Wissenswert: Lässt sich unser Gehirn dopen?

Von: ddp
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Pharma-Ausgaben sollen künftig begrenzt werden. Foto: ddp

Freiburg. Blitzgescheit, kreativ und immer gut gelaunt -­ so lautet das Rezept für einen erfolgreichen Arbeitstag. Die Realität sieht aber leider oft anders aus: Lustlos und unproduktiv lassen wir die Zeit verstreichen, unser Gehirn scheint allenfalls im Stand-by-Modus vor sich hin zu dümpeln.

Solche Flauten kann sich weder ein Arbeitnehmer noch ein Student auf Dauer leisten. Schon längst ist nicht mehr nur der gute alte Kaffee das Mittel der Wahl, um wieder in Gang zu kommen: Immer mehr Menschen werfen sich Pillen ein, um besser zu „funktionieren”. Aber lässt sich denn unser Gehirn tatsächlich dopen -­ wo fängt das an und wo sind die Grenzen?

„Es ist schwer, dabei trennscharf zu sein”, sagt Heinz Schüpbach, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Freiburg. „Auch Kaffee steigert ja schon künstlich die Leistung des Gehirns.” Wirklich problematisch wird es allerdings, wenn Menschen verschreibungspflichtige Mittel einsetzen, beispielsweise Ritalin und Modafinil, die ursprünglich für Erkrankungen entwickelt wurden. Dieser Trend kommt aus den USA. Umfragen lassen vermuten, dass hier gerade viele Intellektuelle ihrem Gehirn mit diesen Mitteln einen Kick verschaffen.

Wie stark der leistungssteigernde Effekt bei gesunden Menschen tatsächlich ist, bleibt allerdings bisher noch unklar. „Wir gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil der Wirkung auch ein Placeboeffekt ist”, sagt Schüpbach. Allein der Gedanke, „ich habe ja etwas eingenommen”, steigert die Leistungsfähigkeit. Eine Art „Intelligenzpille” gibt es nicht. Viele Fragen sind in diesem Zusammenhang noch offen, nicht zuletzt auch nach den Nebenwirkungen und Langzeitfolgen solcher Medikamente. Wer kein Risiko eingehen möchte, sollte also lieber die Finger von diesen vermeintlichen Wunderpillen lassen.

„Ob man das nun gut oder schlecht findet ­- es wäre völlig naiv, so zu tun, als könnte man diesen Trend wieder aus der Welt schaffen”, sagt Schüpbach. Schon Hunderttausende versuchen heimlich, ihre Hirnleistung künstlich hochzujagen. „Unsere Leistungsgesellschaft wird sich einer Diskussion um dieses Phänomen stellen müssen”, so Schüpbach. Er selber verlässt sich lieber auf den altbewährten Kaffee, um aus einem kleinen Tagestief wieder in Schwung zu kommen: „Da kann ich einschätzen, was mir noch gut tut und wo meine Grenzen sind.”
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