Was den Schlaf geräuschempfindlich macht

Von: ddp
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Cambridge. Manche Menschen wachen bereits vom Geräusch einer raschelnden Maus auf, andere weckt nicht einmal der Lärm eines Düsenflugzeugs. Einen Faktor hinter diesem unterschiedlichen Schlafverhalten haben nun US-Wissenschaftler entdeckt

Ein spezielles Muster bei der Gehirnaktivität schlafender Menschen spielt dabei eine wichtige Rolle - die sogenannten Schlafspindeln. Je häufiger das Gehirn diese charakteristische Aktivität zeigt, desto besser kann es störende Geräusche ausblenden.

„Durch das Messen der Gehirnströme konnten wir sehr genau erkennen, wie das Gehirn es schafft, negative Geräusche zu blockieren”, sagt Studienautor Jeffrey Ellenbogen von der Harvard Medical School in Boston. Die Forscher wollen zukünftig herausfinden, wie sich die Häufigkeit von Schlafspindeln beeinflussen lässt und damit die Schlafqualität bei Geräuschbelastungen. Über ihre Ergebnisse berichten sie im Fachmagazin „Current Biology” (Onlinevorabveröffentlichung, doi: 10.1016/j.cub.2010.06.032).

Drei Nächte verbrachten zwölf Probanden im Schlaflabor. Die erste Nacht war ruhig, die beiden darauffolgenden waren hingegen geräuschvoll. Jede Nacht maßen die Wissenschaftler mit Hilfe der Elektroenzephalographie die Gehirnaktivität. Diese Methode zeichnet die elektrischen Gehirnströme auf. Daraus lassen sich wiederum die natürlichen Spannungsschwankungen der Gehirnrinde ableiten. Mit unterschiedlichen Geräuschen versuchten die Forscher, den Schlaf der Probanden zu stören: Straßen- oder Fluglärm, Telefonklingeln, Gespräche oder typische Krankenhausgeräusche. Immer für zehn Sekunden spielten sie ein Ton-Muster ein, 30 Sekunden später folgte das nächste - mit jeweils 40 Dezibel, was der Lautstärke leiser Musik entspricht.

Die Auswertung überraschte die Forscher: „Der Effekt der Schlafspindeln war so eindeutig, dass wir ihn schon in der ersten Nacht erkannt haben.” Diese Schlafspindeln entsprechen kurzen Phasen schnellerer Gehirnströme, die in der grafischen Darstellung bei der Elektroenzephalographie aussehen wie Spindeln. Ausgelöst werden diese Muster von einem Teil des Zwischenhirns, der für fast alle Sinneswahrnehmungen verantwortlich ist, dem Thalamus. „Wir gehen davon aus, dass der Thalamus die Störgeräusche daran hindert, in Bereiche des Gehirns zu gelangen, in denen sie wahrgenommen werden”, sagt Ellenbogen. Das Kennzeichen für diese Blockade sind wiederum die Schlafspindeln: Eine höhere Anzahl Schlafspindeln bedeutet stabileren Schlaf.

Diese Ergebnisse könnten der Entwicklung von Medikamenten oder Hilfsmitteln dienen, die dem Gehirn helfen, die Anzahl der Schlafspindeln zu erhöhen. Solche Verbesserungen seien in unserer immer lauter werdenden Zeit von großer Bedeutung, betonen die Wissenschaftler. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei Krankenhäusern mit einer Vielzahl an notwendigen Geräuschen. Bis zur Einführung einer technischen Unterstützung sind jedoch noch weitere Untersuchungen nötig. In der Zwischenzeit bleibt den Forschern zufolge eine altbewährte Reaktion auf nächtliche Ruhestörung weiter angesagt: „Psssst, Ruhe!”. Einen letzten Tipp haben die Schlafforscher: „Wer ein eingeschaltetes Radio oder einen Fernseher zum Einschlafen benötigt, sollte einen Zeitschalter verwenden.” Denn die Ergebnisse der aktuellen Studie haben auch gezeigt: Selbst wenn es der Betroffene nicht merkt, verschlechtern solche Geräusche den Schlaf nachhaltig.
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