Washington - Viren könnten chronisches Erschöpfungssyndrom auslösen

Viren könnten chronisches Erschöpfungssyndrom auslösen

Von: ddp
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Washington. Am chronischen Erschöpfungssyndrom ist möglicherweise eine Virusinfektion beteiligt.

Darauf deuten die Ergebnisse US-amerikanischer Wissenschaftler hin, die in Blutproben betroffener Patienten genetische Spuren eines Virus entdeckten. Beim chronischen Erschöpfungssyndrom leiden die Patienten an allgemeiner körperlicher, geistiger und psychischer Schwäche und können im Extremfall nicht mal mehr ihr Bett verlassen.

Ob und wie das Virus, das zu den Retroviren gehört und seine Erbinformation in die menschliche DNA einbaut, die Erkrankung tatsächlich beeinflusst, müssten nun weitere Studien zeigen, schreiben die Wissenschaftler um Shyh-Ching Lo von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) in Bethesda im Fachmagazin „PNAS” (doi10.1073/pnas.1006901107).

Die Wissenschaftler untersuchten für ihre Studie Blutproben von 37 Patienten, bei denen das chronische Erschöpfungssyndrom diagnostiziert worden war. Bei 32 der 37 Betroffenen entdeckten sie Hinweise auf ein Virus, das dem aus der Forschung seit langem bekannten sogenannten Maus-Leukämie-Virus (MLV) ähnelte. Bei einer Kontrollgruppe aus 44 gesunden Patienten ohne das Erschöpfungssyndrom stießen die Wissenschaftler hingegen nur in 3 Fällen auf die genetischen Spuren dieses Virus.

Diese Daten deuten darauf hin, dass der Erreger an der Entstehung der Krankheit beteiligt sein könnte - ein Ergebnis, das allerdings eine parallel laufende Studie von Wissenschaftlern um William Switzer von den Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta nicht bestätigen konnte. In weiteren Untersuchungen muss daher nun genauer untersucht werden, wie häufig die betreffenden Viren in den unterschiedlichen Patientengruppen verbreitet sind und auf welchen Wegen die Erreger in das Krankheitsgeschehen eingreifen könnten. Den Verdacht, dass am chronischen Erschöpfungssyndrom Krankheitserreger beteiligt sein könnten, hegen Wissenschaftler schon länger.

Im Gespräch waren unter anderem bestimmte Herpesviren, das Epstein-Barr-Virus und das Bakterium, das auch die Infektionskrankheit Borreliose auslöst. Konkrete Hinweise auf einen einzelnen Erregertyp, der die Erkrankung auslöst, wurden bisher jedoch nicht gefunden. Schätzungen aus Großbritannien und den USA zufolge ist etwa jeder Zweihundertste von der Erkrankung betroffen, deren genaue Ursachen noch völlig unbekannt sind.
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