Vorsorge für den Ernstfall: Was bei Patientenverfügungen wichtig ist

Von: Larissa Koch, dpa
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Eine Patientenverfügung sollte möglichst eindeutig sein. Denn nur dann können die Wünsche des Patienten auch umgesetzt werden. Foto: dpa

Hamburg. Eine schwere Erkrankung ist für die meisten nicht vorauszusehen. Dennoch sollte man Vorkehrungen treffen, damit im Ernstfall Ärzte und Angehörige erfahren, ob man bestimmte Behandlungen wünscht oder ablehnt. „Zunächst muss ein Arzt immer das Leben verlängern”, sagt Christoph Kranich, Patientenberater von der Verbraucherzentrale Hamburg.

„Wenn jemand per Patientenverfügung jedoch eine andere Priorität wählt, dann muss der Arzt dies berücksichtigen und ist an die Erklärung gebunden.”

Allerdings muss die Patientenverfügung unmissverständlich sein. Und genau hier liegt das Problem, wie Alfred Simon, Leiter der Akademie für Ethik in der Medizin in Göttingen, erklärt: „Die meisten Formulare für Patientenverfügungen sind nicht eindeutig. Es gibt fast immer Klärungsbedarf, was sie im Einzelnen bedeutet. Nur bei einer klaren Verfügung kann der Arzt auf dieser Grundlage allein entscheiden”, sagt Simon.

Sätze wie „Ich möchte nicht an medizinische Apparate angeschlossen werden” oder „Ich möchte in Würde sterben”, sind nicht eindeutig und daher nicht rechtsgültig, betont Kranich. „Was genau jeder Einzelne darunter versteht, kann sehr unterschiedlich sein”, begründet er. Die Verbraucherzentrale rät deshalb von Vordrucken gänzlich ab. „Den Text sollte jeder selbst schreiben. Je klarer ist, dass die Formulierungen von einem persönlich stammen, desto eindeutiger ist die Verfügung für die behandelnden Ärzte.”

Aber wer gesund ist, dürfte erhebliche Probleme haben, schwerwiegende Entscheidungen etwa über lebensverlängernde Maßnahmen schon jetzt zu treffen. Wenn jemand bereits schwer krank ist und weiß, welche Gefahren damit verbunden sind, kann er dagegen leichter konkrete Wünsche über die medizinische Behandlung äußern.

Wiebke Cornelius von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland in Rostock rät kranken wie gesunden Menschen zu einer anderen Form der Vorsorge. „Wir halten die Patientenverfügung nicht für das wichtigste Dokument. Wichtiger ist, eine Vorsorgevollmacht zu haben. Denn man benötigt die rechtliche Grundlage, um Dinge regeln zu können, wenn die erkrankte Person das nicht mehr allein kann”, erklärt die Beraterin. Die Patientenverfügung ist dagegen allein auf Gesundheitsangelegenheiten beschränkt.

Bei einem Verlust der Urteilsfähigkeit benötigt man jedoch auch für alle anderen Bereiche Hilfe, etwa für die Regelung der persönlichen Finanzen. „Die Tatsache, dass man eng verwandt ist, genügt nämlich nicht, um für den Erkrankten die Entscheidungen zu treffen”, warnt Cornelius. Dies sei ein weit verbreiteter Irrglaube.

Liegt zum Beispiel der Ehepartner im Koma, benötigt man eine Vollmacht, um über dessen Angelegenheiten entscheiden zu dürfen. Hat der Angehörige diese nicht erteilt, wird vom Gericht ein gesetzlicher Betreuer beauftragt. Dies kann zwar der Ehepartner oder ein anderes Familienmitglied sein, jedoch stehen regelmäßige Kontrollen an. Der Betreuer muss dem Gericht Rechenschaft ablegen.

Patientenberaterin Cornelius rät daher, frühzeitig einen engen Vertrauten zu bevollmächtigen, um eine gesetzliche Betreuung zu vermeiden. Dabei sollten unbedingt die Gesundheitsangelegenheiten in die Vollmacht mit aufgenommen werden. Möglich ist auch, die Vorsorgevollmacht mit einer Patientenverfügung zu kombinieren.

Für Gesundheitsangelegenheiten sollte neben einer Vertrauensperson am besten auch der Hausarzt mit in die Überlegungen einbezogen werden, rät der Medizinethiker Simon. „Die Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht sollte kein Ersatz für eine Beratung mit dem Arzt sein. Patient, Arzt und Angehörige sollten frühzeitig miteinander ins Gespräch kommen.” Alle Inhalte über die pflegerische und ärztliche Versorgung werden dabei möglichst genau besprochen. „Sonst gibt es hinterher oft großen Interpretationsbedarf”, erklärt Simon.

Insbesondere die Patientenverfügung sollte alle zwei Jahre erneuert werden, damit sie nicht zu alt ist, etwa weil neue Diagnosen dazu kommen, empfehlen Verbraucherzentralen und die Unabhängige Patientenberatung. Sie muss in Schriftform vorliegen und unterschrieben sein. „Am besten man lässt die Erklärung zusätzlich von einem Zeugen, idealerweise dem Hausarzt, unterschreiben, der erklärt, dass man zum Zeitpunkt der Erstellung urteilsfähig war”, rät Verbraucherschützer Kranich.

Der Arzt sollte ein Exemplar der Patientenverfügung erhalten, ein weiteres eine Vertrauensperson, und ein drittes behält man selbst. Zum Notar muss man mit der Patientenverfügung nicht. Bei der Vorsorgevollmacht ist eine notarielle Beurkundung meist auch nicht nötig, es sei denn, die Vermögensvorsorge soll mitgeregelt werden.

Um einer Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht mehr Gewicht zu verleihen, kann man sie jedoch beglaubigen lassen. Für eine Gebühr von 10 Euro übernehmen das die Betreuungsbehörden. Je nach Bundesland sind sie bei den Gesundheitsämtern oder Sozialämtern zu finden.

Die drei Arten der Vorsorgeverfügung

Mit der Vorsorgevollmacht bevollmächtigen Patienten eine oder mehrere Vertrauenspersonen, sie zu vertreten, wenn sie selber nicht mehr entscheiden können. Mit der Betreuungsverfügung benennt man dem Gericht eine Person, die für den Fall, dass eine gesetzliche Betreuung eingerichtet werden muss, als Betreuer eingesetzt werden soll. Oder man legt seine Wünsche fest, die ein zukünftig eingesetzter Betreuer berücksichtigen soll. Die Patientenverfügung schließlich richtet sich vor allem an die behandelnden Ärzte, aber auch an Betreuer und Bevollmächtigte. Sie regelt die Art und Weise der erwünschten Behandlung. Die verschiedenen Verfügungen können getrennt oder kombiniert aufgesetzt werden.

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