Wechseljahre: Hormontherapie ist nicht ohne Risiko

Von: Melanie Löw, ddp
Letzte Aktualisierung:
Wechseljahre
Schweißperlen rinnen die Stirn herunter. Das Herz rast und die Hitze steigt in den Kopf. Das liegt nicht unbedingt an den sommerlichen Temperaturen - viele Frauen durchleben genau dieses Szenario in den Wechseljahren. Foto: ddp

Heidelberg/Regensburg. Schweißperlen rinnen die Stirn herunter. Das Herz rast und die Hitze steigt in den Kopf. Das liegt nicht unbedingt an den sommerlichen Temperaturen - viele Frauen durchleben genau dieses Szenario in den Wechseljahren. Sie leiden an Hitzewallungen, Schweißausbrüche oder sogar Haarausfall.

Es ist eine Zeit, in der sich der weibliche Körper umstellt: Die Östrogenproduktion geht zurück und das mit zahlreichen Begleiterscheinungen.

„Die Wechseljahre sind ein biologischer Prozess, eine Übergangsphase von einer weitgehend uneingeschränkten Produktivität der Eierstöcke hin zu der fast kompletten Einstellung der Östrogenproduktion”, erklärt Professor Olaf Ortmann, Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität Regensburg am Caritas-Krankenhaus St. Josef. Aufgrund des Östrogenmangels komme es zu Symptomen wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen.

„Bei manchen Frauen kann die Angst vor dem Verlust der Weiblichkeit sogar zu Depressivität führen”, erklärt der Regensburger Arzt, der auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe ist und die aktuelle Leitlinie zur Hormontherapie in und nach den Wechseljahren koordiniert hat. Weitere Symptome, die manchmal mit den Wechseljahren einhergingen, seien Herzrhythmusstörungen und Nervosität.

„In der Regel kommen Frauen im Alter von 51 oder 52 Jahren in die Menopause. Drei bis vier Jahre davor, im Durchschnitt mit etwa 47 Jahren, treten die ersten Beschwerden auf”, berichtet Professor Thomas Strowitzki, Ärztlicher Direktor der Abteilung Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen der Universitäts-Frauenklinik in Heidelberg.

Dabei äußerten sich die Symptome des sogenannten klimakterischen Syndroms von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Hätten einige mit enormen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, falle der Verlauf bei anderen deutlich milder aus. Ebenso gebe es Frauen, die relativ lange an den Wechseljahrsbeschwerden litten, bei anderen hingegen komme es bereits nach relativ kurzer Zeit zu einer spontanen Linderung.

Doch wie können Frauen den belastenden Begleiterscheinungen der Wechseljahre begegnen? „Leidet eine Frau stark an den Symptomen des klimakterischen Syndroms, eignet sich eine Hormontherapie”, sagt Strowitzki: „Fast alle Frauen verspüren nach Einnahme der Hormone bereits nach ein bis zwei Wochen eine deutliche Linderung.”

Durch die Hormongabe steige zwar das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken oder einen Schlaganfall beziehungsweise eine Thrombose zu erleiden. Studien konnten laut Strowitzki aber belegen, dass das relative Risiko deutlich geringer sei, als weithin angenommen.

So habe eine Studie beispielsweise zeigen können, dass von 1000 Frauen zwischen 50 und 70 Jahren, die sich keiner Hormontherapie unterzogen, 45 Frauen an Brustkrebs erkrankten. In der vergleichbaren Altersgruppe kam es bei Frauen, die fünf Jahre Hormone einnahmen, zu zwei zusätzlichen Erkrankungen, nach zehn Jahren Einnahme zu sechs zusätzlichen Erkrankungen.

„Eine Hormontherapie ist immer noch die beste Behandlungsmöglichkeit gegen Wechseljahrsbeschwerden”, bestätigt auch Professor Ortmann. Die Präparate könnten außerdem vor Harnwegsinfekten oder Osteoporose schützen. In jedem Fall rät der Regensburger Arzt betroffenen Frauen zu einer genauen Risiko-Nutzen-Analyse und einem beratenden Gespräch mit ihrem Gynäkologen, um so zu einer individuellen und differenzierten Entscheidung zu gelangen.

Wer keine Hormone nehmen möchte, findet in der Apotheke verschiedene Mittel, die meist Pflanzenwirkstoffe enthalten. „Es gibt eine Reihe von Präparaten. Hier sind insbesondere Phytoöstrogene-Präparate, die Isoflavone aus Sojapflanzen enthalten, sowie Traubensilberkerze-Präparate zu nennen”, erläutert Strowitzki.

Allerdings gebe es keine Erhebungen zur Wirksamkeit dieser Produkte. Die Isoflavone der Sojaprodukte besäßen beispielsweise eine schwache Wirkung und eigneten sich daher hauptsächlich für Frauen mit leichten Befindlichkeiten. Für Frauen, die stark unter den Folgen des klimakterischen Syndroms leiden, seien diese Präparate keine wirkliche Alternative. „Wir wissen nicht, ob diese pflanzlichen Präparate sicher sind und ob sie beispielsweise Brustkrebs auslösen können”, gibt Ortmann zu bedenken.

Frauen könnten aber auch selbst aktiv werden, um die Beschwerden etwas zu abzuschwächen, sagt Strowitzki: „Ich empfehle Patientinnen oft eine Lebensumstellung. Hilfreich sind lockere Kleidung, viel körperliche Bewegung und gesunde Ernährung.” Das sei gut für die Knochen und für das Kreislaufsystem, was wiederum helfen könne, die Wechseljahrsbeschwerden besser zu verarbeiten.

Ähnlich sieht es auch Professor Ortmann: „Es gibt eine Reihe von Verhaltensregeln, wie nachts nicht in zu heißen Räumen zu schlafen, im Sommer leichte Kleidung zu tragen oder den Konsum von Alkohol und Nikotin zu minimieren.”

Fernerhin könnten auch Meditations- und Entspannungsübungen wie Yoga helfen, besser mit den Beschwerden zurechtzukommen. Und auch in der Akupunktur sieht Ortmann eine weitere Alternative. So hätten Studien in den vergangenen Jahren belegen können, dass Akupunktur ein probates Mittel im Kampf gegen die Wechseljahrsbeschwerden sei.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert