Burlington - Wissenschaftler warnen: Gehirnerschütterungen werden verharmlost

Wissenschaftler warnen: Gehirnerschütterungen werden verharmlost

Von: ddp
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Gehirn
Britische Forscher haben herausgefunden, dass der Botenstoff Dopamin dem Gehirn beim Treffen von Entscheidungen hilft. Foto: dpa

Burlington. Das Krankheitsbild von Gehirnerschütterungen wird zu wenig ernst genommen. Dies haben kanadische Wissenschaftler entdeckt, als sie die Krankengeschichten von Kindern auswerteten, die mit einer Gehirnverletzung in das Krankenhaus der Stadt Hamilton eingeliefert worden waren.

Kinder, bei denen ausdrücklich eine „Gehirnerschütterung” diagnostiziert wurde, verbrachten generell weniger Tage in der Klinik. Sie gingen auch früher wieder zur Schule als ihre Leidensgenossen, bei denen die Diagnose „milde traumatische Gehirnverletzung” gestellt wurde.

Dabei bezeichnen die beiden Begriffe das gleiche Krankheitsbild: Bei einer Gehirnerschütterung handelt es sich um eine milde traumatische Gehirnverletzung, die ernsthafte Folgen haben kann, warnt Studienleiterin Carol DeMatteo von der McMaster University in Hamilton. Das Forscherteam berichtet über seine Ergebnisse im Fachmagazin „Pediatrics” (Bd. 125, Nr. 2).

„Der Begriff Gehirnerschütterung scheint weniger beängstigend zu klingen als der Ausdruck milde Gehirnverletzung und wird mit einer raschen Genesung und zeitlich begrenzten Symptomen in Verbindung gebracht”, erklärt DeMatteo. Der gutartige Beiklang dieses Ausdrucks ist jedoch irreführend: Tatsächlich gehören Gehirnerschütterungen zu den traumatischen Gehirnverletzungen und können gravierende Auswirkungen haben.

Für ihre Untersuchung prüften die Forscher die Krankengeschichte von 434 Kindern, die zur Behandlung einer Gehirnverletzung in die Kinderklinik Hamilton gebracht wurden. 300 der Kinder wiesen eine traumatische Hirnverletzung auf, die als gravierend eingeschätzt wurde. Von dieser Gruppe erhielten 32 Prozent die Diagnose „Gehirnerschütterung”. Trotz des Schweregrads der Verletzung wurden diese Kinder früher aus dem Krankenhaus entlassen und blieben weniger Tage der Schule fern als die übrigen Patienten.

DeMatteo betont, dass bei der gefährlichen Verharmlosung auch der Familie eine wichtige Rolle zukommt. Häufig betrachten die Eltern eine Gehirnerschütterung nicht als eigentliche Verletzung des Gehirns. Sie erlauben schon bald nach der Rückkehr aus der Klinik eine Wiederaufnahme der gewohnten Aktivitäten. Nach Einschätzung der Forscher erhöht dies jedoch das Risiko einer zweiten Gehirnverletzung, und die Gefahr steige an, dass sich die schulische Leistung der Kinder verschlechtert.

Da der Begriff „Gehirnerschütterung” medizinisch nicht klar festgelegt ist, plädieren die Wissenschaftler dafür, dass in den Krankenhäusern präzisere Ausdrücke für Gehirnverletzungen benutzt werden. Die feste Definition würde außerdem dazu führen, dass auch Laien den Sachverhalt besser verstehen: Eltern könnten so spezifischer auf die Situation ihrer Kinder eingehen.
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