Wenn die lebenswichtige Sauerstoffpumpe leidet

Von: Sabine Rother
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Das EKG wird zeigen, ob es Probleme mit dem Herzen gibt. Gerade unter Belastung zeigt der Körper Reaktionen, die dem Arzt Hinweise liefern. Im Rahmen des AZ-Forums Medizin zum Thema „Das kranke Herz” werden Fragen zu Diagnostik und Therapie erläutert. Foto: Ralf Roeger/Friedrich Stark

Aachen. Kein anderes Organ hat in den Kulturen unserer Welt eine solche Bedeutung - und das seit Jahrtausenden: Das Herz versorgt den Körper des Menschen nicht nur mit lebenswichtigem Sauerstoff, es ist zudem ein wichtiges Symbol für Liebe, Seele und Gefühl. Wer sein Herz „verschenkt”, der hat jemanden „ins Herz geschlossen”.

Wer kein Mitleid hat, ist „hartherzig”. Ohne Herz geht nichts, wäre das Leben zu Ende. Denn von seiner Pumpleistung - rund 8000 Liter Blut pro Tag, die übrigens einen Tankwagen füllen könnten - sind alle Gefäße vom Gehirn bis zu den Füßen abhängig.

Probleme mit diesem Zentralorgan sind entsprechend einschneidend. „Das kranke Herz” steht im Mittelpunkt beim Forum Medizin von Aachener Zeitung und Universitätsklinikum Aachen am Dienstag, 6. April, um 18 Uhr im Großen Hörsaal 4 (GH4) des Klinikums Aachen (Pauwelsstraße). Sechs Experten sprechen über Diagnostik und Therapien, aber auch über Risikofaktoren.

So verdoppelt das Rauchen tatsächlich das Risiko einer Schädigung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) und damit für den Herzinfarkt.

Welche Experten sind dabei?

Rat und Auskunft geben an diesem Abend
- Prof. Dr. Rüdiger Autschbach, Direktor der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Aachen
- Prof. Dr. Nikolaus Marx, Direktor der Medizinischen Klinik I (Kardiologie, Pneumologie, Angiologie), Universitätsklinikum Aachen
- Sven Teusen, niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin in Monschau
- Ulla Bendel, Diplom-Sportlehrerin, Leiterin von Herzsportgruppen beim Post- und Telekomsportverein in Aachen
- Dr. Erik Skobel, Facharzt für Innere Medizin (Kardiologie) in der Reha-Klinik „An der Rosenquelle” in Aachen
- Prof. Dr. Uwe Janssens, Chefarzt der Abteilung Innere Medizin am St. Antonius-Hospital in Eschweiler.

Was sorgt für eine fortschreitende Schädigung des Herzens?

Viele Faktoren, die dem Organ zusetzen, lassen sich beeinflussen, wie Teusen seine Patienten immer wieder warnt. „Der Blutdruck muss richtig eingestellt sein, Übergewicht und Bewegungsmangel schädigen das Herz, aber auch Nikotin, Alkoholmissbrauch, erhöhte Blutfette, Stress und Diabetes.” Selbst die familiäre Belastung kann eine Rolle spielen.

Besteht auch nur ein Verdacht auf Herzinfarkt, muss der Notarzt gerufen werden, der schon vor Ort ein EKG macht und die Klinik informiert”, betont Marx. „Im Idealfall kann im Herzkatheterlabor das verschlossene Gefäß schnell wiedereröffnet werden.”

Nicht immer treten typische Symptome wie der Schmerz im linken Arm auf. Manchmal leiden Patienten unter Bauchschmerz und Luftnot, besonders ältere Menschen und Diabetiker können betroffen sein.

Wie kann man einen „stummen Infarkt” nachweisen?

Ein Bluttest kann anzeigen, ob ein „stummer Infarkt” stattgefunden hat. „Beim Untergang von Zellen finden sich als Marker die Herzmuskelproteine Troponin I und Troponin T im Blut, das kann man nachweisen”, versichert Teusen.

Oft sind es die Herzklappen, die aufgrund degenerativer Veränderungen Schwächen zeigen. Wird der Blutstrom behindert, kommt es zu Rückfluss und Stau, leidet die Sauerstoffversorgung des Körpers, und der Herzschlag wird unregelmäßig. „Viele Patienten spüren bei Anstrengung Luftnot”, beschreibt Autschbach erste Anzeichen.

„Veränderungen der Herzklappen werden manchmal von rheumatischem Fieber und von bestimmten Medikamenten verursacht.” Erste Anzeichen werden nicht selten ignoriert: „Typisch sind ein plötzlicher Knick in der Leistungsfähigkeit oder eine Ohnmacht”, erklärt Janssens. „Wir haben mit dem Ultraschall gute diagnostische Möglichkeiten, über die Speiseröhre können wir auch das hintere Herz untersuchen.” Kommt es zum Herzschmerz, kann der Herzmuskel betroffen sein, der sich entzündet und unter Sauerstoffmangel leidet.

Was tun, wenn die Herzklappen defekt sind?

Die Hilfen für angegriffene Herzklappen sind vielfältig. Sie reichen von der „Reparation” der körpereigenen Herzklappe bis zum Herzklappenersatz durch mechanische oder biologische Prothesen. „Die künstlichen Herzklappe unterliegt keinem Verschleiß, aber es können sich Gerinnsel bilden, der Patient muss lebenslang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen”, erklärt Autschbach.

Biologische Herzklappen (vom Schwein oder „Pericard” aus dem Rinderherzbeutel) können sich dem Blutfluss im Herzen anpassen und bleiben meist von Gerinnseln verschont, doch sie sind nur begrenzt haltbar. Operationstechnisch hat man gute Erfahrungen mit minimalinvasiven Methoden, bei denen Herzchirurg und Kardiologe gemeinsam den Klappenersatz per Katheter über die Arterie in der Leistenbeuge oder über die Herzspitze einsetzen, wobei ein kleiner Schnitt im seitlichen Brustkorn genügt. „Verfahren, mit denen wir jetzt auch Hochrisikopatienten helfen können, die wir früher nicht mehr operiert haben, weil sie sehr alt waren, eine eingeschränkte Lungenfunktion oder weitere Erkrankungen hatten.”

Sie profitieren noch immer von Herzschrittmachern oder implantierten Defibrillatoren, die automatisch Impulse liefern, wenn Herzrhythmusstörungen auftreten. „Herztransplantationen sind relativ selten, es fehlen ja auch die Spenderorgane”, berichtet Autschbach, der jedoch mit der künstlichen Herzpumpe - gleichfalls einem Implantat - gute Erfahrungen hat.

Welchen Stellenwert haben Bypass und Stent?

Rückläufig sind nach seinem Eindruck die Bypass-Operationen, bei denen die Engstelle in der Herzkranzarterie durch Umleitung aus körpereigenen Blutgefäßen beseitigt wird. Helfen kann auch der „Stent”, eine kleine, gitterförmige Gefäßstütze, die bei der Aufdehnung von verengten Herzkranzgefäßen eingesetzt wird. „Die Versorgung durch Stents ist inzwischen sehr gut geworden und ersetzt häufig den Bypass”, meint Autschbach.

Doch wer Herzprobleme überwinden will, muss auch selbst etwas tun: „Reha-Maßnahmen bestehen unter anderem darin, ein neues Bewusstsein zu schaffen. Der Herzkranke muss wissen, was für ihn gut und schlecht ist”, erklärt Skobel. „Allein schon regelmäßige Bewegung hat die Wirkung eines Medikaments. Wir wollen auch die Ängste abbauen, die jeder Mensch hat, der einmal einen Infarkt überstanden hat.”

Um Lebenswert und die Erfahrung, dass auch andere Menschen betroffen sind, geht es in Herzsportgruppen. „Ein spezielles Trainingsprogramm sorgt dafür, dass das Herz entlastet wird”, versichert Ulla Brendel. Sie hat mehrere Faktoren im Blick: „Das Ausdauertraining ist sehr wichtig”, betont sie. „Aber Spiel und Spaß müssen auch sein. Die soziale Komponente und die Verknüpfung mit dem alltäglichen Leben sind Ziele beim Herzsport.” Aber: „Nach einer Reha nutzen nur 15 Prozent der Herzpatienten dieses Angebot...”

Vom Ratgeber bis zur Herzstiftung

Gute Informationen unter anderem in: Harald Klepzig/Eve-Brigitte Klepzig: Herzerkrankungen. 220 Seiten, Trias Verlag Stuttgart, 17.95 Euro. ISBN: 3-8304-3018-3 (Patientenbuch der Deutschen Herzstiftung)

Hilfreiche Adressen: Deutsche Herzstiftung, Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt am Main. Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Achenbachstraße 43, 40237 Düsseldorf, 0211 600-6920
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