Aachen - „Volkskrankheit Krebs”: Onkologe und Chirurg diskutieren in Aachen

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„Volkskrankheit Krebs”: Onkologe und Chirurg diskutieren in Aachen

Von: Sabine Rother
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Sie sind auf der Suche nach neuen Strategien und Therapieansätzen zur Behandlung von Krebs: (von rechts) Dominik Groß, Markus Gatzen, Carsten Krones, Tim Brümmendorf und Bazon Brock. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Auf der Suche nach veränderten Blickwinkeln geht die Medizinische Gesellschaft Dominik Groß einen konsequenten Weg, wobei das Thema ihrer aktuellen Veranstaltung „Volkskrankheit Krebs - Neue Strategien und Therapieansätze” den unkonventionellen Verlauf des Abends nicht unbedingt vorausahnen ließ.

Ist normalerweise das Universitätsklinikum Treffpunkt von Ärzten und interessierten Laien, gab es diesmal ein Gastspiel im Zentrum für Gesundheitsförderung der Katholischen Stiftung Marienhospital, wo Markus Gatzen, Chefarzt der dortigen Klinik für Innere Medizin und stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft, engagierte Experten begrüßen konnte - unter ihnen mit dem Ästhetik-Professor Bazon Brock (74), zuletzt Dekan der Bergischen Universität Wuppertal, eine polarisierende Persönlichkeit.

Zunächst lenkte Tim Brümmendorf, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie am Aachener Klinikum, den Blick auf das von ihm und seinem Team gegründete „Euregionale comprehensive Cancer Center Aachen”, das sich in der fachübergreifenden Vernetzung dem Patienten als Persönlichkeit intensiv zuwendet. „Wir müssen uns klar darüber werden, dass wir den Krebs nicht heilen können, aber wir können Leben verlängern”, so der Onkologe, der zudem aktive Forschung auf der Basis molekularbiologischer Verfahren propagierte. Um mehr Lebensqualität geht es auch Carsten J. Krones, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Marienhospital. „Zwischen Leitlinie und Einzelfall” - so das Motto seines Beitrags - bewegt er sich täglich.

„Naturgemäß ist jeder Krebs extrem speziell, Anatomie und Befund reichen uns nicht aus, Vorgeschichte und Therapievorstellungen des Patienten bestimmen gleichfalls unser Handeln”, so der Chirurg, wobei er die Bilanz von statistisch gesteigerten Überlebensraten dem Begriff der Lebensqualität durchaus nachdenklich gegenüberstellte. Mit Wortgewalt nahm schließlich Bazon Brock die Zuhörer mit auf Gedankenflüge: Was macht den Arzt aus? Fachwissen? „Nein”, dozierte Brock. „Dann könnte ihn das Lehrbuch ersetzen.

Die ärztliche Autorität erwächst aus der Individualisierung, aus dem Arzt als Menschen.” Und der Krebs? Hier fordert er ein Umdenken: „Im Krebs tritt uns die Bedingtheit unseres Leben entgegen”, so Brock. „Lernen wir endlich, damit umzugehen.” Aufgabe des Arztes sei es, für das Management in dieser Situation zu sorgen - auf Augenhöhe, als „Kurator”, der die Persönlichkeit des anderen in jeder Lebensphase achtet und bewahrt. In der abschließenden Diskussion blieben nicht alle Thesen unwidersprochen.
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