Wenn der Pickel durch Knibbeln zum Krater wird

Von: dpa
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Nicht nur in jungen Jahren ein Problem - unreine Haut ist ein lebenslanges Problem und kann auch später zu Pickeln führen. Foto: dpa

Münster. Sie stehen stundenlang vor dem Spiegel und eliminieren jeden Pickel, jede noch so kleine Unreinheit auf der Haut. „Skin-Picker” knibbeln, kratzen und drücken immer wieder so lange an sich herum, bis der Mitesser zum blutenden Krater geworden ist und der Teufelskreis richtig an Schwung gewonnen hat.

„Der Leidensdruck ist enorm, die Scham hoch. Manche Betroffene trauen sich nicht mehr aus dem Haus”, sagte Birgit Mauler, leitende Psychologin an der privaten Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster, im Gespräch mit der dpa. Frauen seien häufiger betroffen als Männer, insgesamt rechne man mit fünf Prozent der Bevölkerung.

„Nicht jeder gelegentliche Nagelkauer hat ein Skin-Picking- Problem”, schränkte Mauler ein. Ob dies nur eine schlechte Angewohnheit oder doch eine zu behandelnde psychische Störung sei, richte sich nach den Auslösern der Knibbelattacken: „Das kann ein zu starker Ordnungsdrang sein - in den eigenen vier Wänden wie im Gesicht. Da kann ein Pickel großes Unwohlsein auslösen.”

Die Gründe könnten aber auch in einer sogenannten Dysmorphophobie liegen: „Daran leiden Menschen, die sich subjektiv hässlich fühlen, wofür objektiv aber keinerlei Anlass besteht”, sagte die Psychologin.

Neben Fingernägeln und Zähnen kämen oft auch Nadeln, Rasierklingen und Scheren zum Einsatz. Dabei sei grundsätzlich vom sogenannten „Ritzen” zu unterscheiden, an dem häufig Menschen mit einem sogenannten Borderline-Syndrom litten. Auch mit überhöhter Eitelkeit habe Skin-Picking nichts zu tun: „Skin-Picker sind oft sehr angespannt und empfinden die Manipulation der Haut als Möglichkeit, das hohe Standgas etwas runterzufahren”, sagte Mauler. Die Entspannung dauere nur kurz an: Die entstehenden Wunden lieferten wiederum Anlass zu neuem Stress und weiteren Bearbeitungen am eigenen Körper.

Der Schlüssel zu einer Verhaltensänderung liege in der Ursachenforschung. Die Psychologin erklärte: „Die Gründe sind individuell ganz unterschiedlich. Deshalb ist vor allem eine sehr intensive Diagnostik nötig.” In Übungen werde später trainiert, wie sich das Verhalten kontrollieren lasse und sich andere Möglichkeiten zur Entspannung finden ließen. „Erst wird es unangenehm, aber wenn ein Betroffener erst einmal auf seine Krankheit sensibilisiert ist und ihre Auslöser kennt, ist Skin Picking kein Schicksal, sondern überwindbar.”

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