Warum schnarcht man auf der Seite liegend weniger?

Von: Kathrin Bernard, dapd
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Schnarchen
Schnarchen ist ein nervtötendes, aber leider weit verbreitetes Phänomen. Foto: dpa

Düsseldorf. Schnarchen ist ein nervtötendes, aber leider weit verbreitetes Phänomen. Wer nachts das Zimmer mit einem Schnarcher teilen muss, weiß, dass einem dies im Extremfall für Stunden den Schlaf rauben kann.

Doch was steckt eigentlich hinter dem Geräusch und warum wird das Schnarchen meist deutlich leiser, wenn der Schlafende sich auf die Seite dreht? „Das eigentliche Schnarchgeräusch entsteht durch den Atemstrom, der das Gaumensegel vibrieren lässt.

Es flattert dann wie eine Fahne im Wind”, erklärt Rainer Frerich. Der Düsseldorfer HNO-Arzt veranstaltet Symposien zum Thema Schlaf und hat sich in seiner Arbeit unter anderem auf das Schnarchen spezialisiert. Doch warum ist beim Schnarchen die Position des Schläfers von Bedeutung? Dies hat mit der Zunge zu tun, einem Muskel, erklärt der Mediziner. Da Muskeln sich im Schlaf entspannen und erschlaffen, rutsche die Zunge beim Schlafen nach hinten, in Richtung des sogenannten Gaumenbogens, und verstopfe diesen. Je enger der Luftkanal wird, durch den der Atem am Gaumensegel vorbeigepresst wird, desto stärker wird dieses in Vibration versetzt - und desto lauter wird auch das Schnarchen.

Wenn sich der Schnarcher auf die Seite legt, wird der Gaumenbogen weniger stark durch die Zunge verstopft und das Gaumensegel schwingt weniger stark, womit die Lautstärke sinkt. „Es ist ein ähnliches Prinzip wie bei der stabilen Seitenlage, die jeder, der einen Führerschein hat, einmal lernen musste”, erklärt Frerich. Wenn man den Bewusstlosen auf die Seite lege, verhindere man ein Abrutschen der Zunge in den Rachen und somit ein Ersticken des Verletzten. In vielen, wenngleich nicht allen Fällen könne diese Lageveränderung das Schnarchen verhindern oder zumindest abmildern.

Lässt das Schnarchgeräusch nach, ist dies eine Erholung für den Mitschläfer. Aber auch für den Schnarchenden bleibt das laute Sägen nicht ohne Folgen: „Oft klagen Patienten über Müdigkeit. Sie fühlen sich morgens nicht erholt, wachen nachts auf, weil sie einen trockenen Mund haben und etwas trinken müssen”, sagt Frerich. Doch damit nicht genug. Nach jahrelangem intensivem Schnarchen kann das Gaumenzäpfchen durch die nächtliche Beanspruchung auch länger werden, was etwa zu morgendlichen Schmerzen beim Schlucken führen kann. Frerich fasst es so zusammen: „Das Ausleihern des Zäpfchens kann man sich vorstellen wie den Teig eines Pizzabäckers.

Der wird gewirbelt und gedehnt, bis er die richtige Größe hat.” Hat das Zäpfchen eine gewisse Größe erreicht oder ist es von Natur aus groß geraten, kann operativ eingegriffen werden. Ob dies jedoch Abhilfe schafft, ist nicht garantiert.

Das Schnarchen ist in der Regel eine nervige, aber harmlose Angelegenheit. Allerdings nicht immer: Denn zum Problem kann das nächtliche Sägen werden, wenn es nicht nur - wie in 90 Prozent der Fälle - auf dem Flattern des Gaumenzäpfchens beruht, sondern auf der sogenannten Schlafapnoe. Denn dann sei das Schnarchen eher ein Nach-Luft-Schnappen, eine lebensrettende Weckreaktion des Organismus, die das Gehirn kurz vor dem Ersticken hervorrufe. „Es kann wirklich zur gravierenden Unterversorgung des Gehirns kommen”, erklärt Frerich. Das Gehirn sende dann das Signal: Atme! Was zu einem plötzlichen, lauten Atemgeräusch mit vorhergehender Stille führe.

Als Folge der ständigen Atemaussetzer fühlen sich die Betroffenen nicht nur tagsüber wie zerschlagen, die Apnoe kann auch handfeste gesundheitliche Folgen auslösen. So fördert der nächtliche Atemstillstand Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, wie der Mediziner erklärt. Auch der Mitschläfer hat oft eine alles andere als entspannte Nacht: Für den Partner könne diese Art des ungesunden Schnarchens extrem belastend sein, da er oder sie ständig Angst, dass der Schlafende ersticken könnte.
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