Mönchengladbach/Hamburg - Wenn Milch krank macht: Mit Laktose-Unverträglichkeit klarkommen

Wenn Milch krank macht: Mit Laktose-Unverträglichkeit klarkommen

Von: Julia Ranniko, dpa
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Milchtrinken/Glas/Milch/Laktose
Milchtrinken ist für manche Menschen ein Problem: Bei ihnen ist das Enzym Laktase ist nicht ausreichend vorhanden. Foto: dpa

Mönchengladbach/Hamburg. Es kann ein Milchkaffee sein, der den Magen in Aufruhr versetzt, ein Schokopudding oder ein Eisbecher mit Sahne. Der Bauch fängt an zu grummeln, der Darm grollt, häufig sind Durchfall oder Blähungen die Folge.

„Manche fühlen sich so aufgebläht, als seien sie im fünften oder sechsten Monat schwanger”, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund in Mönchengladbach. Der Übeltäter: Milchzucker, auch Laktose genannt. Denn wer eine sogenannte Laktose-Intoleranz hat, verträgt keinen Milchzucker.

Rund 15 Prozent der Menschen in Deutschland leiden Schätzungen zufolge an einer solchen Verdauungsstörung. Ursache ist ein Enzymmangel: Das Enzym Laktase ist nicht ausreichend vorhanden, um die Laktose in ihre beiden Zuckerbestandteile Glukose und Galaktose zu spalten. Ein Teil des Milchzuckers wandert daher unverändert in den Dickdarm und verursacht Beschwerden: Dort angesiedelte Bakterien bauen die Laktose zu Stoffen ab, die den Darm peinigen.

Krampfartige Bauchschmerzen, Darmgeräusche, Durchfall, Verstopfung: Die Symptome für eine Milchzucker-Unverträglichkeit sind oft diffus. „Das ist das Verrückte daran - eine Diagnose läuft häufig darauf hinaus, dass wir andere Erkrankungen ausschließen”, berichtet die Allgemeinärztin Claudia Stern aus Hamburg. Seit einigen Jahren wird die Diagnose nach ihrer Einschätzung immer öfter gestellt - „aber nur, weil man stärker dafür sensibilisiert ist”.

Als beste Methode für das Erkennen einer Milchzucker-Unverträglichkeit gilt der sogenannte H2-Atemtest, erklärt die Ernährungsberaterin und Buchautorin Anne Kamp aus Neuenkirchen (Nordrhein-Westfalen). Der Patient muss eine Zuckerlösung trinken, und in Abständen von 20 Minuten wird dann mindestens zwei Stunden lang die Konzentration von Wasserstoff im Atem gemessen. Steigt der Wert deutlich an, ist ein Teil des Zuckers bis in den Dickdarm gelangt - ein klares Anzeichen für eine „Verwertungsstörung”. Bluttests gelten als nicht zuverlässig.

Die Ursache der Unverträglichkeit lässt sich bisher nicht heilen. Damit der Bauch nicht verrückt spielt, heißt es daher zunächst: Der Laktose-Gehalt im Essen muss so stark gedrosselt werden, dass keine Beschwerden mehr auftreten. „Bei manchen Menschen können selbst wenige Tropfen Milch in einem Milchkaffee das Fass zum Überlaufen bringen, viele vertragen aber geringe Mengen Laktose ganz gut”, sagt Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn. Weil Milch wichtige Nährstoffe - vor allem Kalzium, B-Vitamine und Spurenelemente - enthält, ist ein völliger Verzicht problematisch.

Die Industrie hat sich inzwischen auf die Erkrankung eingestellt und bietet immer mehr laktosearme Produkte an - ob Milch, Joghurt, Quark, Sahne, Käse oder Pudding. In laktosefreier Milch etwa ist noch genauso viel Kalzium wie in herkömmlicher Milch, der ursprünglich enthaltene Milchzucker aber wird bereits bei der Herstellung in Glukose und Galaktose gespalten. Weil sie isolierte Glukose - also Traubenzucker - enthält, schmeckt laktosefreie Milch etwas süßer.

Tückisch könne aber versteckte Laktose sein, warnt Keller. Denn Milchzucker kommt in einer Fülle von Produkten zum Einsatz, zum Beispiel als Bindemittel. Bei Tütensuppen oder Fertigprodukten sollten Betroffene daher immer einen Blick auf die Zutatenliste werfen. Auch Bäcker und Metzger müssen die Zutaten auf Anfrage nennen: „Dort sollte man nachfragen, ob in Brötchen oder Wurst Laktose vorhanden ist”, empfiehlt Lämmel. In Medikamenten können ebenfalls Spuren von Milchzucker vorkommen.

Sind die Beschwerden mit Hilfe der laktosearmen Kost abgeklungen, können Patienten ihre individuelle Toleranzgrenze herausfinden - am besten zusammen mit einem Arzt oder Ernährungsexperten. „Frische Milch hat den höchsten Laktosegehalt, Butter den geringsten”, erklärt Keller. „Bei allem dazwischen muss man ausprobieren, ob man es verträgt.” Meist führen Sauermilchprodukte, Butter und Hartkäse auch bei Menschen mit Laktose-Intoleranz nicht zu Problemen. Weil erst beim Reifungsprozess von Käse Milchzucker abgebaut wird, hat Weichkäse mehr Laktose. Und Achtung: Ziegen-, Stuten- oder Schafmilch enthalten ähnlich viel Laktose wie Kuhmilch.

Damit Restaurantbesuche oder Einladungen zum Essen nicht zur Qual werden, gibt es auch ein Hilfsmittel: Laktasehaltige Enzympräparate können die Aufnahme von laktosehaltigen Lebensmitteln erleichtern. Sie spalten den Milchzucker in seine Bestandteile - und übernehmen damit die Aufgabe des eigentlich im Körper produzierten Enzyms. Die Einnahme sollte in Absprache mit dem Arzt erfolgen. „Die Tabletten sind nicht leicht zu dosieren”, sagt die Medizinerin Stern. „Die Patienten tasten sich meist langsam heran, um zu wissen, wie es wirkt und wie viel sie brauchen.”

Die Zutatenliste genau anschauen

Hinter folgenden Begriffen auf der Zutatenliste von Produkten verbirgt sich Laktose: Laktose, Milchzucker, Magermilchpulver, Molkepulver, Molkereierzeugnisse und Trockenmilch.

Literatur: Christiane Schäfer, Anne Kamp: Köstlich essen: Fruktose, Laktose & Sorbit vermeiden, Trias, ISBN: 978-3-83043-460-3, 19,95 Euro.
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