Wenn die Brust plötzlich schmerzt: Angina pectoris erkennen

Von: Nina C. Zimmermann, dpa
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Betablocker, ASS und Nitrospray: Patienten mit einer sogenannten stabilen Angina pectoris sind dauerhaft auf Medikamente angewiesen. Foto: dpa

Bad Nauheim. Ein Schmerz direkt hinter dem Brustbein - das kann nicht das Herz sein, denkt der Laie. Die Pumpe sitzt doch schließlich links. Eine fatale Annahme. Häufig vermuten Betroffene ihre Bronchien hinter den Brustschmerzen - tatsächlich sei es aber das Herz, sagt Prof. Helmut Gohlke von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Bad Nauheim.

So macht sich zum Beispiel Angina pectoris mit Beschwerden mitten in der Brust bemerkbar.

Diese Herzkrankheit wird durch verengte Herzkranzgefäße hervorgerufen. Wird sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sie zum Infarkt und häufig sogar zum Tod führen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor Todesursache Nummer eins in Deutschland: Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes lag im Jahr 2008 bei mehr als 43 Prozent aller Verstorbenen eine solche Erkrankung vor. Bei Über-65-Jährigen waren es sogar 91 Prozent.

Trotzdem ignorierten viele Angina-pectoris-Patienten ihre Beschwerden und sagten sich: „Das wird schon wieder weggehen”, beklagt Benny Levenson vom Berufsverband Niedergelassener Kardiologen in München im Vorfeld des Weltherztages am Sonntag, 27. September.

Welche Symptome verursacht die Angina pectoris?

Der Schmerz hinter dem Brustbein strahlt meist in den Hals, den oberen Bauch und den linken Arm aus. Typisch sei die Beschreibung eines dumpfen, beklemmenden Engegefühls, erklärt Prof. Christian Hamm, Beiratsmitglied der Deutschen Herzstiftung in Frankfurt/Main. Bei Frauen sind die Symptome unspezifischer als bei Männern: Sie klagen häufig nur über Luftknappheit. Allen gemein ist, dass der Schmerz plötzlich und in Intervallen, nicht aber tagelang vorkommt.

Bei einer stabilen Form der Angina pectoris tritt der Schmerz in der Regel nur aus einer Belastung heraus auf - das kann körperliche Anstrengung oder auch Stress sein. „Bei Ruhe ist der Schmerz dann wieder weg”, erläutert Hamm.

Bei der weitaus gefährlicheren instabilen Form ist es umgekehrt: Der Schmerz kommt aus der Ruhe heraus. Hier besteht die Gefahr, dass bald ein Herzinfarkt folgt, also der komplette Verschluss eines Gefäßes. In diesem Fall sollte umgehend der Notarzt gerufen werden. Aber auch bei der vermeintlich stabilen Angina pectoris ist ein Arztbesuch unabdingbar.

Wer ist betroffen?

„Eine Angina pectoris bekommt fast jeder, bei dem das Sauerstoffangebot nicht mit dem Sauerstoffbedarf des Herzens übereinstimmt”, erklärt Levenson. Das bedeutet: Die Herzkranzgefäße sind aufgrund einer Arteriosklerose - der sogenannten Gefäßverkalkung - verengt und können das Herz nicht mit genügend Sauerstoff versorgen. Doch nicht jeder weiß, ob ihn das betrifft.

Wichtig ist daher, die Risikofaktoren zu kennen. Dazu gehört eine familiäre Vorbelastung. Wer einen Verwandten ersten Grades mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung hat, habe ein 30 Prozent höheres Risiko, selbst zu erkranken, sagt Gohlke. Sind mehrere Verwandte herzkrank, sei das Risiko sogar doppelt so hoch. Weitere riskante Faktoren sind ein hoher Cholesterinspiegel, erhöhter Blutdruck, Rauchen und vor allem eine Diabetes-Erkrankung.

Wie verläuft die Diagnose?

Am Anfang steht eine gründliche Aufnahme der Krankengeschichte. „Ein erfahrener Arzt kann daraus schon sehr viel schließen”, sagt Hamm. Da Brustschmerzen zum Beispiel auch von Bauch oder Wirbelsäule verursacht werden können, müsse der Arzt genau zuhören. Nach der Klärung der Risikofaktoren folgt in der Regel ein klassisches Belastungs-EKG. Das liefere aber nur eine 80-prozentige Genauigkeit.

„Daher macht man zusätzliche Untersuchungen, um herausfinden, ob Durchblutungsstörungen am Herzen vorliegen.” Das kann durch eine nuklearmedizinische Methode - eine sogenannte Szintigraphie -, eine Kernspintomographie oder ein Ultraschall unter Belastung geschehen. Manchmal sei auch noch eine Herzkatheteruntersuchung nötig, ergänzt Gohlke. Dadurch lasse sich ermitteln, wie umfangreich die Gefäßverengung ist.

Wie wird die Krankheit behandelt?

Bei einer stabilen Angina pectoris verordnet der Arzt ein Mittel mit Acetylsalicylsäure (ASS), um die Gerinnselbildung im Blut zu hemmen und so Gefäßverschlüssen vorzubeugen. Ein Betablocker soll helfen, die Herzarbeit ökonomischer zu machen: Er verlangsamt laut Levenson den Puls, senkt den Blutdruck ab und verbessert die Sauerstoffausbeute des Herzens.

Für einen akuten Anfall haben die Patienten meist außerdem ein nitroglycerinhaltiges Präparat dabei, das vorübergehend den Sauerstoffbedarf des Herzens senkt. Wichtiger sei aber, dass das verengte Gefäß aufgedehnt und das Herz künftig wieder gut durchblutet werde, fügt Gohlke hinzu.

Wie lässt sich vorbeugen?

Nichtraucher zu werden oder zu bleiben, sei die wichtigste Präventionsregel, sagt Prof. Christian Hamm von der Deutschen Herzstiftung in Frankfurt/Main. Wer es auch noch schafft, sein Übergewicht durch gesunde und ausgewogene Kost in den Griff zu kriegen und sich viel zu bewegen, ist bestens gewappnet.

Eine angeborene Fettstoffwechselstörung, etwa ein erhöhter Cholesterinspiegel trotz Normalgewicht und ausreichender Bewegung, oder ein hoher Blutdruck sollten vorbeugend mit Medikamenten behandelt werden. Der richtige Umgang mit Stress und gezielte Entspannung schütze das Herz zusätzlich.
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