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Wellness mit Wasser: Kneipp-Kuren stärken Körper und Geist

Von: Wolfgang Duveneck, dpa
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Eintauchen und entspannen: Kneipp-Kuren umfassen viel mehr als nur die Wassertherapie - Armbäder sind trotzdem ein wichtiger Bestandteil: Sie erfrischen und stärken die Abwehrkräfte.

Bad Wörishofen. Fünf Dinge braucht der Mensch für ein gesundes Leben: gute Ernährung, körperliche Bewegung, innere Balance sowie die Heilkräfte von Kräutern und Wasser. Das ist das Prinzip, das Pfarrer Sebastian Kneipp schon vor 150 Jahren gepredigt und damit den Grundstein für ein ganzheitliches Gesundheitskonzept gelegt hat.

Es ist bis heute Vorbild einer regelrechten Bewegung. Mehr als 600 Kneipp-Vereine in Deutschland zählen rund 160 000 Mitglieder und sehen sich als größte private Gesundheitsorganisation. Aber ob Mitglied oder nicht: Unzählige Menschen nützen die Kneipp-Idee, um gesund zu bleiben und gesund zu werden.

„Viele verbinden Kneipp und Kneipp-Kuren allein mit Wassertreten und Güssen. Aber das ist längst nicht alles”, sagt Robert M. Bachmann, Allgemeinarzt und Experte für Naturheilverfahren in Bad Wörishofen im Allgäu. „Allerdings spielt die Wasser- oder Hydrotherapie, speziell die Hydrothermotherapie, eine sehr wichtige Rolle.” Durch gezielte Wasserreize solle der Körper zu einer positiven, heilungsfördernden Gegenreaktion angeregt werden. „Auch Organe sollen gezielt gestärkt oder entspannt werden.”

Wichtige Voraussetzung: „niemals eine kalte Anwendung auf eine kalte Haut”, betont der Mediziner. Notwendig sei stets gute Vorerwärmung durch Bewegung, warme Luft - zum Beispiel in der Sauna - oder warmes Wasser. „Zu kleine Reize bewirken dabei meist nichts, mittlere Reizstärken fachen die Selbstheilungskräfte an, übergroße Reize schaden”, warnt er. Regelmäßigkeit ohne Übertreibung gelte nicht nur bei der Wasseranwendung, sondern auch bei den Bewegungsempfehlungen.

„Runter vom Sofa, den PC ab in die Ecke und auf zu Kneipp!” lautet ein Slogan, mit dem zunehmend auch junge Leute für die Kneippsche Idee begeistert werden sollen. „Sebastian Kneipps Gesundheitskonzept ist einfach anzuwenden, kostengünstig und liegt in Sachen Wellness und Fitness voll im Trend”, sagt Birgit Rudolf von der Bundesgeschäftsstelle der Kneippjugend in Celle.

Die Liste der Erkrankungen, bei denen eine Kneipp-Kur nach Angaben des Verbandes Deutscher Kneippheilbäder und Kneippkurorte helfen kann, ist lang: Herz-Kreislaufstörungen, Erkrankungen der Atemwege, Reizmagen und -darm, nervöse Störungen wie Burnout, Venenleiden, Infektanfälligkeit, Arthrose oder Rheuma.

Ausdrücklich weisen die Experten aber auch darauf hin, dass die Kneipp-Therapie für verschiedene Krankheiten nicht geeignet ist. Das gelte für alle akuten schweren Infektionen wie Tuberkulose, schwere Niereninsuffizienz, Krebs im fortgeschrittenen Stadium, bei psychischer Verwirrtheit und schweren Depressionen, Morbus Basedow und bei Herzdekompensationen.

Die Kneipp-Therapie steht nach den Worten des Mediziners Bachmann keineswegs in Konkurrenz zur Schulmedizin, sondern bietet - wo immer es möglich ist - eine sinnvolle Ergänzung. Im Rahmen einer langjährigen wissenschaftlichen Studie mit den Daten von mehr als 2000 Klinik-Patienten hat der Spezialist für Naturheilverfahren die Effizienz der verschiedenen Kneippschen Therapien untersucht.

Hauptsächlich ging es dabei um schmerzhafte Erkrankungen des Bewegungsapparates, Verdauungs- und Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Kopfschmerzen und Schlafstörungen. Ergebnis: Der Gesundheitszustand der Patienten verbesserte sich zwischen Aufnahme und Entlassung um etwa 76 Prozent. „Besonders interessant ist, dass bei rund 58 Prozent der Patienten die überwiegend chemisch-synthetischen Arzneimittel reduziert oder abgesetzt werden konnten”, betont Bachmann.

Entstanden ist die Kneipp-Therapie, als der Priesterschüler Sebastian Kneipp (1821-1897) an Tuberkulose erkrankte, die damals als unheilbar galt. Nachdem er in der Münchner Hofbibliothek ein Buch über die „Heilkraft des frischen Wassers” entdeckt hatte, begann er sich nach erfolglosen Arztbesuchen selbst zu behandeln.

Mitten im Winter lief er täglich an die eiskalte Donau, zog sich nach einem kurzen Tauchbad schnell wieder an, bewegte sich und schwitzte so schließlich im Bett seiner Klosterschule die Krankheit aus. 1855 kam Kneipp als Seelsorger nach Wörishofen im Allgäu. Hier entwickelte er seine Original-Kneipp-Kur und machte das spätere Bad Wörishofen zum Zentrum eines der bekanntesten Naturheilverfahren der Welt.

Ob die Kosten für eine Kneipp-Kur von der Krankenkasse übernommen oder selbst getragen werden müssen, hängt von den individuellen Versicherungskonditionen ab. „Zuständig für die Verordnung einer Kneipp-Kur sind der Haus- oder Facharzt, der Betriebsarzt sowie die jeweilige Krankenkasse, mit der am besten vorab Art und Höhe der Kostenübernahme geklärt werden sollten”, rät der Verband der Kneippheilbäder und Kurorte.
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