Was man(n) gegen Impotenz tun kann

Von: Melanie Löw, ddp
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Der Klassike unter den Potenzmitteln: Sildenafil, in Deutschland bekannt unter dem Handelsnamen Viagra. Der Wirkstoff bewirkt einen verlangsamten venösen Rückfluss des Bluts aus dem männlichen Schwellkörper. Fachleute warnen ausdrücklich vor preiswerten Viagra-Angeboten aus dem Internet. Diese seien fast immer Fälschungene und entweder wirkungslos oder sehr gefährlich. Foto: ddp

Münster. Es ist immer noch ein Tabuthema, das von vielen Betroffenen totgeschwiegen wird: Impotenz. Die meisten Männer wollen noch nicht einmal mit ihrer Partnerin über das Problem sprechen. In der Hoffnung auf schnelle Abhilfe - und ohne einen Fachmann zu Rate zu ziehen - greifen sie mitunter zu rezeptfreien pflanzlichen Mitteln.

Doch was bringen diese Präparate wirklich? Sind sie eine geeignete Alternative zu den chemisch hergestellten Präparaten? Fachleute sind da skeptisch.

Einige pflanzliche Mittel sind als Nahrungsergänzungsmittel frei im Handel erhältlich. „Studien, die eine Wirksamkeit belegen, gibt es bislang nicht”, sagt Christian Leiber, Oberarzt in der Urologie des Universitätsklinikums Freiburg. Ganz auszuschließen sei ein positiver Effekt pflanzlicher Potenzmittel bei Patienten mit leichten Erektionsstörungen dennoch nicht: „Hier gibt es eine gewisse Placebo-Ansprechrate, die bei mindestens 25 bis 30 Prozent der Patienten vorkommt”, räumt der Urologe ein, der auch im Vorstand des Informationszentrums für Sexualität und Gesundheit e.V. (ISG e.V.) ist. Handele es sich allerdings um mittelschwere oder sogar schwere Erektionsstörungen, könne der Nutzen pflanzlicher Mittel stark bezweifelt werden.

Und verschreibungspflichtige Naturheilmittel hätten nur eine sehr geringe Wirkung. Sie könnten mit den chemisch hergestellten Präparaten nicht mithalten, urteilt der Fachmann. Yohimbin beispielsweise, das aus der Rinde des Yohimbebaums gewonnen wird und in Afrika seit Jahrhunderten als Potenzmittel gilt, habe laut Leiber eine 10- bis 20-mal schwächere Wirkung als die seit Jahren hierzulande etablierten chemischen Potenzmittel. Zweifel, dass Naturheilmittel tatsächlich eine Potenzstörung beheben, seien also angebracht.

In jedem Fall rät der Urologe betroffenen Männern, einen Arzt zu kontaktieren und die Ursache der Impotenz abklären zu lassen: „Potenzprobleme können ein Warnsignal des Körpers sein. Eventuell liegt bei dem Patient eine Gefäßstörung vor, die dringend behandelt werden muss.” Den Arzt aufzusuchen und nach den Ursachen der Erektionsstörung zu suchen, empfiehlt auch Professor Sabine Kliesch, Chefärztin der Klinischen Andrologie am Uniklinikum Münster und Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Urologie.

Neben Gefäßstörungen könnten noch ein Diabetes mellitus und Veränderungen der Nervenbahnen oder des Hormonspiegels von Bedeutung sein.

„Potenzstörungen können viele Ursachen haben”, betont Kliesch: „Stress, Rauchen, wenig Bewegung und ungesunde Ernährung wirken sich generell schlecht auf die Körperfunktion und somit auch auf die Potenz aus.” Leichte Störungen seien unter Umständen aber durch eine aktivere Lebensweise und mehr Bewegung wieder in den Griff zu bekommen, weiß die Ärztin. Christian Leiber ergänzt: „Sportliche Männer haben in der Regel einen höheren Hormonspiegel und im Allgemeinen weniger Probleme mit der Potenz als Männer, die es vorziehen, auf der Couch vor dem Fernseher zu sitzen und sich weniger zu bewegen.”

Im Durchschnitt dauere es zwei bis drei Jahre, bis ein Patient mit Potenzstörungen einen Arzt aufsuche, weiß Leiber. Urologin Kliesch hat die Erfahrung gemacht, dass sich Männer mit ihren Problemen beim Hausarzt oft falsch verstanden fühlten. „In Deutschland gibt es aber mittlerweile etwa 800 bis 1000 Andrologen, die sich auf diesem Gebiet gut auskennen.”

So sei es in jedem Fall besser, Erektionsstörungen bei einem Urologen oder einem Andrologen, also einem Spezialisten für männerspezifische Erkrankungen, abklären zu lassen. Laut Kliesch gibt es in Deutschland etwa acht Millionen Männer, deren Impotenz einer ärztlichen Behandlung bedarf. Dazu kämen etwa noch zwei- bis dreimal so viele Männer, die Potenzprobleme hätten, die sich aber dadurch nicht oder wenig eingeschränkt fühlten.

Für sehr fragwürdig und durchaus problematisch hält Leiber den Kauf von Potenzpillen im Internet, den viele Betroffene aus Gründen der Anonymität bevorzugten. Hier fänden Interessenten eine Fülle von Mitteln, die alles Mögliche versprechen. Der Käufer habe aber absolut keine Kontrolle über die Herkunft, noch über den Inhalt des erstandenen Produkts. „In manchen Präparaten wurden schon Bleirückstände nachgewiesen oder bei Viagra-Fälschungen konnte eine doppelte Dosis festgestellt werden, die fatale Folgen für die Gesundheit haben kann”, erzählt der Oberarzt.

Zudem sei der freie Kauf von verschreibungspflichtigen Medikamenten im Internet illegal: „Viagra gibt es nicht ohne Rezept”, sagt Leiber. „Die Potenzmittel sind nicht ohne Grund verschreibungspflichtig”, weiß auch Sabine Kliesch. „So können manche Potenzmittel nicht mit bestimmten Herz-Kreislauf-Medikamenten kombiniert werden und auch bei HIV-Patienten kann es Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen geben.”

Statt einfach zu pflanzlichen Potenzmittel oder zu dubiosen Potenzpillen aus dem Internet zu greifen, sollten Betroffene ihre Hemmschwelle überwinden, in einem ersten Schritt mit dem Partner über das Problem sprechen, die Gründe der Potenzstörung abklären lassen und sich eventuell auch mit anderen Betroffenen austauschen.

Potenzmittel: Weiterführende Informationen

Das Zentrum für Partnerschaft und sexuelle Gesundheit in Hannover bietet Informationen zum Thema Impotenz. Hier gibt es eine wöchentliche Telefonberatung. Nähere Informationen findet man unter http://www.zpsg.de (Rubrik „Kontakt”). Hilfe bei der Suche nach einem Urologen gibt es unter http://www.urologenportal.de. Zudem finden Interessierte hier ein Lexikon, das zahlreiche medizinische Fachbegriffe erklärt, und eine Online-Sprechstunde, bei der häufige Patientenfragen beantwortet werden.

Bücher zum Thema:

Werner Esser: „Potenz aus Natur und Apotheke. Ein Buch für Männer und alle, die Männer lieben”, Books on Demand, 2002, 12,95 Euro, ISBN: 978-3831138241

Mens Health: „VigorRobic - Potenter durch gezieltes Fitnesstraining - Übungen und Trainingsprogramme zum Erhalt und zur Steigerung der männlichen Sexualität”, Meyer & Meyer Verlag, 2004, 16,95 Euro, ISBN: 978-3898994026

Ute Michaelis: „Beckenbodentraining für Männer. Urininkontinez und Erektionsstörungen mindern und überwinden”, Urban & Fischer, 2006, 14,95 Euro, ISBN: 978-3437451874.

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