Wenn ein Angehöriger partout nicht zum Arzt geht

Von: dapd
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Freiburg. Manche Leute schieben notwendige Arztbesuche Monate oder gar Jahre vor sich her. Für ihr Umfeld ist es oft schwierig, diese Verweigerung mitzuerleben.

„Die Entscheidung, ob man zum Arzt geht und sich einer Diagnose stellt, ist eine sehr persönliche”, betont allerdings der Freiburger Diplom-Psychologe Michael Ziegelmayer.

Der Experte empfiehlt Angehörigen, geduldig zu sein und den Kranken auf jeden Fall auf den notwendigen Arztbesuch anzusprechen. Man könne beispielsweise fragen: „Wäre es nicht gut, mit deinen Beschwerden mal zum Fachmann zu gehen? Wie lange willst du noch mit dieser Ungewissheit leben?” Zudem könne man dem Betroffenen erklären, welche Gefühle sein schlechter Zustand bei einem selbst auslöst, dass man sich Sorgen macht. „Trifft der Kranke aber die Entscheidung, dass er keine Behandlung möchte, dann muss man das respektieren”, betont Ziegelmayer.

Es gebe viele Gründe, weshalb jemand den Gang zum Fachmann scheut. „Bei manchen ist es vielleicht Bequemlichkeit. Andere wiederum haben Angst vor einer möglicherweise schlimmen Diagnose”, sagt Michael Ziegelmayer. Manche Kranke bevorzugten es auch, ihr Leben ohne Therapien und Krankenhausaufenthalte weiterzuleben, bis es nicht mehr geht.

Manche Erkrankungen - beispielsweise Depressionen oder Alkoholsucht - wirken sich allerdings auch massiv auf das Leben der Angehörigen aus. Man sollte dem Betroffenen daher klar machen, dass auch sein Umfeld Wege finden muss, mit den Konsequenzen seiner Entscheidung gegen einen Arztbesuch zu leben. „Das kann beispielsweise bedeuten, dass sich der Partner des Kranken Räume sucht, in denen er nicht mit der Erkrankung konfrontiert wird, oder dass man mal alleine in den Urlaub fährt”, sagt der Diplom-Psychologe. Es sei wichtig, dass die Angehörigen in dieser Situation auch auf ihr eigenes Wohlbefinden achten.
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