Wenn das Auge zuschwillt: Wie es zu Gersten- oder Hagelkörnern kommt

Von: Aliki Nassoufis, dpa
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Wenn das Auge zuschwillt: Gersten- oder Hagelkörner
Zugluft ist ein Grund dafür, dass am Auge eine Entzündung entsteht - besonders Autofahrer sind im Sommer davon öfter betroffen. Foto: dpa

Düsseldorf. Es stört beim Sehen, beim Blinzeln, und es kann ziemlich weh tun: ein Gersten- oder ein Hagelkorn. Das ist eine Entzündung mit einer kleinen oder größeren Schwellung am Augenlid. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern drückt und schmerzt mitunter sehr. „Gersten- und Hagelkörner sind beides Entzündungen am Lidrand”, erklärt Georg Eckert vom Berufsverband der Augenärzte in Düsseldorf.

Allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: „Das Gerstenkorn ist eine akute, schmerzhafte Entzündung. Das Hagelkorn hingegen ist eine chronische Entzündung, die nicht immer schmerzhaft sein muss.”

Betroffen sind in beiden Fällen Talgdrüsen im Augenlid, wie der Augenarzt Uwe Kraffel aus Berlin erklärt. „Das Lid hat innen und außen zahlreiche Drüsen - darunter auch Talgdrüsen.” Diese sondern über Ausführungsgänge Talg ab und erfüllen damit am Auge wichtige Funktionen: „Der Talg hilft, die Wimpern einzufetten und stellt außerdem einen Teil der Tränenflüssigkeit dar.” Problematisch wird es allerdings unter anderem, wenn ein Ausführungsgang verstopft. Dann kann der Inhalt nicht mehr herausfließen - die Drüse entzündet sich.

Ein Gerstenkorn, in der Fachsprache Hordeolum genannt, entsteht meist durch Staphylokokken-Bakterien, die die Entzündung hervorrufen. „Eine häufige Ursache ist aber auch Zugluft”, sagt Kraffel. Gerade in den Sommermonaten treffe es daher besonders häufig Autofahrer, deren Auge Zug abbekommen und sich entzünden.

Als Behandlung wählen die Ärzte dann meist antibiotische Augentropfen oder Salben aus, sagt Eckert. Auch warme Umschläge könnten helfen. „Manchmal werden auch desinfizierende Substanzen gegeben, die zusammenziehend wirken, damit sich der Talgdrüsenausgang öffnet und der Inhalt abfließen kann”, ergänzt Kraffel. Innerhalb einer Woche ist das Gerstenkorn meist wieder weg.

Beim Hagelkorn, Chalazion genannt, sieht die Sache etwas anders aus: „Die Entzündung entwickelt sich über einen längeren Zeitraum und die Schwellung wird langsam größer”, sagt Elham Farvili, Fachärztin für Augenheilkunde an der Augenklinik am Neumarkt in Köln. Meist beginne das Hagelkorn als kleine Schwellung, die mit der Zeit größer wird und dann auch druckempfindlich werden kann.

„Eine medikamentöse Therapie ist nicht immer notwendig”, erläutert Farvili. Denn Hagelkörner werden nicht immer durch Bakterien verursacht, daher sind Antibiotika oft nicht notwendig. „Stattdessen klingt die Entzündung oft von alleine ab.” Das sei ähnlich wie ein eitriger Pickel, dessen Inhalt nach einer gewissen Zeit ohne weitere Behandlung von selbst herauskommt.

„Wenn die Entzündung allerdings nicht verschwindet, sind auch hier antibiotische Tropfen und Salben möglich”, sagt Farvili. „Und wenn sich das Korn in selteneren Fällen verkapselt, muss es operativ entfernt werden.” Das ist laut Kraffel allerdings nicht immer sofort möglich. „Durch die Entzündung muss man mit der Operation meist etwas warten. Am besten operiert man erst, wenn die Entzündung abgeklungen ist.”

Gersten- oder Hagelkorn bekommen Männer wie Frauen, Jüngere wie Ältere, berichtet Augenarzt Kraffel aus seiner Erfahrung. Außerdem treffe es eher Menschen, die Diabetes haben, und diejenigen, die unter Akne und unreiner Haut leiden. Manche hätten auch eine familiär bedingte Veranlagung zu den Knubbelchen am Lid. Und doch ist Vorbeugen möglich: „Wer Zugluft auf die Augen vermeidet, zum Beispiel bei Autofahrten oder durch Klimaanlagen, reduziert das Risiko, an einem Gerstenkorn zu erkranken”, sagt Kraffel.

Farvili empfiehlt außerdem besondere Hygiene. „Wer immer mal wieder ein Gersten- oder Hagelkorn hat, sollte seinen Augenbereich speziell pflegen.” Das treffe auch auf die Menschen zu, deren Wimpern leicht verkleben, die öfter eine Lidrandentzündung oder grundsätzlich trockene Augen haben. „Dann sollte man die Augenpartie morgens und abends gründlich waschen, zum Beispiel mit mildem Babyshampoo”, rät die Augenärztin. Außerdem sollte Make-up immer gut entfernt werden, damit keine Drüsen verkleben und sich entzünden können.

Hagelkorn an anderer Stelle

Wer einmal ein Hagelkorn hatte, hat damit möglicherweise nie wieder ein Problem - zumindest nicht an derselben Stelle. „Wenn eine Drüse verstopft und der Inhalt nicht abfließen kann, entsteht im Inneren ein Druck”, erklärt der Augenarzt Uwe Kraffel. „Durch diesen Druck wiederum können die Zellen absterben, die Talg produzieren, so dass die Drüse danach keinen Talg mehr produziert und sich gar nicht mehr entzündet.”
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