer oder Ärger förmlich in sich hineinfrisst, hat schnell ein flaues Gefühl oder Schmerzen in der Bauchgegend.

Aber warum macht eigentlich ausgerechnet der Verdauungstrakt Probleme, wenn uns unangenehme Empfindungen plagen? Weil Emotionen und Reaktionen des Körpers untrennbar miteinander verbunden sind, wie Peter Henningsen, Professor für psychosomatische Medizin an der TU München, betont: „Körperliche Reaktionen sind Teil jedes Gefühls”.

Dabei ist es keineswegs immer nur der Magen, der uns unangenehme Gefühlsregungen spüren lässt. Wo und wie sich negative Emotionen im Körper niederschlagen, sei sehr typabhängig, erklärt Henningsen. Den einen plagen Kopfschmerzen, der nächste hat Darmprobleme und ein Dritter womöglich Herzrasen.

Die Ursache der Magenbeschwerden sei häufig ein Erregungszustand des vegetativen Nervensystems, erläutert Henningsen. Wenn der sogenannte Parasympathikus-Nerv gereizt werde, sei neben anderen körperlichen Reaktionen wie etwa einem verlangsamten Pulsschlag auch eine verstärkte Magensäure-Produktion die Folge. Die erhöhte Säurekonzentration könne die Magenschleimhäute reizen und Unwohlsein erzeugen. Wenn dazu noch eine Infektion mit Helicobacter-Bakterien kommt, kann sich schnell auch ein Magengeschwür entwickeln.

Dass Gestresste und Besorgte besonders häufig über Bauchschmerzen klagen, hat aber noch andere Gründe. So könne es sich etwa auch um eine Folge der frühkindlichen Entwicklung handeln, sagt Henningsen. Da die Gefühlswahrnehmung bei Kindern noch nicht so stark ausdifferenziert sei, diene der Bauch als zentrales Projektionsfeld negativer Empfindungen. Unabhängig davon, aus welchen Gründen es einem Kind schlecht geht, sagt es deshalb oft: „Ich habe Bauchschmerzen.” Auch bei Erwachsenen seien die Folgen dieser Prägung mitunter noch erkennbar, berichtet der Mediziner.

Den vermeintlichen Bauchschmerzen liegen demnach nicht immer tatsächlich nachprüfbare Symptome im Magen zu Grunde. Stattdessen seien die Beschwerden auf eine Reizung verschiedener Hirnareale zurückzuführen, die unter anderem für die Steuerung des Magens zuständig seien, erklärt der Mediziner. Die gereizten Nervenzellen im Gehirn erzeugten gewissermaßen eine Phantomwahrnehmung, die sich nur als Bauchschmerz-Empfindung ausdrücke. „Das bedeutet aber nicht, dass die Patienten simulieren”, betont Henningsen: „Für die Betroffenen sind die Beschwerden absolut real”.
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