Virtuelle Medizin: Zwischen Medikamentenversand, Fernarzt und Arzneimittel-Cocktail

Virtuelle Medizin: Zwischen Medikamentenversand, Fernarzt und Arzneimittel-Cocktail

Von: vo
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Foto: pixabay.com | @DarkoStojanovic

München. Das Internet spielt im Rahmen der medizinischen Patientenversorgung eine zunehmende Rolle. Zahlreiche Verbraucher bestellen rezeptfreie Medikamente bei Versandapotheken, verschreibungspflichtige Präparate werden beim virtuellen Arzttermin geordert und aufkommende Nebenwirkungen online gemeldet.

Diese Neuerungen bringen eine willkommene Zeitersparnis und maximalen Komfort. Sie können bei leichtsinniger Vorgehensweise aber auch einen riskanten Arzneimittel-Cocktail hervorbringen.

Arzneimittelversandhandel und Fernärzte

Internetapotheken sind in der Vergangenheit immer wieder in Verruf geraten, weil dubiose Anbieter gefälschte Medikamente virtuell an Endverbraucher verkauft haben. Millionen derartiger Produkte sind in Umlauf. Mit dem Kauf derartiger Präparate geht ein nicht zu unterschätzendes Risiko einher. Während manche Produkte keinerlei Wirkung haben, beinhalten andere gefährliche Chemikalien, die bis hin zum Tod führen können. Nicht zu vergessen, die riskanten Wechselwirkungen, welche die Einnahme illegaler Arzneimittel nach sich ziehen kann.

Um sich zu schützen, müssen Verbraucher sicherstellen, dass sie ausschließlich bei einer Internetapotheke mit Zulassung einkaufen, welche behördlich beaufsichtigt wird. Der reguläre Arzneimittelversandhandel besteht bereits seit 2004. Bei zugelassenen Anbietern erhalten Kunden originale Medikamente, wie in Präsenzapotheken vor Ort. Der Bundesverband Deutscher Versandapotheken hat auf seiner Internetpräsenz Verbrauchertipps für den sicheren Medikamentenversand bei seriöse Arzneimittelversandhändlern arrangiert. Der Verband informiert über unverzichtbare Angaben, die jede vertrauenswürdige Internetapotheke auf ihrer Seite veröffentlicht:

·  Impressum

·  Apothekerkammer

·  Aufsichtsbehörde

·  EU-Sicherheitslogo

Ein weiterer Hinweis auf Seriosität gewährt die Erreichbarkeit der virtuellen Apotheke. Denn eine ihrer Pflichten besteht in der fachlichen Beratung der Kundschaft. Internetapotheken müssen von Apothekern geführt werden und auch die telefonische Beratung muss durch den Fachmann erfolgen.

Ebenfalls gern in Anspruch genommen, wird das Angebot von Fernärzten. Der Patient muss dabei nicht wie üblich, persönlich zum entsprechenden Mediziner gehen, sondern erhält ein Online-Rezept beim Fernarzt, wodurch zeitraubendes Warten in stationären Arztpraxen entfällt. Ein praktischer Service, den sich bereits heute eine Vielzahl Patienten zunutze macht. Insbesondere bei Folgerezepten, wie beispielsweise bei der Pille als Verhütungsmittel, ist der virtuelle Arzttermin gefragt.

Gleiches gilt für Präparate zur Behandlung von Erektionsstörungen, da die Hemmschwelle, mit derartigen Anliegen zum regional ansässigen Arzt zu gehen, hoch ist. Fernärzte, die gleichermaßen an die Schweigepflicht gebunden sind, wie jeder andere Arzt, überprüfen die Patientendaten und leiten das Rezept an Versandapotheken weiter, solange durch die Medikation keine Risiken für den Patienten bestehen.

Bislang verbietet die Berufsordnung für Ärzte eine Online-Diagnose durch Ärzte in Deutschland, solange die Mediziner den Patienten noch nicht unmittelbar behandelt haben. Und obwohl Krankenkassen und Ärzte eine Aufhebung des Fernbehandlungsverbots kritisch beurteilen, scheint der Trend unaufhaltsam. Eine gewisse Lockerung des Verbots zeichnet sich in den vergangenen Jahren bereits ab. Unter anderem gibt es bereits einen telefonischen Notdienst von kassenärztlichen Vereinigungen. Seit die EU-Richtlinie zur Patientenmobilität in Kraft getreten ist und im Oktober 2013 von den EU-Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt sein musste, ist es deutschen Versicherten erlaubt, Leistungen von Online-Ärzten im EU-Ausland in Anspruch zu nehmen. Die deutschen Kassen müssen die Kosten übernehmen, allerdings nur im Rahmen der heimischen Gesetzeslage.

Gesundheitsrisiko durch Arzneimittel-Cocktails

Unabhängig davon, ob Medikamente im Internet oder der stationären Apotheke beschafft werden, besteht das Risiko von unerwünschten Wechselwirkungen. Dies ist vorwiegend bei Patienten zu beobachten, die von mehreren Ärzten behandelt werden oder ärztlich verschriebene Präparate eigenmächtig durch rezeptfreie Produkte ergänzen. Da es angesichts der bequemen Bestellung im Internet immer einfacher wird, Medikamente ohne ärztliche Überwachung zu beschaffen, bleiben viele negative Mischungen unentdeckt.

Je nach Mixtur kann die Wirkung von wichtigen Medikamenten beeinflusst werden. Wie das SWR Fernsehen in einem Beitrag zum Thema erklärt, sind von dieser Problematik besonders Senioren betroffen. „Sie bekommen Wirkstoffe verschrieben, die nicht zusammen passen oder generell nicht für Senioren geeignet sind," heißt es im Artikel zur Sendung. Ein Medikationsplan soll das Risiko von Wechselwirkungen mindern. Er kommt zum Einsatz, sobald Patienten mehr als drei Präparate einnehmen müssen.

Verbraucher haben die Möglichkeiten einen Medikationsplan in der Apotheke ausstellen zu lassen. Hierbei sollte der Apotheker sowohl rezeptpflichtige als auch rezeptfreie Präparate einbeziehen. Letztere umfassen auch scheinbar unwichtige Produkte aus dem Supermarkt wie Nahrungsergänzungsmittel. Auch sie können Einfluss nehmen auf die elementare Wirkung von Medikamenten. Landesgeschäftsführerin der Barmer GEK Dunja Kleis fügt gegenüber dem SWR hinzu, dass es ab 2018 möglich sein soll verordnete Präparate auf Wunsch des Patienten auf der elektronischen Gesundheitskarte zu speichern. "So besteht durch eine elektronische Vernetzung noch höhere Sicherheit", so Kleis.

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